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Donnerstag, 14. Mai 2020

Fiskalregeln

Immerhin wird langsam aber sicher auch bei den neoklassischen Ökonomen empirisch gearbeitet, das muss man anerkennen. Dogmafrei, kann durchaus herauskommen, dass die Schuldenbremse zu mehr Wachstum führt. Allerdings hat der Beitrag in meinen Augen einige zentrale methodische Schwächen. Man sieht im Langfristvergleich der Kurven der Studie in meinen Augen, dass  keinen Zusammenhang gibt.  Je nachdem wieviele Länder man hineinnimmt, herausnimmt, wie man die Darstellung wählt kommt alles heraus. Gerade beim harmonisierten Sample, wirkt es her zufällig und ein Maß für die Korrelation ist nicht angegeben. Dann eine Korrelation anzunehmen ist anmaßend.

Neben dieser Schwäche ist eine Zweite sehr zentral. Eine gesetzlich verankerte Schuldenbremse nichts darüber aus, ob diese auch eingehalten wird. So wurde der damalige Goldstandard stets und ständig gebrochen, wenn der Bedarf da war. D.h. ein Vergleich zwischen den zwei Systemen ist eher schwierig. Beispielsweise wurde in der EU die Maximalverschuldung auf 80% des BIP festgelegt. Dieser Wert wird ständig verletzt. Was ist also die Aussagekraft einer Studie, welche die Existenz einer Regel mit dem Wirtschaftswachstum korreliert ohne zu prüfen, ob die Regel streng eingehalten wird?
Der nächste Schwachpunkt ist die Definition von Schulden. Wenn Schulden auftreten aber aufgrund einer Schuldenbremse in Schattenhaushalte geparkt werden, dann hat man nichts gewonnen und allein die steigenden Kosten führen zu mehr BIP Wachstum. Warum? Weil sie in den Bilanzen der Unternehmen auftauchen. Es ist also alles nicht so einfach und die mutige Behauptung der beiden Forscher würde ich nicht wirklich teilen. Dazu ist die Analyse viel zu flach, scheint aber für eine Publikation zu reichen.

Fazit

Letztenendes und das ist das Traurige, soll diese Studie diese Aussage belegen

Es ist richtig, dass Bund und Länder entschlossen und massiv mit höheren Schulden auf die Corona-Krise reagieren. Nach Überstehen der Krise muss die Neuverschuldung jedochzurückge-fahren und die Schuldenbremse eingehalten werden.Vor dem Hintergrund der ohnehin langfris-tig nur bedingt tragfähigen Staatsfinanzen ist der jüngste Sprung der Staatsverschuldung be-sorgniserregend. Die Corona-Krise zeigt, wie unvermittelt Krisen auftreten können, die bei unzureichender Vorsorge volkswirtschaftlich nicht zu bewerkstelligen wären. Fiskalregeln tragen dazu bei, Neuverschuldung ohne schädliche Wachstumswirkung zu reduzieren. Das sichert trag-fähige Staatsfinanzen.

Es scheint die Neoklassiker zu wurmen, dass Konjunkturprogramme etwas bringen. Das unendlich viel Geld durch die Notenbanken im Prinzip da ist und die Welt eben nicht an hohen Schulden zu Grunde geht. Die schädliche Wachstumswirkung die sie postulieren haben sie eben nicht nachgewiesen. Aber dennoch sollen wir jetzt schon ans Sparen denken, während um uns die Wirtschaft im zweistelligen Prozentbereich zusammenbricht.

Chris

Mittwoch, 18. März 2020

Klimawandelleugner und ihre merkwürdigen Argumente

Solche und andere blödsinnigen Argumente hört und ließt man immer wieder.

Stellen Sie sich ein großes Wohnzimmer von 6 x 6 Metern Fläche und 3 Metern Höhe vor. Nun riegeln wir den Raum ab. Wie viele Streichhölzer müsste man verbrennen, damit die CO2-Emissionen dem entsprechen, was Autos in 1 Jahr ausstoßen? Antwort: 1 Streichholz bringt so viel CO2 wie 20 Jahre Autofahren.

Auf dem gleichen Blog wird den Klimawissenschaftlern vorgeworfen sie arbeiten nicht wissenschaftlich. Natürlich ohne jeden Beweis

  1. Man führt Beobachtungen bzw. Messungen durch.
  2. Man formuliert Theorien.
  3. Man testet die Theorien in experimentellen Beweisen und versucht alles, um die eigene Theorie zu widerlegen / falsifizieren.
  4. Experimente gelten nur dann als Beweis, wenn sie von Dritten reproduzierbar sind.
  5. Man legt alle Daten, Quellen und Methoden offen, damit andere Wissenschaftler die Theorie überprüfen und ggf. falsifizieren können.
  6. Erst danach kann man von einer wissenschaftlichen Theorie sprechen, die wahrscheinlicher ist als die bisherigen Theorien.
Interessant insofern, da genau das gemacht wird. Es wird gemessen. Es werden Theorien aufgestellt. Die Sonne wurde als ein Faktor einbezogen. Der Faktor ist zu gering, um den Temperaturanstieg zu verstehen. D.h. seit Jahrzehnten wird betrieben, was dort aufgelistet ist. Nun hat man eine konsistent und geprüfte Theorie. Die Gegenreaktion 
Die Unterdrückung abweichender Theorien untermauert nur die Schwäche der eigenen Theorie.

Muss man jegliche abweichende Theorie darstellen nur weil sie da ist. Müssen Astronomen meine Theorie der Mond sei aus Käse gleichwertig neben ihre stellen? Ich denke nicht. Denn eine Theorie muss Relevanz haben. Damit kommen wir zum Eingangszitat. 20 Jahre Autofahren erzeugt so viel CO2 wie ein Streichholz. Das kann sogar stimmen, da keinerlei Angabe darüber gemacht wurde wieviel gefahren wurde. Nehmen wir an man wäre 100 km in 20 Jahren gefahren. Nehmen wir den aktuellen Grenzwert von 95g/km CO2 an. Dann macht das 9.5 kg CO2 in 20 Jahren. Ein Streichholz 1-2g. Selbst wenn diese 2 g komplett aus Kohlenstoff bestehen würden (was sie nicht tun), sollte jedem offensichtlich sein, dass niemals 9.5kg herauskommen. Die molare Masse von Sauerstoff ist ca. 3 Mal höher als von Kohlenstoff. D.h. es würden auf 2g Kohlenstoff 12g Sauerstoff hinzukommen (sind schließlich 2 Moleküle). In 20 Jahren nicht einmal 1 Kilometer zu fahren ist unrealistisch.

Warum man die Streichhölzer in einem Raum verbrennen muss ist unklar, soll wahrscheinlich die Dramatik erhöhen. So "argumentieren" Klimaleugner wieder und wieder. Sie betreiben keine Wissenschaft, sondern kritisieren Dinge die sie meist nicht verstehen. 

Was wenn die Fakten einem Widersprechen

Wenn die "Argumente" nicht verfangen, dann wird eben gelogen. So geschehen auf diesem Blog. Wirtschaftswissenschaftlich scheint der Autor vielleicht Ahnung zu haben. Wissenschaftlich hat er keine. Er lügt, betreibt Cherry Picking und lässt einfach Dinge aus. Er behauptet die Messstationen sind ungleich verteilt. Das stimmt. Er lässt aus, dass Satelliten die Temperatur messen. Er nimmt Häfen im Grönland und nicht die globale Durchschnitttemperatur als Beleg der wenig steigenden Temperatur (das schmelzendes Eis kühlt, ist scheinbar egal). Er korreliert linear in einem hochgradig nicht-linearen System. Das wird gerne getauscht wie man es braucht. Selbst nimmt man die einfachsten Modelle an und wirft den Wissenschaftlern vor, Prognosen seien nicht möglich. 
Auch soll der Meeresspiegel nicht steigen. Die Messdaten zeigen etwas anderes. Alles prüfbar, denn die Daten liegen offen.

Fazit

Es ist simpel sich den aktuellen Stand der Wissenschaft anzueignen. Hier die Kurzfassung des IPCC Berichts. In wenigen Wissenschaften ist das der Fall. Wer valide Kritik aufbauen möchte, muss diese Forschungsergebnisse gezielt adressieren und Gegenargumente bringen. Das passiert nicht. Die zentrale Frage stellen die Klimaleugner nicht. Warum steigt die Temperatur? Der Verweis auf Klimazyklen ist nicht hinreichend. Diese haben Ursachen. Genau hier kommen die Leugner in Schwierigkeiten. Sie kritisieren eine Theorie die sie nicht verstehen, haben aber keinerlei Erklärung warum Phänomene auftreten.

Chris

Dienstag, 8. März 2016

Infraschall von Windenergieanlage ist harmlos

Nach heutigen Stand des Wissens

Da die von Windenergieanlagen erzeugten Infraschallpegel in der Umgebung (Immissionen) deutlich unterhalb der Hör- und Wahrnehmungsgrenzen liegen, können nach heutigem Stand der Wissenschaft Windenergieanlagen beim Menschen keine schädlichen Infraschallwirkungen hervorrufen. Gesundheitliche Wirkungen von Infraschall sind erst in solchen Fällen nachgewiesen, in denen die Hör- und Wahrnehmungsschwelle überschritten wurde. Nachgewiesene Wirkungen von Infraschall unterhalb dieser Schwe llen liegen nicht vor.

Wetten, dass die Windenergiegegner sich davon nicht beeindrucken lassen. Es gibt vielleicht Gründe gegen Windenergie zu sein. Infraschall ist nach aktuellem Wissen kein Grund. Der Straßenverkehr emmitiert mehr Infraschall als eine Anlage und die Menschen werden nicht krank. Allerdings sorgt der Nocebo-Effekt sehr wohl dafür.

Chris

Freitag, 14. November 2014

Die weisen Weisen

Nehmen wir die Ergebnisse der vier Wirtschaftsweisen und wenden sie auf andere Bereiche an. Sinngemäß soll im Gutachten stehen, dass der Mindestlohn, den es noch gar nicht gibt, für die deutsche Wirtschaftsschwäche verantwortlich ist. Neben viel könnte und vielleicht, denn Festlegung ist nichts für einen Wirtschaftsweisen, ist das eine lustige Aussage. 
Die Wirtschaftsweisen verletzen mit der Aussage die Kausalität und schreiben den Unternehmen seherische Fähigkeiten zu. Es mag ja sein, dass Unternehmen neu planen und Personalentscheidungen verschieben. Mit dem aktuellen Zustand hat das faktisch nichts zu tun. Vor allem bei den Auftragseingängen ist der Zusammenhang nicht erkennbar. In der Wissenschaft gibt es eine Regel. Wenn du einen Effekt beschreiben möchtest und du hast zwei Modelle zur Verfügung, dann nimm das einfachere. Die Argumentation, dass der zukünftige Mindestlohn an der aktuellen Wirtschaftsschwäche Schuld sei ist dafür ein gutes Beispiel. Aktuell werden Sanktionen gegen Rußland gefahren und eine Austeritätspolitik in Europa forciert. D.h. zwei für Deutschland wichtige Absatzmärkte werden geschwächt. Ist es nicht naheliegender, dass die Ursache hier liegt?
Falls sich die Zunft der deutschen Wirtschaftswissenschaftler fragt warum sie unglaubwürdig ist, dann sollte sie sich zum Beispiel bei der INSM und/oder den Wirtschaftsweisen umschauen. Sie sollte sich die Talkrunden ansehen. Hier sitzen die Repräsenten ihrer Zunft. Zumindest für die Bevölkerung sind das die Sprecher der Wissenschaft und jedem Deppen fällt auf, was für einen Unsinn diese Typen reden. Die Widersprechen sich in der Regel selbst und fordern als verbeamtete Professoren an staatlichen Hochschulen, die Verkleinerung des Staates, die Senkung der gesetzlichen Rente und die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, sprich die Abschaffung eines Kündigungsschutzes.

Chris

Donnerstag, 13. November 2014

Good News - Philae ist gelandet

Wenn ein so komplexes Projekt über mehr als 10 Jahre zwischen verschiedenen Nationen realisierbar ist, habe ich noch Hoffnung für die Menschheit.

Chris

Donnerstag, 10. April 2014

Eine große australische Studie stellt fest, dass Homöopathie nicht besser als Placebos wirkt

Ich freue mich immer auf solche Studienzusammenfassungen. In den Begleitforen kann man die absurden Glaubesdiskussionen und in vielen Fällen nur lachen. Hier ein kleines Best Of der Nullargumente der Homöopathiebefürworter

Aber bei mir hat es gewirkt
Ich nehme eine Zuckerkugel zu mir und werde gesund. Daraus resultierend stelle ich den Zusammenhang her, dass es bei gewirkt hat. Woher weiß derjenige der diese Aussage tätigt, dass er nicht ohne Zuckerkugel gesund geworden wäre? Woher weiß er, dass nicht der Placeboeffekt greift, oder der intensive Kontakt zum Homöopathen? Den letzten beiden Punkten wird die Wirksamkeit nicht abgesprochen. 

Wenn es nicht wirkt, dann schadet es doch niemandem
Auch diese Aussage ist falsch. Wenn ich Diabetes habe und statt Insulin ein homöopathisches Mittel zu mir nehme, schadet es mir. Noch schlimmer wird es, wenn ich Schutzbefohlenen wie Kindern, wirksame Medikamente verweigere.

Die böse Pharmaindustrie will doch nur Geld verdienen
Die Pharamaindustrie will Geld verdienen. Das wollen Autokonzerne auch. Autos erfüllen ihren Zweck. Medikamente erfüllen ihn in den meisten Fällen auch. Ich will die Pharmaindustrie nicht verteidigen . Dort gibt es mehr als ein schwarzes Schaf. Allerdings ist ein korrupter Industriezweig KEIN Argument für die Wirksamkeit der Homöopathie. Vor allem wenn man sich die Preise der "Medikamente" dort ansieht. Die Kosten liegen bei 174 Euro für 100 g. Im Supermarkt bekommt man 100g Zucker für 6.5 Euro Cent. Das Verhältnis liegt deutlich über 2500/1. Solche Margen sind selbst bei der bösen Pharmabranche selten. Da die Homöopathen auch nur Geld verdienen wollen, ist die Schulmedizin wirksam? Nach dem Argumentationsmuster der Befürworter muss man dies bejahen.

Alternative Medizin
Es geht bei Homöopathie nicht um eine alternative Form der Medizin. Medizin wirkt oder eben nicht. Naturheilverfahren funktionieren. Bei vielen Kräutern und Tees wurde eine Wirksamkeit über dem Placeboeffekt nachgewiesen. Somit ist das Argument, dass man mit diesen Studien nur die Pharmaindustrie fördern will, um Tabletten in unseren Körper zu bringen hinfällig. Wenn dem so wäre, dann würde man den Placeboeffekt wegreden. Man würde die Wirksamkeit des persönlichen Kontakts zu Ärzten in Frage stellen. Das alles geschieht aber nicht.

Ich glaube das es funktioniert
Das ist ein Todschlagargument. Gegen Glauben kann man nicht argumentieren. Der Unterschied zwischen Glauben und Wissenschaft ist, dass die Wissenschaft sich immer wieder hinterfragt. Viele Medikamente deren Wirksamkeit in späteren Studien nicht mehr nachgewiesen wurde, werden verboten. Im Gegensatz zu dem was die Homöopathiegläubigen sagen, geschieht das regelmäßig. Das heißt Wissenschaft versucht sich immer wieder zu widerlegen. Beweisen kann sie nichts.


Fazit
Mich erstaunt, dass gerade die vermeintlich intelligenten, gut gebildeten Menschen auf diesen Humbuck hereinfallen. Bevor ich 10 Euro für ein wenig Zucker ausgeben, kaufe ich mir lieber ein Stück Kuchen. Der ist billiger und schmeckt besser.

Chris

Donnerstag, 19. September 2013

Remotely Controlled Laboratories - RCLs

Remotely Controlled Laboratories sind eine Initiative, welche über ferngesteuerte Labore die Lehre in Universitäten und Schulen verbessern sollen. Man kann sich verschiedene Experimente aussuchen und diese mittels des Browsers fernsteuern. Eine Webcam überträgt live das Verhalten. Theoretische Grundlagen und der Messaufbau der Experimente werden erläutert, so dass Lehrer diese einfach im Unterricht verwenden können. Die Experimente an sich, sind relativ einfach konstruiert. Der Windkanal besteht aus einer Röhre und einem Staubsauger. 

Chris

Montag, 29. April 2013

Kausalität und Korrelation

Die Frage nach Korrelation und Kausalität ist nicht beantwortet, sie ist auch nicht so wichtig, denke ich.

las ich als Kommentar über den Statistikfehler von Rogoff und Reinhard. Dabei ist das der Kern des Problems. Wirtschaftswissenschaftler erkennen vermeintliche Zusammenhänge und beeinflussen mit Ihnen die Politik. So besteht auch eine Korrelation zwischen Sonnenbrand und dem Energieverbrauch von Klimaanlagen. Das heißt aber nicht, dass Sonnebrand für den Mehrverbrauch ursächlich wäre. Auch der Umkehrschluss ist falsch. Klimaanlagen erzeugen keinen Sonnenbrand. Die Ursache ist der Sommer.
Dieses kleine Beispiel zeigt, dass es sehr wohl wichtig ist wie die Dinge zusammenhängen. Denn es ist einfach Modelle zu kreieren, um eine Vorhersage über den Einfluss der Klimaanlagen auf das Hautkrebsrisiko zu treffen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Aussage irgendeinen Inhalt hat.

Anmerkung:
Wenn Wirtschaftswissenschaftler vorhersagen mit 0.x % Genauigkeit treffen können, obwohl die Messungenauigkeit zur Bestimmung des BIPs oder anderer Werte deutlich darüber liegen, sollte man sehr skeptisch sein.


Chris

Donnerstag, 7. März 2013

Kommt eine Verbesserung der wissenschaftlichen Arbeitsverträge?

Die SPD legt einen Gesetzentwurf vor, welcher die Arbeitsvertragslaufzeit für wissenschaftliche Mitarbeiter verbessern soll. Wer jemals an einer Universität angestellt war, kennt das Problem. Die Gelder sind knapp, Drittmittel werden nicht rechtzeitig bewilligt und die Doktoranden müssen damit umgehen. Da sich an der Unterfinanzierung der Hochschulen nichts ändert, wird der Gesetzesentwurf in meinen Augen nicht viel bringen. Wenigstens weiß man, dass irgendjemand sich mit dieser Problematik beschäftigt.

Chris

Montag, 3. September 2012

Realität und Modell

Modellbildung ist alles andere als einfach. Aus diesem Grund kann man keine Vorwürfe machen, wenn jahrelang fehlerhafte Modelle verwendet werden. Schlimm wird es nur, wenn offensichtlich falsche Beschreibungen der Realität verwendet werden, um Ideologien zu legitimieren. Die Beschreibung der Realtität und der Versuch sie zu verstehen bleibt auf der Strecke. Zwei kurze Beispiele:

Biologie - Intelligent Design

Dieses Modell zeichnet sich dadurch aus, dass es auf Glauben basiert und dass es bei konsequenter Befolgung der Annahmen zu einer ganzen Reihe von Problemen kommt. Eine der Annahmen lautet, dass die Erde deutlich jünger ist als von der darwinistischen Wissenschaft behauptet. Wenn das so ist folgt als Konsequenz, dass die Halbwertzeitenanalyse zur Altersbestimmung von Pflanzen- und Tierresten nicht einmal annähernd stimmen. Somit hat die Physik den Prozess des Kernzerfalls nicht verstanden und die Modelle wären fehlerhaft. Dagegen spricht, dass die Verbreiter der Ideologien des Intelligent Designs ihre Thesen mit einem Computer im Internet verbreiten. Der Strom den sie dafür verwenden stammt teilweise aus Atomkraftwerken. 
Die Behauptung, dass die wissenschaftlich arbeitenden Biologen nicht die gesamte Evolution schlüssig erklären können und viele offene Fragen bestehen ist richtig. Allerdings aus diesem Umstand auf einen göttlichen Eingriff zu schließen ist fragwürdig. Nur weil etwas kompliziert ist und ich es nicht verstehe, heißt das noch lange nicht das nur ein Gott es geschaffen haben kann. Chinesisch ist auch keine göttliche Sprache.

Sozialwissenschaften - Austeritätspolitik

Kaum etwas ist offensichtlich so fehlerhaft wie das Verfolgen einer solchen Politik. Faktisch alle Studien und Erfahrungen widersprechen den Vorhersagen der Modellen, dass Sparen Staaten entschulden könnte. Dabei sind die zentrale Probleme tatsächlich die Modellannahmen. Es fängt damit an, dass ein perfekter Markt definiert wird. Nun ist jedem Wirtschaftswissenschaftler klar, dass es diesen nicht gibt und er nimmt ihn als Grenzfall an. Im Gegensatz zur Physik, wo man einige Grenzfälle tatsächlich prüfen kann, z.B. Vernachlässigung des Luftwiderstands, ist solche Überprüfung im Falle der Wirtschaftswissenschaften nicht möglich. Somit bleibt diese Annahme mehr oder weniger spekulativ. Wenn also das Fundament so brüchig ist, sollte man darauf kein Haus bauen. Einfacher wäre es, erworbenen Erfahrungen zu vertrauen und diese zu nutzen. Jeder würde Lachen wenn man einen Ball 1000 Mal nach oben wirft und man erwartet das er weiter steigt. Schließlich hatte das vorzeichenfehlerhafte Modell dies vorhergesagt. Die Erfahrung würde widersprechen. Da ein Ball kaum Ideologien und Interessen in sich trägt, könnte man sie nutzen um sein Modell zu berichtigen. In der Ökonomie ist das leider nicht so einfach möglich.

Chris

Dienstag, 27. März 2012

Kybernetische Erklärung der zwei Lenkungsarten: Steuerung und Regelung

Der eine Irrtum der Frühliberalen betrifft ihre Auffassung von der Entstehung von Regelungen. Aus der Tatsache, dass unser Wissen über die Gesellschaft und die Wirtschaft immer unvollständig bleibt, folgerten sie, auch Regelungen könnten nicht anders als spontan („natürlich“) entstehen. Durch die Beobachtung von Handlungen und deren Auswirkungen, so Smith, entstünden Gefühle („reflexive Sympathie“), aus denen die Menschen lernen würden, die richtigen von den unrichtigen Pflichten zu unterscheiden, woraus sich schließlich die Regeln verfestigten, denen die Menschen - sei es bewusst oder unbewusst - folgen würden. Diese Vorstellung von gewachsenen Regelungen ist zwar nicht falsch, aber sie greift zu kurz. Heute gibt es keinen Grund daran zu zweifeln, dass Regelungen auch gezielt geschaffen werden können. Man kann sogar mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich auch allgemeine Methoden entwickeln lassen, mit denen sich auf systematische Weise Regelungen für soziale Systeme entwerfen lassen - wie in den technischen Wissenschaften. Daher ist es verantwortungslos, ja sogar ein existenzielles Risiko, die menschliche Entwicklung dem Zufall der Geschichte zu überlassen oder anders gesagt alle Hoffnung auf das blinde sozialdarwinistische Prinzip der dumpfen Auslese (trial and error) zu setzen. Die sich selbst überlassene Natur ist nicht diejenige, die für uns am besten sorgt. In Wirklichkeit tut sie für uns gar nichts; es sind die Menschen, die etwas für sich tun. Daraus folgt, dass auch die ökonomische Theorie es sich explizit zur Aufgabe machen muss, neue Regelungen zu entwerfen. Sie darf also nicht selbstzufrieden und unbekümmert auf Regelungen warten, die ihr dann irgendwann zufällig durch soziale Unruhen und andere Bedrohungen aufgezwungen werden. Bestimmt wird es immer wieder vorkommen, dass die eine oder andere von uns entworfene Regelung unsere Erwartung enttäuscht. Aber dann bleibt uns nichts anderes übrig, als diese Regelung als eine misslungene Konstruktion, als eine „Maschine, die nicht funktioniert“ (Werner Sombart), zu verwerfen. Stellt sich dabei heraus, dass Regelungen wie wir sie methodisch entwerfen, immer wieder versagt haben, sollten wir nicht nur diese Regelungen verwerfen, sondern irgendwann auch die Denkweise über das zu regelnde System, auf deren Grundlage wir diese Regelungen aufgebaut haben. Wenn also die neoliberalen Regelungen, die aus dem Gleichgewichtsmodell abgeleitet werden, nichts taugen, ist dies kein Beweis, dass die Marktwirtschaft keine Regelungen braucht, sondern dass die neoliberale Theorie (das Paradigma) grundsätzlich falsch oder zumindest praktisch unbrauchbar ist, über Regelungen etwas zu sagen.

Anmerkung: Ein sehr guter Artikel auf Forum Systemfrage. Endlich wird bei einem wirtschaftspolitischen Blog der Unterschied zwischen Steuerung und Regelung klar ausgearbeitet. Ich hoffe das lesen einige, die sich gegen Regelungen mit dem Argument des Fehlens von Information aussprechen.

Chris

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Fachartikel in der Wissenschaft

Wer in der Wissenschaft bestehen will, muss viel publizieren. Damit steht und fällt die Reputation in der Wissenschaftswelt. Interessant dabei ist, wie der Veröffentlichungsprozess abläuft.

Freitag, 9. September 2011

Die Belastung der 10%

Ist die Belastung der obersten 10% zu hoch, wenn sie 54% der Einkommenssteuer zahlen? In den Augen eines Herrn Dr. Knipping von der INSM ist das so. Dabei blendet er vollkommen aus, dass diese Gruppe ebensoviel Einkommen erhält. 

Freitag, 24. Juni 2011

Klimaforschung

Wenn ihr der Klima-Debatte ein bisschen gefolgt seid, habt ihr bestimmt mitgekriegt, dass es da angeblich substantiell viele Wissenschaftler gibt, die daran zweifeln, dass die Klimaveränderung vom Menschen verursacht wird. Hier hat sich mal jemand eine Liste von 900 Papers angeguckt und kam zu folgendem überraschenden Ergebnis:
However, a preliminary data analysis by the Carbon Brief has revealed that nine of the ten most prolific authors cited have links to organisations funded by ExxonMobil, and the tenth has co-authored several papers with Exxon-funded contributors.

Quelle: Fefes Blog


Anmerkung: Ich gebe auch zu, dass ich skeptisch bin bei den Klimaforschungsergebnissen. Allerdings bin ich der Meinung, dass eine Umsetzung der Lösungen (weniger CO2, weniger Energieverbrauch, mehr Umweltschutz) im Zweifelsfall nicht schadet. Das 90% der Gegenforschungen von ExxonMobil bezahlt worden sind zeigt, dass man durchaus mit Geld Forschungen beeinflussen kann. Die Frage wie es auf der anderen Seite aussieht bleibt ebenso offen, wie die Frage über die Haltbarkeit der Ergebnisse der Forschungen. Nur weil man von einem Klimagegner bezahlt wird heißt dies nicht per se, dass alles falsch ist. Allerdings geht man vorgeschädigt in die Untersuchungen hinein, was gegen eine objektive Forschung spricht.

Chris

Donnerstag, 23. Juni 2011

Doktor Arbeitsamt

Über 60% der Stellen an den Universitäten sind Zeitverträge. Wie soll die Qualität der Wissenschaft und Lehre aufrechterhalten werden, wenn das Personal derart stark rotiert? Langfristig planbare Forschung, oder freie Forschung ist so faktisch nicht möglich. Es ist schon erstaunlich, dass ein Land welche angeblich in einer Wissensgesellschaft lebt die Mehrung des Wissens und der Bildung so schlecht behandelt.

Chris

Mittwoch, 18. Mai 2011

Konsequenter Glaube an die Aussagen von Professoren

Auf Kritik und Kunst fand ich den Link einem Bild Artikel. Die Überschrift:
Wissenschaftler widersprechen Hawking. Es gibt ein Leben nach dem Tod!

Nun denkt und hofft man, dass DIE Wissenschaftler etwas entdeckt, etwas bewiesen hätten. Stattdessen wird die These von Steven Hawking in Frage gestellt, dass alles mit dem Tod endet. Mich erinnert die Debatte ein wenig an die Ökonomischen. Auch dort werden regelmäßig, schwer bis gar nicht belegbare Thesen durch Wissenschaftler vertreten, ganz vorne dabei Herr Sinn, Raffelhüschen. Durch ihren Professoren Titel haben auch sie die Allwissenheit gleich mit dazu bekommen. Wie bei der Diskussion über ein Leben nach dem Tod, gibt es natürlich mehrere Meinungen. Allerdings wird in der Ökonomie davon ausgegangen, dass es sich um eine seriöse Wissenschaft handelt und man im Grunde alles versteht. Tatsache ist leider, dass man sehr wenig versteht. Vieles ist Spekulation und wirklich funktionierende Modelle gibt es nicht. Auch Experimente gestalten sich sehr schwierig. Nun kann man über Statistiken probieren empirische Daten zu erhalten. Aber auch da zeigt sich, dass dies alles andere als leicht ist. Um die Daten auszuwerten benötigt man natürlich Annahmen. Diese Annahmen setzen ein funktionierendes Modell vorraus. Denn Kausalität zwischen bestimmten Daten muss keineswegs vorhanden sein, nur weil sie sich ähnlich verhalten. Solche Dinge werden in der Öffentlichkeit selten diskutiert. Stattdessen werden lieber die Aussagen der Professoren als Wahrheit angenommen. So kann es dann auch kommen, dass für die Bild Zeitung bewiesen ist, dass ein Leben nach dem Tod existiert.

Chris

Montag, 16. Mai 2011

Flexible Wing

Der flexible Flügel ist eine der großen Ziele der Flugzeughersteller. Man kann durch gezielte Deformation der Tragflächen die notwendigen Verformungen erzeugen, zum Beispiel für Start und Landung. Hier ist ein älteres Beispiel was schon heute möglich ist. Der Vorteil ist, dass man Kanten und Übergänge vermeidet, welche ein ungünstiges Strömungsverhalten haben und die Aerodynamik beeinflussen. Durch die Vermeidung, kann man den Wirkungsgrad des Flugzeugs steigern. Man braucht eventuell kleinere Flügel (Masse) und/oder weniger Treibstoff.

Chris

Mittwoch, 13. April 2011

Kreative Statistik

Wenn ich mir die gewagten Rechnungen eines Herrn Dr. Bardt ansehe dann wird mir klar warum es um die deutsche Wirtschaftswissenschaft so schlecht steht. Man nehme den Gesamtstromverbrauch der deutschen Industrie und teile diesen durch die Menge des erzeugten Atomstroms. Tut man dieses kommt nach der Rechnung heraus, dass die deutsche Wirtschaft mit 50% Atomstrom läuft. Die Wirtschaft in Deutschland muss also faktisch stillstehen, wenn man sich von der Kernkraft verabschiedet. Auf den ersten Blick ist diese These einleuchtend. Was die anderen Verbraucher für Strom Nutzen wird allerdings nicht beschrieben. Wie Herr Bardt den Atomstrom aus den Leitungen filtert verrät er ebenfalls nicht. Ebensowenig schreibt er, dass schon heute Windkrafträder regelmäßig stillstehen, müssen, ebenso wie einige Kernreaktoren (wegen Mängeln). Seine restlichen Argumente für die Atomkraft könnten direkt bei den Betreibern abgeschrieben worden sein. Dies soll die Arbeit eines Wissenschaftlers sein? Er vergewaltigt die Statistik, um seine Thesen einzuleiten und verwendet unkritisch offensichtlich nicht objektive Daten der Energieversorger. Dieser Mann gibt also seinen Doktor her, um Seriösität zu verbreiten. Schließlich sollte er bewiesen haben, was er vortrefflich vermeidet, kritisch Wissen schaffen.

Chris