Ich finde Diskussionen über Umverteilung von Spitzenvermögen ermüdend. Hier mal die Hitliste
- Einkommen und Vermögen werden gleichgesetzt
- Kleinere Vermögen werden mit Milliardären gleichgesetzt
- Es wird eine Fairness- oder Neiddebatte aufgemacht
Punkt eins spare ich mir. Punkt zwei ist relevant. Wenn sich Friedrich Merz beispielsweise vor den Club der Überreichen stellt und sagt, wir gegen die (das war beim Verband der Familienunternehmer), dann versteht er nicht, dass seine 12 Millionen Euro Vermögen ein Witz sind verglichen zu 1 Mrd. Euro. Er ist dem Bürgergeldempfänger näher als dem Milliardär und auch die Chance das er Bürgergeldempfänger wird ist höher, als das er Milliardär wird. Das verstehen viele nicht.
Unter der Annahme, dass wir alle nur an uns selbst denken, insbesondere solche Typen wie Merz, sollte er unten helfen und nach oben treten. Das wäre rational. Er lässt sich vom Luxus blenden.
Die Fairnessdebatte ist auch sehr schön. Es sei ja unfair diesen Menschen etwas wegzunehmen. Der böse umverteilende Staat. Das krasse dabei ist, wie wenig Gesellschaft und vor allem arbeitsteilige Gesellschaft verstanden wird. Ohne Gesellschaft ist niemand reich. Das wusste Robinson Crusoe schon. Eigentumstitel zählen nichts.
Also braucht es erst einmal eine Gesellschaft. Aber auch dann kann man erst wirklich reich werden, wenn man umverteilt. Ein Milliardär kann nicht hundertausendfach produktiver sein, als ein armer Mensch. Das ist unmöglich. D.h. er lässt Menschen für sich arbeiten und behält einen Teil der Wertschöpfung. Wenn der Staat genau das macht und der Gemeinschaft zurückgibt, dann wird es als Diebstahl von Libertären bezeichnet. In dem Fall nicht. Das Argument erscheint schlüssig, ist aber dumm. Der Staat hat das Gewaltmonopol und du kannst daher nicht wählen ob du Steuern zahlst. Beim Unternehmen wählst du freiwillig ob du Einkommen generieren möchtest oder eben nicht. Da Menschen essen, schlafen und trinken müssen, ist dieses Argument absurd. In unserer Gesellschaft brauchst du Geld und das bekommst du aus Erwerbsarbeit. D.h. du hast faktisch keine Wahl. Wählen kannst du im besten Fall den Grad der Ausbeutung. Das aber auch nicht immer, wenn bspw. staatliche Macht genutzt wird von den Unternehmen und Überreichen die keine Steuern zahlen wollen, um Rechte der arbeitenden Bevölkerung einzuschränken.
Menschen müssen sich also in Ausbeutungsbeziehungen begeben, weil die gesamte gesellschaftliche Struktur so ausgerichtet ist. Das haben auch nicht die Milliardäre zu verantworten, aber sie profitieren davon massiv. Fair ist das sicher nicht. Objektiv ist es eine erzwungene Umverteilung. Niemand konnte mir das bisher widerlegen, das es so ist.
Die Frage ist dann, warum muss das so bleiben. Und auch hier sieht es sehr dünn bei den Verteidigern dieses Systems aus. Alle Metriken zeigen, dass gleichere Gesellschaften glücklicher sind, lebenswerter, sicherer und stabiler. Selbst für die Spitze gilt das. D.h. an der Lebensqualität kann es nicht liegen. Es geht um Macht und dem Glauben Privilegien zu verlieren. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn man keine 10 Häuser 30 Autos und 2 Yachten hat, den Zugang zur Politik und die Kontrolle über 10 tausende Menschen, dann fühlt man sich vermeintlich minderwertig. Das wollen wir alle scheinbar nicht. Ein paar wenige sollen ihre Komplexe ausleben dürfen. Dafür nehmen wir massive Umweltverschmutzung, Kinderarmut, Alleinerziehendenarmut, verfallende Infrastruktur und Rechtsradikale Parteien gerne in Kauf. Alles andere wäre eine Neiddebatte. Vielleicht ließt das jemand und erklärt mir, warum eine Vermögenssteuer ab 50 Millionen aufwärts und eine Erbschaftssteuer wo das Erbe dem Einkommen zugerechnet wird (ab einem debatierbaren Freibetrag), ungerecht ist? Wenn man 50 Millionen Euro Bargeld erbt oder 50 Millionen Euro Einkommen bekommt, wird das unterschiedlich behandelt. Einmal hat man gearbeitet. Einmal wurde man von anderen Personen gezeugt. Ich warte gerne. Bisher gab es wenig Substanz.
Chris