Posts mit dem Label INSM werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label INSM werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 1. Oktober 2021

Die INSM liebt den Clemens

Die INSM hofft, dass von den Vorschlägen eines Clemens Fuest möglichst viel umgesetzt wird. Die Vorschläge sind aber weder ambitioniert noch realtitätsnah. Hier ein paar Beispiele:

Digitalisierung:

Es reicht nicht, Digitalisierung im Prinzip zu wollen, aber Unternehmen wie Uber, Airbnb oder Online-Apotheken mit Verboten und Regulierungen zu überziehen.

Genau deshalb funktioniert sie in Deutschland nicht. Ausbeuterische Unternehmen zuzulassen ist nicht die Richtungsweisung. Die Frage ist doch, welche Dienste machen digital Sinn und welche nicht. Uber funktioniert nur, weil es Arbeitschutzmaßnahmen umgeht. D.h. diese Unternehmen nutzen Menschen aus. Unser Problem ist, dass wir die Infrastruktur nicht haben. Wenn wir keinerlei Internet im ländlichen Raum haben, dann kann dort nichts entstehen. Wenn wir Haftungsfragen bei Datenverlusten nicht klären, dann entwickelt sich keine hochwertige Industrie in dem Sektor. 

Fuest verkennt auch, dass es sehr viel mehr gibt als er weiß. Klar haben wir kein Uber, aber er sollte einfach mal in das B2B Business schauen.

sondern auch um eine bessere Vermittlung digitaler Kompetenzen in der Schule und die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung

Ein im Prinzip guter Vorschlag. Fuest und andere haben das seit Jahren verhindert. Klingt erst einmal komisch. Aber der Staat durfte ja nicht zu viel Personal haben. Lehrer und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst waren und sind überbelastet. Wann sollten sie sich weiterbilden und in diese Richtung entwickeln? Jetzt diesen Weg zu fordern ist zwar nett, aber das es deutlich mehr Ausgaben in diesem Bereich. Es wird vor allem auch sehr lange dauern, da die Lehrer erst ausgebildet werden müssen. Dann braucht man auch den Support vor Ort. Und Digitalisierung in der Schule heißt auch, Datenschutz, Umgang in Internet, Cybermobbing, etc. 

Klima

"Klimaschutz unnötig verteuern"

Auch hier verschweigt Fuest, dass viele seiner Kollegen über Jahrzehnte vor den Klimaschutzmaßnahmen gewarnt haben. Da hätte es sehr preiswert sein können. Nun wird es deutlich teurer. Seine Ideen sind der Markt regelt alles und wir machen Unsinnige Dinge wie Dekarbonisierung.

Eine Dekarbonisierung wird niemals in der Breite stattfinden können, denn es ist brutal ineffizient und kostet sehr viel Energie. Es mag Bereiche geben, wo es nicht anders geht. Es wird aber immer billiger sein, kein CO2 zu produzieren, als es zu tun.

Mieten:

Arme Menschen sollen jetzt Wohnungen kaufen. Mietkaufmodelle sind vielleicht eine gute Idee. Aber wie soll das gehen? Wenn eine Wohnung 400 tausend Euro kostet und ich zahle sie teilweise mit meiner Miete ab, dann ist die Miete immer noch sehr sicher zu hoch. Warum? Weil der Verkäufer Geld verdienen will. 


Wirtschaft
Da widerspricht sich Fuest in einem Absatz selbst. Er schreibt 

weil mit der Alterung der Bevölkerung die Zahl der Menschen im Erwerbsalter sinkt.

Soweit so richtig. Damit dann die fehlenden Arbeitskräfte eingestellt werden können muss

Es ist deshalb erforderlich, Beschäftigungshindernisse im Steuer- und Transfersystem abzubauen.

D.h. wir haben einen Mangel an Arbeitskräften und müssen dann aber Steuern- und Sozialabgaben senken, damit Menschen eingestellt werden? Die Logik verstehe ich nicht. Wenn der Bedarf da ist, dann ist er da. Aber klar es sit die übliche Leier. Deutschland sei zu teuer, obwohl wir selbst in einer Pandemie viel exportieren. Gleichzeitig soll die Verschuldung nicht steigen. D.h. Sozialabbau und Senkung der Staatsausgaben.

Fazit

Mir ist klar, dass die INSM diesen Beitrag toll findet. Fuest fordert nichts neues. Im Grunde schreibt er, der Staat müsse alles machen, aber dafür keine Schulden machen und bitte noch die Einnahmen kürzen (Steuern senken). Wenn der Staat dann seine Ziele nicht umsetzt, kann er feiern wie unfähig doch der Staat ist. Ich hoffe, dass diese Personen und dieses Denken ausstirbt. Niemandem hilft ein solcher Beitrag. Es ist die Meinung von Herrn Fuest. Weder ist sie durch Forschung untermauert, noch sonstwas. Digitalisierung ist gescheitert, weil wir keinerlei staatliche Anstrengung gemacht haben. In einigen Ländern gibt es eine Garantie auf schnelles Internet. Aber das beeinflusst ja den Markt. Deutschland war Weltmarktführer bei Solaranlage, aber da wurde ja subventioniert, pfui. Sein Fazit

Es ist höchste Zeit für eine politische Wende.

Stimmt, darum hört solchen Menschen nicht mehr zu. Je mehr sie jammern, desto besser scheint die Politik.

Chris

Freitag, 10. September 2021

INSM Kommentare IV

Klar ist die INSM gegen das Projekt "Deutsche Wohnen enteignen". Darum auch ein Kommentar der mit einem solch dämlichen Endsatz

Besser wäre es, das Wohnproblem anstatt mit Sozialismus konsequent kapitalistisch zu bekämpfen: Mehr bauen, höher bauen, günstiger bauen. Doch das könnte den Sozialisten ihre Aussicht versperren.

zu beenden. Rainer Hank versteht den Kapitalismus nicht. Das erkennt man sehr schnell. Was sollte denn bitte einen Kapitalisten motivieren so zu bauen, dass die Mietpreise sinken? Warum sollte ein Kapitalist sich dafür einsetzen, dass die Grundstückspreise sinken? Beides schmälert seine Rendite. Die Frage ist doch, warum dürfen Unternehmen beliebig hohe Mieten nehmen. Warum subventionieren wir sie über Mietzuschüsse? Warum dürfen sie Grundstückswertsteigerungen einfach so kassieren, obwohl sie nichts dafür gemacht haben. In München gab es Grundwertsteigerungen von 60.000%  seit den 60er Jahren zu heute. Da irgendetwas von Sozialismus zu faseln, zeigt, dass der gute Mann nichts verstanden hat. Es ist eben leicht als Boomer in seinem Haus oder seiner Wohnung die Probleme der jungen Menschen und Familien in Großstädten zu ignorieren. Nirgendwo gibt es ein Naturrecht auf unendlichen Reichtum.

Inflation

Denn aktuell nimmt die Geldentwertung zu, die Notenbank müsste eigentlich die Zügel anziehen. Eine Erhöhung der Leitzinsen auf drei oder vier Prozent wie früher erscheint aber kaum vorstellbar.

schreibt  Markus Zydra in der Süddeutschen Zeitung. Ich finde das aus zwei Gründen absurd. Schaut man sich die Inflation und den Leitzins an, dann sieht man, dass ein höherer Leitzins immer auch eine höhere Inflation bedeutet. Dann wurden die Zinsen gesenkt, weil die Inflation sank. So einfach. Jetzt steigt die Inflation auf ein normales Maß und es wird behauptet das sei ein Problem. Konservative Ökonomen sind widersprüchlich. Sie behaupten der Markt regelt alles. Wenn es eine gigantische Nachfrage nach Geld gäbe, dann steigen die Zinsen der Privatbanken, diese wollen schließlich Geld verdienen. Das ist in Teilen unabhängig vom Leitzins. Diese Nachfrage gibt es nicht. Die Jammerei ist mal wieder unbegründet. Wirkliche Probleme werden nicht angesprochen. Das Problem ist nicht das Geld. Das Problem ist die Klimakrise, die sozial Ungleichheit, die marode Infrastruktur. Ich für meinen Teil bezahle gerne 10 Cent mehr für meine Tomate, wenn ich dafür schnelles Internet habe und die Löhne stärker steigen.

Sehr schön wie sie sich winden.

Dem Markt sind Menschen herzlich egal“, hat Annalena Baerbock jüngst gesagt und dafür viel Gegenwind bekommen (etwa hier vom stellvertretenden Chefredakteur der Wirtschaftswoche Hauke Reimer). Zu Recht. Weil der Satz suggeriert, dass Märkte für Menschen schlecht seien. Dabei sind sie für unser Zusammenleben essenziell. Wir gehen auf Märkte um Güter und Dienstleistungen auszutauschen, im besten Falle zum gegenseitigen Vorteil. 

In diesem Absatz wird Annalena Baerbock bestätigt. Im besten Fall sorgt der Handel am Markt für einen gegenseitige Vorteil. Aber eben nicht immer. Märkten ist das ziemlich egal. Wer etwas gegenteiliges Behauptet ist dumm, blind oder ignorant (oder alles zusammen). Dem Markt ist es egal, wenn Mieter ihre Mieten nicht bezahlen können. Die Klimakrise ist Folge des Marktkapitalismus, da dem Markt Umweltverschmutzung und Menschen egal sind, wenn dies nicht in Form von Kosten auftaucht. Dem Markt ist auch egal, wenn man hungert. Wer kein Geld hat, kann kein Essen kaufen. Warum brauchen wir denn ein Sozialsystem, wenn der Markt sich für das Wohlergehen von Menschen interessieren würde? Dem Markt ist egal, dass unsere Wirtschaftspolitik Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt. Ihm ist es egal, ob Menschen keine medizinische Leistung erhalten, oder kein Internet im ländlichen Raum haben.

Frau Baerbock hat Recht. Dem Markt ist es egal. Menschen ggf. nicht. Sie können etwas ändern. Die Zielvorgabe heutiger Märkte ist der Austausch Geld gegen Güter. Dabei will man Profit machen. Nirgendwo taucht das Wohlergehen von Menschen in diesem Konstrukt auf. Es kann natürlich vorkommen, aber es muss nicht zwingend entstehen. Klar, dass neoliberale Journalisten so etwas nicht wahrhaben wollen. Dann müssten sie nämlich eingestehen, dass wir Regeln brauchen die dafür sorgen, dass Märkte das Wohlergehen von Menschen mit einbringen (Mindestlöhne, Maximalmieten, Umweltstandards, CO2 Preise oder Verbote).

Die Frage ist doch, wenn Märkte sich für Menschen interessieren würden, warum ist Menschenhandel und Kinderarbeit illegal?

Chris

Montag, 6. September 2021

Kommentare zum INSM Ökonomenblog II

Vermögenssteuer

Die INSM macht aus bis zu 6.2% reduzierten Wirtschaftswachstum aufgrund der Einführung einer Vermögenssteuer einen Fakt. Das ist unseriös, aber es klingt einfach besser. Es ist eben eine doofe Meldung zu schreiben, dass eine Studie finanziert von reichen Kapitaleignern herausbekommt, dass das Wirtschaftswachstum schwächer wird. Die Studie wird durchgeführt durch ein arbeitgebernahes Institut, welches bei der Folgenabschätzung des Mindestlohns vollkommen daneben lag und nicht nur da. Jeder oder jede soll sich eine Meinung bilden. 

Armer Christian Lindner

Vielleicht muss die FDP mit den Grünen und der SPD in eine Koalition gehen. Inhalte interessieren in diesem Wahlkampf sowieso nicht, also spekulieren wir lieber mal munter. Nicht einmal eine neoliberale Lobbyorganisation macht sich noch die Mühe zu intervenieren. Das zeigt wie wenig Angst sie hat, dass ihre Interessen nicht vertreten werden.

Chris

Mittwoch, 13. Januar 2021

Das ist also die wirtschaftswissenschaftliche Exzellenz

Es geht mal wieder um die Rente. Die INSM bringt wichtige Ökonominnen in Stellung. Der Beitrag ist ziemlich schwach und selbst ohne Wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung offensichtlich widersprüchlich. Er startet mit folgender Annahme aus der Politik. Es wurden zwei Kennwerte eingeführt.

Doppelte Haltelinie, das heißt zum einen, der Beitragssatz darf 20 Prozent nicht überschreiten, zum andern, das Rentensicherungsniveau vor Steuern (Standardrente nach 45 Beitragsjahren im Verhältnis zum verfügbaren Durchschnittseinkommen) darf 48 Prozent nicht unterschreiten.

Unter der Annahme stagnierender Löhne und unter der Annahme keinerlei Finanzierung durch Steuern, kommt man zwingend zum Schluss, dass die Menschen länger arbeiten müssen. Nur sind das zwei sehr harte Annahmen.

Was damit nichts zu tun hat ist die Lebenserwartung. Denn wenn die Erwerbstätigen alle Nichterwerbstätigen mit Gütern versorgen können, dann ist die Rentenfrage eine Verteilungsfrage mehr nicht. Die Aussage

 Obwohl bei steigendender Lebenserwartung jetzt schon klar ist:

ist merkwürdig. Warum? Nun zum Einen ist die Lebenserwartung der Rentenbezieher sehr ungleich verteilt. Um die gesetzliche Rente zu betrachten, müsste man die Lebenserwartung der Bezieher und Einzahler betrachten. Meine Annahme ist, dass die Lebenserwartung geringer ist. Der zweite Punkt ist, dass die Lebenserwartung nach dieser Argumentation angepasst auf den sozialen Status oder das Einkommen betrachtet werden müsste. Warum? Nun die Lebenserwartung eines Bauarbeiters ist geringer als die eines Ingenieurs. Die Forderung der pauschalen Erhöhung des Renteneintrittsalters bestraft die Schlechtverdienenden doppelt. Sie müssen länger arbeiten, obwohl sie es nicht können und beziehen dann noch kürzer Rente.

Einen weiterer Punkt wird ausgeblendet. Die Kosten. Ein Teil der Rentenbezieher waren vorher Arbeitslos oder haben irgendeine Transferleistung bezogen. D.h. die staatliche Finanzierung wird von einen Topf in einen anderen geschoben. Unbezahlbar ist da nichts.

Die nächste Aussage ist auch merkwürdig

Diese Ausgaben werden aber künftig von den Rentenbeiträgen einer jüngeren Generation finanziert werden müssen, die wegen einer geringen Geburtenrate trotz moderater Zuwanderung zahlenmäßig immer kleiner wird.

Das war noch nie anders. Die aktuellen Erwerbstätigen erarbeiten die Güter und Dienstleistungen für alle hier lebenden Menschen + Export - Import. Als Ökonomin weiß sie das natürlich.

Die nächste Aussage wird vorgebracht und arbeitet mit der klassischen Auslassung

Schon 2019 wurde die gesetzliche Rentenversicherung zu 23,7 Prozent durch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt finanziert. Zuschüsse, die insgesamt 21,7 Prozent der Gesamtausgaben des Bundes ausmachen.

Das klingt dramatisch. Nur gibt es so etwas wie versicherungsfremde Leistungen im Bereich von 58–93 Mrd. Euro pro Jahr. Das kann man zwar ignorieren, ist aber wissentlich Stimmungsmache. Von einer Wissenschaftlerin in der Öffentlichkeit würde ich mehr Objektivität einfordern.

Dann geht es weiter

dass in Zukunft weniger Beitragszahlerinnen und –zahler für immer mehr Rentnerinnen und Rentner aufkommen müssen.

Ich wiederhole mich. Die aktuellen Erwerbstätigen erarbeiten die Güter und Dienstleistungen für alle hier lebenden Menschen + Export - Import. Man muss sich folgendes klar machen. Wir haben Exportüberschüsse, wir haben keine Vollbeschäftigung und es wird ein Mangel an Arbeitskraft herbeifantasiert.

Und die vermeintlich zwingende Logik.

Will man den Anstieg der Beitragssätze begrenzen und eine Reduzierung des Rentenniveaus vermeiden, wie dies aktuell empfohlen wird, dann bleibt als dritte Stellschraube nur, das Renteneintrittsalter anzuheben.

ist offensichtlich falsch. Warum muss der Beitragssatz ansteigen. Wenden wir simpelste Markttheorie an. Wir zahlen vielen Menschen eine Rente. D.h. wir haben viel Nachfrage die befriedigt werden muss. Gleichzeitig sinken die verfügbaren Erwerbstätigen. Was wird passieren? Um die Produktion und die Dienstleistungen zu erhalten, müssen die Löhne steigen. Damit sinkt der Beitragssatz. Ich verstehe nicht wie man solche Zusammenhänge ausblenden kann? Mehr noch die Kosten für die Arbeitslosenversicherung und Hartz 4 sinken, da mehr Menschen arbeiten. 

Geld ist nicht knapp, da die EZB das Geld beliebig schöpfen kann. Was knapp ist, sind Güter und Dienstleistungen. Und zum dritten Mal. Die aktuellen Erwerbstätigen erarbeiten die Güter und Dienstleistungen für alle hier lebenden Menschen + Export - Import. So lange diese Güter und Dienstleistungen ausreichen die gesamte Bevölkerung zu versorgen ist es keine Frage des Lebensalters, sondern der Verteilung. Ökonominnen wie Frau Schnitzer verstecken diesen simplen Fakt hinter Demographie.

Ich bin erschrocken, wie man als seriöse Wissenschaftlerin einen solchen schlechten, undifferenzierten Text fabrizieren kann. 

Chris

Donnerstag, 14. Mai 2020

Fiskalregeln

Immerhin wird langsam aber sicher auch bei den neoklassischen Ökonomen empirisch gearbeitet, das muss man anerkennen. Dogmafrei, kann durchaus herauskommen, dass die Schuldenbremse zu mehr Wachstum führt. Allerdings hat der Beitrag in meinen Augen einige zentrale methodische Schwächen. Man sieht im Langfristvergleich der Kurven der Studie in meinen Augen, dass  keinen Zusammenhang gibt.  Je nachdem wieviele Länder man hineinnimmt, herausnimmt, wie man die Darstellung wählt kommt alles heraus. Gerade beim harmonisierten Sample, wirkt es her zufällig und ein Maß für die Korrelation ist nicht angegeben. Dann eine Korrelation anzunehmen ist anmaßend.

Neben dieser Schwäche ist eine Zweite sehr zentral. Eine gesetzlich verankerte Schuldenbremse nichts darüber aus, ob diese auch eingehalten wird. So wurde der damalige Goldstandard stets und ständig gebrochen, wenn der Bedarf da war. D.h. ein Vergleich zwischen den zwei Systemen ist eher schwierig. Beispielsweise wurde in der EU die Maximalverschuldung auf 80% des BIP festgelegt. Dieser Wert wird ständig verletzt. Was ist also die Aussagekraft einer Studie, welche die Existenz einer Regel mit dem Wirtschaftswachstum korreliert ohne zu prüfen, ob die Regel streng eingehalten wird?
Der nächste Schwachpunkt ist die Definition von Schulden. Wenn Schulden auftreten aber aufgrund einer Schuldenbremse in Schattenhaushalte geparkt werden, dann hat man nichts gewonnen und allein die steigenden Kosten führen zu mehr BIP Wachstum. Warum? Weil sie in den Bilanzen der Unternehmen auftauchen. Es ist also alles nicht so einfach und die mutige Behauptung der beiden Forscher würde ich nicht wirklich teilen. Dazu ist die Analyse viel zu flach, scheint aber für eine Publikation zu reichen.

Fazit

Letztenendes und das ist das Traurige, soll diese Studie diese Aussage belegen

Es ist richtig, dass Bund und Länder entschlossen und massiv mit höheren Schulden auf die Corona-Krise reagieren. Nach Überstehen der Krise muss die Neuverschuldung jedochzurückge-fahren und die Schuldenbremse eingehalten werden.Vor dem Hintergrund der ohnehin langfris-tig nur bedingt tragfähigen Staatsfinanzen ist der jüngste Sprung der Staatsverschuldung be-sorgniserregend. Die Corona-Krise zeigt, wie unvermittelt Krisen auftreten können, die bei unzureichender Vorsorge volkswirtschaftlich nicht zu bewerkstelligen wären. Fiskalregeln tragen dazu bei, Neuverschuldung ohne schädliche Wachstumswirkung zu reduzieren. Das sichert trag-fähige Staatsfinanzen.

Es scheint die Neoklassiker zu wurmen, dass Konjunkturprogramme etwas bringen. Das unendlich viel Geld durch die Notenbanken im Prinzip da ist und die Welt eben nicht an hohen Schulden zu Grunde geht. Die schädliche Wachstumswirkung die sie postulieren haben sie eben nicht nachgewiesen. Aber dennoch sollen wir jetzt schon ans Sparen denken, während um uns die Wirtschaft im zweistelligen Prozentbereich zusammenbricht.

Chris

Donnerstag, 21. Juni 2018

Ein Propagandastück vom Feinsten

"Meinungsstark und unideologisch: Anti-Trump-Buch für eine gerechtere Welt" so betitelt die INSM eines ihrer Lobbybücher. Liest man den Text über das Buch, erkennt man schnell, dass diese Aussage so nicht stimmt. Freihandel ist per se gut. Wenn das keine Ideologie ist, dann weiß ich auch nicht. 
Es wird kritisiert, dass die Gegner des Freihandels nur wenige Menschen sind die sich organisieren. Das sei zutiefst undemokratisch. Es wird, ganz ideologisch, davon ausgegangen, dass alle  Nichtbeteiligten für  eine Freihandel wären. Weiterhin wird nicht darauf eingegangen, dass die Befürworter des Freihandels ebenfalls mit ihre Lobbyarbeit den demokratischen Prozess umgehen. Sponsoring von Staaten gibt es direkt oder indirekt genauso. 

Die Schwäche des Buchs wird in der Zusammenfassung also schon klar. Es soll um eine gerechtere Welt gehen. An keiner Stelle geht es um Gerechtigkeit. Es geht um Leistungsbilanzen, es geht um Schiedsgerichte (undemokratisch, aber das stört hier halt nicht) und um Ängste. Das Freihandel von Unternehmen ausgenutzt wird, um Steuern zu sparen, Löhne zu drücken und Arbeitnehmer effektiver auszubeuten, wird nicht erwähnt. Das Schiedsgerichte nichts mit freiem Handel zu tun hat, ist kein Thema. Das die Gegner sehr wohl Argumente haben, stört nicht. Lieber wird die Legitimation der Argumente geschwächt, weil man die Finanzierung aufgreift.

Das Buch wird also zutiefst ideologisch geprägt sein. Wenn Freihandelsabkommen, denn darum geht es und eben nicht um freien Handel, so toll sind, wo sind die Analysen. Wo wird gezeigt wieviel Gewinne erzielt worden sind, wieviel mehr Wohlstand generiert worden ist, usw. Es gibt diese Studien wahrscheinlich nicht, da sie vortrefflich schwierig durchzuführen sind. Daher bleibt es eben nur Glauben und Ideologie, dass Freihandel das Beste ist was man machen kann. Der einzige Vorteil eines freien Handels, den sogar ich sehe, wird nicht vorgebracht. Intensiver Handel reduziert die Gefahr von militärischen Konflikten.

Fazit
Ein Propagandastück vom Feinsten.

Chris

Mittwoch, 7. Februar 2018

Eine Antwort auf die Kritik der faktenlosen Argumentation


Soviel dazu, dass studieren zu einer besseren Bildung führt. Bei der INSM werden im Wesentlichen Akademiker arbeiten. Sie haben also studiert und sollten den Unterschied zwischen Fakt, laut Wikipedia "Eine Tatsache (lateinisch factum, res facti; griechisch πράγματα) ist je nach Auffassung ein wirklicher, nachweisbarer, bestehender, wahrer oder anerkannter Sachverhalt."  und Prognose kennen. Die Aussagen der INSM sind eben nicht wirklich, nachweisbar oder bestehend (wie soll man ein Ereignis nachweisen, was noch nicht passiert ist?).
Solche Aussagen zeigen wie niedrig das Niveau des Lobbyismus ist. Dort wird nur mit Emotionen gearbeitet, aber nicht mit Argumenten. Wer alternative Fakten sucht wird hier fündig. Die Studienverweise sind meist auch sehr interessant. Aus einer dieser Studien wurde beispielsweise ein Satz aus einer Einleitung der durch nichts belegt worden ist, entnommen. D.h. nur weil ich eine Quelle habe, wird Quatsch nicht auf einmal seriös. Auch Flacherdler haben Quellen. 

Chris

Montag, 5. Februar 2018

INSM Faktenlage

Die INSM will eine faktenbasierte Diskussion führen und weiß nicht einmal was Fakten sind. Zur Rente und Demographie sind ihre

  • Fakten 1 - 5 sind für die Rente vollkommen egal Grunde egal.
  • Fakten 1,2,3,4,6 und 10 sind keine Fakten, sondern komplett oder in Teilen Prognosen.
  • Fakt 8 ist kein Fakt, sondern eine Behauptung. Wieso ist man mit 63 zu jung für eine Rente? Warum ist man mit 60 zu alt zum arbeiten? Das sind willkürliche Festlegungen, mehr nicht.
D.h. mindestens 80% der dargestellten Fakten sind keine. Schöner kann man sich selbst nicht diskreditiern.
 
Fakt 11 wurde übrigens vergessen. Die Rente ist eine reine Verteilungsfrage.
Fakt 12 Demographie ist nachrangig, die Produktivität ist wichtiger. (Jeder mit ein wenig Verstand und dem Blick in die Vergangenheit kann das sehen)
Fakt 13 Die Argumentation der INSM war beim Mindestlohn ähnlich apokalyptisch und sie lag daneben.

Chris

Dienstag, 23. Januar 2018

Gleichzeitig hat die geplante Freigrenze aus ökonomischer Sicht zwei kritische Folgen

Es geht um den Solidaritätszuschlag. Der ist ein Dorn im Auge der neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler. Gute Argumente habe ich noch keine gesehen, so eindeutig scheint es also nicht zu sein. Ein gutes Argument besteht aus mehr als, es ist zu teuer. Denn das "es ist zu teuer" ist aus dem Kontext genommen. Sind 50.000 Euro für ein Auto teuer oder nicht? Sind 100.000 Euro für ein Haus teuer oder nicht? Beides kann man nicht beantworten. Es kommt auf das Haus und das Auto an. Es kommt auf den Bedarf an. Beim Soli müsste die Frage daher lauten, wer zahlt es, was wem bringt er etwas, was wäre der Aufwand ähnliche Leistungen anders zu generieren, will man die Leistungen generieren, usw.
Bei der INSM versucht Dr. Tobias Hentze aus ökonomischer Sicht zu begründen warum der Soli, bzw. die Anpassung von Grenzbeträgen krisch sei.
Trotz Abfederung des Fallbeileffekts durch eine Gleitzone steigen die marginalen Belastungen der Steuerzahler oberhalb des Grenzwerts stark an. Das heißt, von einem zusätzlich verdienten Euro gehen rund 57 Cent und damit sechs Cent mehr als bisher an den Staat. Dies gilt bei einem Single im Jahr 2021 für Jahresbruttogehälter zwischen 73.000 Euro und 89.000 Euro. Bei Ehepaaren sind die Werte entsprechend doppelt so hoch. Im Ergebnis vermindern sich somit die Anreize für diese Personengruppe, ihre Arbeitszeit zu erhöhen oder Überstunden zu machen. Da es sich dabei um hoch produktive Erwerbstätige handelt, kann die wirtschaftliche Entwicklung gedämpft werden.
Es wird also ein Szenario beschrieben, das absurder nicht sein könnte. Die genannten Bruttogehälter verdienen 10-15% der Einkommensbezieher. Niemand, auch in diesem Bereich nicht, denkt sich "Oh für jeden weiteren Euro kriege ich netto nur noch...". Daher ist die Behauptung die Anreize vermindern sich Quatsch. Vor allem wird der Anreiz mehr zu arbeiten nicht vom Arbeitnehmer gesetzt. Der Bedarf muss beim Unternehmen vorliegen. Wenn das Unternehmen meint sein Arbeitnehmer solle mehr arbeiten und will es schmackhaft machen, dann spielen Steuern keine Rolle. Dann steigt eben das Brutto stärker, denn der Arbeitnehmer interessiert sich eben nur für das Netto das er herausbekommt. Die Argumentation ist also merkwürdig. Besonders schön ist die Behauptung, dass diese Personengruppe hochproduktiv sei. Warum ist das so? Nur weil jemand viel verdient ist er nicht hochproduktiv. Vor allem wie misst man das? Antwort: Gar nicht. Es ist also eine nicht falsifizierbare Aussage, also eine Behauptung.
 
Dies verschlechtert die Rahmenbedingungen hierzulande im internationalen Vergleich. Da die steuerliche Belastung bei Investitionsentscheidungen ein relevanter Faktor ist, kann der Wachstumspfad geschwächt werden. 
Auch hier würde ich gerne mal die Messungen sehen. Wenn das so eindeutig ist, dann müsste es eine strenge Korrelation zwischen Unternehmensgewinnen (nach Steuer) und Investitionen geben. Gibt es aber nicht, soweit ich weiß.  Wie sonst ist die Investitionsschwäche in Deutschland zu erklären? Final dann noch diese Aussage.
Vor diesem Hintergrund wirkt die geplante Freigrenze eher wachstumshemmend. 
Entweder sie wirkt so, oder nicht. Es wird keinerlei Aussage gemacht wie man die Aussage prüfen kann. Es ist eine weitere Behauptung. Der Beitrag ist bezeichnend für Publikationen auf der INSM. Mich erstaunt immer wieder, wie Wissenschaftler sich zu solchem unwissenschaftlichen Texten hinreißen lassen können. Entweder die gesamte Wirtschaftswissenschaft an den Forschungsinstitutionen arbeitet so, oder es ist einfach egal.
Das geschriebene klingt zwar schlüssig, ist aber nur eine Meinung die beliebig falsch sein kann. Die Argumente sind nicht widerlegbar, da kein Kriterium existiert welche die Aussage "kann der Wachstumspfad geschwächt werden" prüfen könnte. Wie soll das gehen? Der Wachstumspfad kann unter Umständen geschwächt werden. Morgen kann es auch regnen oder die Welt untergehen. Aber tut sie es?

Fazit
Von Menschen, die behaupten, Menschen seien rational wird ganz schön viel Irrationales verbreitet. Je mehr ich aus den wirtschaftswissenschaftsinstituten auf der INSM lese, umso mehr glaube ich, dass wir diese Institute nicht brauchen.

Chris

Mittwoch, 17. Januar 2018

Überhitzter Arbeitsmarkt

Wieso bezeichnet sich die Wirtschaftswissenschaft als Wissenschaft, wenn angebliche Wissenschaftler unbelegt solche Texte schreiben können? Exemplarisch eine Behauptung, weil sie Absurdität und Widersprüchlichkeit so schon darstellt. Aussagen sollen falsifizierbar sein.

Noch verdeckt die deutsche Immobilien- und Exportblase die vollen Risiken der ultra-lockeren Geldpolitik, so dass derzeit der Arbeitsmarkt überhitzt ist und die Löhne steigen.

Was ist denn bitte das Kritierium der Überhitzung und wie misst man es? Denn nur dann wäre es eine wissenschaftliche Aussage. Steigen die Löhne sehr stark? Antwort: eher nicht.
Ist die Arbeitslosigkeit nahe Null? Antwort: eher nicht. Steigt die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden pro Jahr in Deutschland massiv, weil es keinerlei Fachkräfte gibt? Antwort: eher nicht.
Woran machen die Wirtschaftler die Aussage fest? Das die Löhne ein wenig steigen kann schlecht die Ursache für diese Behauptung sein, oder?
Wenn es also eine Meinung ist, sollten die Professoren und Doktoren ihren Titel ablegen und ihre Meinung einfach so verkünden. Sonst könnte irgendjemand glauben diese Aussagen wäre durch irgendetwas belegt oder fundiert untersucht worden.

Der Grund dieser Aussage ist klar. Man möchte die Lohnsteigerung mindern. Gleichzeitig im selben Satz spricht man von Exportblase. Das niedrige Löhne und Exporte in einer Währungsunion irgendwie zusammenhängen könnten, existiert im Weltbild der beiden Autoren nicht. 

Chris

Freitag, 24. November 2017

Gerechtigkeit

Der neueste Beitrag bei der INSM stellt das ganze Drama der neoliberalen Gedankenwelt sehr anschaulich dar. Wenn man sich fragt, wie man einem solch kruden ökonomsichen Modell anhängen kann, dann sollte man die Annahmen lesen die damit verbunden sind.
Das Problem der Gerechtigkeit existiert nicht. Denn

Der Haken an der Sache ist: Eine solche Tauschgerechtigkeit kann es gar nicht geben. Denn sie setzt voraus, dass Güter oder Leistungen einen objektiven Wert haben.

Nach dieser Logik dürfte sich kein neoliberaler Denker über den Mindestlohn beschweren. Wenn es keinen objektiven Wert gibt, wie will man definieren, welche Löhne zu hoch sind? Es geht nicht. Es ist eine soziale Entscheidung. Das diese Entscheidung unbedingt über eine Verhandlung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern stattfinden muss, steht überhaupt nicht fest. Alle Teilnehmer an einem Tarifvertrag wissen das.
Gerecht aus liberaler Sicht:

Dafür muss eine Bedingung erfüllt sein: der Tausch muss freiwillig  ablaufen. Denn wer würde schon freiwillig einem schlechten, unnützen oder gar schädlichen Tausch zustimmen? Sofern sich alle Beteiligten einig sind, dass sie einen Tausch in vereinbarter Weise durchführen möchten, ist er – Betrug und Zwang ausgeschlossen – gerecht.

Diese Aussage ist richtig und es wäre schön, wenn die Welt so wäre. Nur ist es für viele Menschen eben nicht  die Realität. Niemand der nicht reich ist, kann sich beliebig sein Einkommenserwerb aussuchen. Niemand kann bei medizinischen Entscheidungen frei wählen, da die Expertise fehlt. Bei Finanzentscheidungen wie bei der Rente, muss man sich auf das Gegenüber verlassen können. Oft werden schädliche oder unnütze Produkte verkauft. Das ist dann angeblich eine Konsumentenentscheidung. Wer eine schlechte bezahlte Arbeit hat, ist selbst Schuld. Er hätte ja alternativ Hungern können. Der Glaube an die Freiwilligkeit in vielen Situationen macht den Neoliberalismus so perfide. Er schiebt die Schuld auf die Opfer und gibt den Tätern den Ablass.

Zur Verteilungsgerechtigkeit wird dann noch Folgendes geschrieben

Allgemein bedeutet Verteilung das Ausgeben aus einem Vorrat, und gerecht ist es, wenn die, die den Vorrat geschaffen haben (kriminelle  Aktivitäten ausgeschlossen), über dessen Verwendung entscheiden dürfen.

Und auch hier ist die Vorraussetzung, dass Vermögen einfach da sind. Wer definiert denn was kriminell ist? Es ist die Gesellschaft. Sklaverei ist heute Kriminell. Vor einigen hundert Jahren war sie es nicht. Muss man den Erben jetzt das Geld abnehmen? Die Familie Quandt wäre da mal zu fragen.
Selbst wenn man davon ausgeht, dass jemand sein Vermögen durch Fleiß erlangt hat. Wieso ist es in diesem Sinne ungerecht, die Vererbung hoch zu besteuern? Nach der Definition kann der Erbe nicht entscheiden. 

Die paar Punkte sollen darstellen, dass die Grundannahme der neoliberalen Ideologie ist, dass Menschen immer frei entscheiden können. Äußere Zwänge die ausgenutzt werden oder Machtasymmetrien die ebenfalls ausgenutzt werden, gibt es nicht. Nimmt man diese Annahmen an, dann gibt es viele Probleme einfach nicht und sie sind von neidischen Gutmenschen herbeifantasiert, um den armen Reichen Geld wegzunehmen. 
Da diese Annahmen so fehlerhaft sind, kann die INSM Klientel auch keinerlei Lösung gegen den Populismus anbieten. Sie ignorieren die Probleme und postulieren sie seien nur gefühlt. Ihre Lösung werden Verbote und Zensur sein. Tendenzen dazu sieht man. 

Chris

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Aus der Kommentarspalte

Huch, was ist da passiert. Die INSM muss einräumen, dass die Rente im Prinzip finanzierbar ist. Es ist eben nur eine Verteilungsdiskussion. 


Der Punkt der in der Rentendiskussion (in anderen Diskussionen über Finanzierbarkeit im Übrigen auch) immer falsch gemacht wird ist, zu behaupten etwas wäre nicht bezahlbar, weil es zu viele alte Menschen geben wird. 
Die Frage müsste immer lauten "Könnten wir es uns leisten?", um danach die Frage zu stellen "Wollen wir es uns leisten?". Stellt man die Frage bei der Rente oder dem Gesundheitssystem, dann ergibt sich als Antwort, dass wir  es uns leisten können. Die Diskussion verschiebt sich also zum Wollen und steht daher auf einer anderen Basis.
Die Kosten mögen dann hoch sein. Allerdings ist auch die Kostendiskussion real betrachtet absurd. Als Gesellschaft leisten wir uns über eine Millionen Millionäre und Milliardäre. Diese beziehen über Zinsen, Mieten und andere Formen von Kapitalerträge, Einkünfte die durch die Gesellschaft erwirtschaftet werden. Das ist für uns alle auch relativ teuer, wird aber selten thematisiert oder diskutiert.

Chris

Freitag, 13. Oktober 2017

Wer hätte das ahnen können?


Jahrelang wird Personal im öffentlichen Dienst abgebaut und dann jammert man, dass man keine Personal mehr hat, welches die Arbeiten durchführt. Die Forderung nach Personalreduktion kam auch von Wirtschaftsinsituten, da sie meinten der Staat sei ineffizient. Jetzt kommen eben jene Insitute und werfen dem Staat vor sein Personal abgebaut zu haben. Schon dumm, wenn man Konsquenzen nicht bedenkt.
War ja nicht abzusehen, dass man Personal für die Bearbeitung von Projekten braucht. Hauptsache die schwarze Null steht und wir belasten nicht die nächste Generation....

Es ist für mich erstaunlich wie sich die Wirtschaftsforscher hinstellen können, ohne ihre Aussagen und Foderungen der letzten Jahre überhaupt noch in Betracht ziehen zu können. Es scheint für sie nur das Jetzt zu geben und keine Geschichte die dahinter steht. Es sollte die schwarze Null geben. Es sollten dafür unbedingt Konsumausgaben des Staates wie Personal abgebaut werden. Es sollte unbedingt auf Landesbene eine Schuldenbremse installiert werden. Das alles wollte man so. Die Jammerei ist also scheinheilig. Jeder der bis drei zählen kann, hätte das vorhersehen können. Dazu braucht man keine komplizierten Modelle, sondern nur gesunden Menschenverstand.

Chris

Montag, 25. September 2017

Kausalitätstausch

Das ist Wirtschaftsforschung. Da vertauscht man einfach mal Ursache und Wirkung. Die Ursache für niedrige Löhne ist daher die Niedrigzinspolitik der EZB. Sie ist verantwortlich dafür, dass die Löhne stagnieren und die Wirtschaft nicht so richtig vorankommt. Für die beiden "Forscher" ist die EZB Ursache und nicht Wirkung. Warum die EZB einfach mal die Zinsen senkt, wird nicht geklärt. Warum billige Zinsen nicht genutzt werden sollten, um Investitionen zu erhöhen, wird ebenfalls nicht befriedigend geklärt. Kostensenkungen in diesem Bereich sind scheinbar schädlich. Im Lohnbereich sind sie aber förderlich, obwohl beides Kosten sind. Nachfrageänderungen aufgrund hoher Löhne, bzw. das die Motivation für Investitionen aus hohen Lohnkosten generiert werden, existieren in diesem Gedankengebäude nicht. Die EZB ist Schuld. Wenn diese dann die Leitzinsen erhöht, wird sie wieder Schuld sein. Da die Ökonomie keine konsistenten und widerspruchsfreien Modelle hat, werden alle Maßnahmen schlecht sein, wenn sie nicht in die eigene Ideologie passen.

Chris

Mittwoch, 13. September 2017

Und sie merken es nicht einmal

Das witzige am INSM Blog ist, dass sich Beiträge untereinander widersprechen und / oder sogar in sich widersprüchlich sind. Hier mal ein Beispiel. In einem Artikel wird folgende Aussage getroffen

Die Zinsen sind niedrig, weil die EZB den Sparanreiz vernichtet. Der Witz ist, dass ein niedriger Sparanreiz zu niedrigen Sparquoten führen würde. Wo das in Deutschland zu sehen ist, weiß ich nicht so recht. Zum anderen ist die Behauptung die EZB wäre Schuld falsch. Die Nachfrage nach Krediten ist niedrig. Daher sind die Forderungen des zweiten Beitrags auch widersprüchlich


Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit heißt im Endeffekt, dass die Löhne und Abgaben für Unternehmen sinken sollen. Dadurch sinkt die Motivation der Unternehmen Investitionen zu tätigen. Höhere Rendite durch politische Entscheidungen sind ein geringeres Risiko. Die Senkung der Schulden sorgt dabei parallel zu einer weiteren Senkung der Nachfrage nach Krediten. Dann kommt oben drauf, dass die private Vorsorge immer noch bei den neoliberalen Ökonomen hoch im Kurs steht. D.h. man hat ein hohes Angebot an Geld und kaum Nachfrage. 
Wenn man nun die einfachsten ökonomischen Prinzipien dieser Leute anwendet lautet die Schlussfolgerung, der Preis für das Geld (Zinsen) muss sinken. Die Schlussfolgerung eines Ideologen lautet, die EZB ist Schuld.

Wer sich fragt, wieso die Wirtschaftspolitik so komisch ist, muss sich klar machen, dass diese Leute die Spitze der ökonomischen Forschung und Beratung darstellen. Man könnte das amüsant finden, wenn sie nicht so viele Leben kaputt machen würden.

Chris

Montag, 11. September 2017

INSM Propaganda, mal wieder...

Ich frage mich immer wieder, warum sich Doktoren die irgendwann mal das wissenschaftliche Arbeiten nachgewiesen haben, solche Texte verfassen können. Diese Texte sind sachlich unsauber, nicht objektiv dargestellt und am Ende einfach nur Propaganda. Hier ein paar Beispiele
Deutschland braucht
"Strukturreformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit"
Der Außenhandelsübersschuss liegt bei 252 Milliarden Euro im Jahr 2016.
http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52842/aussenhandel
Mehr Wettbewerbsfähigkeit bedeutet, dass noch mehr Überschüsse generiert werden und sich das Ausland noch mehr bei uns verschuldet. Gleichzeitig fordern Politiker und Ökonomen, dass das Ausland die Schulden an uns zurückzahlt. Da die Bilanzen im Welthandel ein Nullsummenspiel sind, sind solche Forderungen quatsch. Wofür brauchen wir mehr Wettbewerbsfähigkeit, wenn wir solche Überschüsse haben?

"der Abbau der Staatsverschuldung"
Die nächste sinnlose Forderung. Die Unternehmen machen Gewinne und verschulden sich aktuell nicht. Die Haushalte verschulden sich auch nicht. Beides führt zu den niedrigen Zinsen, sprich einer geringen Nachfrage nach Krediten. Wenn der Staat jetzt seine Verschuldung versucht abzubauen, wer verschuldet sich dann? Die Antwort ist einfach. Das Ausland. Denn irgendwer muss sich verschulden. Am Ende, wenn die Eurozone wieder stärker wackelt und die Zinsen weiter niedrig sind, ist die EZB Schuld und nicht etwa solche Forderungen.

"eine Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die fernere Lebenserwartung."
Woher kennen die Ökonomen denn bitte die Lebenserwartung? Vor allem an welche wollen sie den Renteneintritt koppeln? An die durchschnittliche Lebenserwartung oder vielleicht doch die Lebenserwartung von Berufsgruppen und/oder Einkommensklassen?
Ein reicher Deutscher lebt heute schon 10-20 Jahre länger als ein armer. Seine Rente ist auch teurer. D.h. schon wieder werden die Armen bestraft?

"Entgegen dem in der öffentlichen Diskussion vielfach vermittelten Eindruck ist die Ungleichheit der Nettoeinkommen seit 2005 weitgehend konstant geblieben."
Legt man andere Startjahre fest, dann ist diese Aussage falsch. Warum also 2005? Richtig, weil es in die Argumentationsstrategie passt. Das sieht man sehr schön hier in Abbildung 8

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Ministerium/Geschaeftsbereich/Wissenschaftlicher_Beirat/Gutachten_und_Stellungnahmen/Ausgewaehlte_Texte/2017-02-28-einkommensungleichheit-und-soziale-mobilitaet-anlage.pdf?__blob=publicationFile&v=5

Das Bezugsjahr ist entscheidend. Im Jahr 2005 war ein Peak in der Gini Kurve. Startet man etwas früher oder später, dann stimmt die Aussage nicht mehr.


"So würde die Rückkehr zu einem Renteneintrittsalter von 65 Jahren dazu führen, dass der Beitragssatz von heute 18,7 Prozent bis 2080 auf ca. 25 Prozent steigt"
2080???
Wer schreibt so etwas als Argument hin? Wie groß ist die Streuung dieser Prognose? +-18 beim Beitragssatz. Allein wenn die Löhne um 0.5% stärker steigen oder die Geburtenrate um 0.1% verändert wird, bricht diese Aussage in sich zusammen. Wieviel Wert hätte eine Prognose 1900 gemacht?

Fazit
Man kann diese Forderungen gerne Aufstellen. Sie entsprechen der Politik der letzten 20 Jahre. Aber man sollte als Ökonom und Wissenschaftler eine messbare Zielgröße Aufstellen. Beispielsweise die Reduktion der Ungleichheit um 10%. Das wird bewusst nicht gemacht. Stattdessen werden Arbeitslosenzahlen herangezogen. Diese werden aber nicht bereinigt, um die Rentner, oder diejenige die aufgrund von Krankheit oder Maßnahmen der Arge nicht auftauchen.
Die Erwerbstätigen werden auch nicht in den Kontext der Wochenarbeitszeit gestellt. Es zeigt sich, dass im Durchschnitt in Frankreich mehr gearbeitet wird. Es ist halt nur anders verteilt. So etwas kann man feiern, aber wenn die Löhne niedrig bleiben ist es kein Erfolg.

Chris

Donnerstag, 31. August 2017

Fragen die bezüglich der Rente nicht gestellt werden

Bei der INSM gibt es mal wieder einen Anlauf die Rente mit 70 schmackhaft zu machen. Dazu nimmt man eine Wissenschaftlerin die eine Analyse durchgeführt hat und sie stellt diese vor. Im Rahmen der Annahmen wird diese Analyse auch richtig sein. Allerdings sind diese Annahmen einseitig und blenden wesentliche Dinge aus.
Hier ein paar Beispiele
1. Geht ein Arbeitsloser in Rente, dann ändert sich die Art der Sozialbezüge, nicht aber das er welche bezieht. Volkswirtschaftlich ist das egal.
2. Wenn es weniger Kinder gibt, dann muss an der Stelle weniger gezahlt werden.
3. Wenn die Renten hoch sind, gibt es einen steigen Konsum der Alten, welcher die Arbeitsplätze der Jüngeren sichert.
4. Ein sinkendes Arbeitskräfteangebot lässt die Einkommen steigen + die Arbeitsplatzsicherheit (vielleicht daraus resultierend die Motivation Kinder zu bekommen).
5. Weniger Arbeitskräfte und daraus resultierend steigende Arbeitskosten lässt die Motivation der Unternehmen steigen, mehr in die Produktivität zu investieren.
6. Die seit 1990 nicht gestiegen Gesamtarbeitsstundenzahl in Deutschland. Es gibt mehr Rentener aber keine größere Nachfrage nach Arbeit. Das ist ein Widerspruch zur Prognose.

Es gibt noch viel mehr Punkte. Es wird immer wieder vergessen, dass die Rente wie alles im ökonomischen Leben eine Verteilungsfrage ist. Beispielsweise stellen andere leistungslose Einkommen, welche von den Erwerbstätigen erbracht werden müssen,  komischerweise kein Problem für die Ökonomen dar (Mieten, Unternehmensgewinne). Dabei sind hohe Mieten auch eine enorme Belastung und müssen erwirtschaftet werden. Hier reden wir von 20-40% des Nettoeinkommens eines Arbeitnehmers. 
Medial wahrgenommene Ökonomen und Politiker blenden diesen Fakt aus. Niemand fragt, ob es sinnvoll ist Superreiche zu alimentieren. Das tun wir alle jeden Tag, indem wir einen Teil des volkswirtschaftlichen Einkommens an diese Gruppe abführen. Das ist kein Naturgesetz, sondern einfach ein vertragsrechtliches Konstrukt, welches vom Staat garantiert wird. Die Belastung wird nicht bestimmt und interessiert auch nicht. Bei den Sozialleistungen sieht es anders aus. Würde man beides, die Rendite der Superreichen und die Sozialleistungen, als Verteilungsfrage diskutieren, wäre viel gewonnen. Dann stellt sich eben nicht mehr die Frage ob wir uns die Rente leisten können, sondern ob wir es wollen. Es stellt sich nicht mehr die Frage ob ein Erwerbstätiger einen Rentner durchfüttern sollte. Es stellt sich die Frage ob ein Erwerbstätiger, einen Rentner, ein viertel Kind, einen halben Arbeitslosen,  einen Superreichen, usw. durchfüttern soll. Das ist es was er / sie tut. Wenn man das offen legt, dann würde viele sagen, alt werde ich irgendwann mal. Das ich Superreich werde ist eher unwahrscheinlich. Man würde also eher eine gute Rente als eine gute Rendite fordern.
Die Schlacht auf irgendwelchen Nebenkriegsschauplätzen lenkt vom eigentlichen Problem ab. Daher wird die Rente mit 70 nichts lösen. Denn das Problem ist nicht das Alter, sondern die Verteilung des Wohlstands.

Chris

Donnerstag, 3. August 2017

In der eigenen Ideologie gefangen

Die INSM kommentiert folgendes

von dem freien Handel profitiert kaum ein Land so sehr wie Deutschland. Die fortschreitende Globalisierung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs bescherte jedem Deutschen in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten inflationsbereinigte Einkommensgewinne von durchschnittlich 1.130 Euro im Jahr, wie aus einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. 

kann aber nicht erklären, warum wir in einem solchen Gewinnerland dann noch Aufstocker brauchen.

Chris

Mittwoch, 2. August 2017

Zweifel an der Vernunft


und zwar obwohl das Land 2016 sogar einen Primärüberschuss erzielt hat, der Staatshaushalt also im Plus ist, wenn man die Zinszahlungen außen vor lässt.

Diese Aussage ist nicht neu, aber immer noch Quatsch. Nehmen wir an, ich verdiene 1000 Euro, habe Ausgaben ohne Zinsen von 900 Euro und muss 200 Euro Zinsen bedienen, dann steigt mein Schuldenstand an. Irgendwoher muss ich die 100 Euro Defizit bekommen. Das sind dann wohl neue Schulden. Wie kann man in diesem Fall von einem Überschuss reden? Richtig man kann es nicht. 
 
Umgekehrt kommen Ökonomen vonm Schlage Freytags und behaupten die schwarze Null sei keine, da die Zinsen gerade niedrig sind. Damit haben sie eigentlich Recht, da Schäuble die Zinsvorteile gerne mitnimmt und das Ergebnis als seine tolle Politik verkauft. Bezogen auf die Ökonomen stellt sich aber folgende Frage. Wenn doch Zinsen keine Rolle spielen, dann haben wir ja schon lange einen Überschuss, oder? 

Ökonomie der sichtbaren Ökonomen ist die Kunst, identische Zusammenhänge so unterschiedlich darzustellen, dass sie die eigenen Vorurteile und den eigenen Glauben unterfüttern. Richard Feynman nannte solche Dinge Cargo-Cult-Wissenschaften. Seine Beschreibung zu diesem Begriff passt perfekt auf faktisch alle Ökonomen, welche auf der INSM publizieren. Jeder mit einem Funken Verstand erkennt die Widersprüche. 

Chris

Montag, 26. Juni 2017

Unternehmensverbände

Wenn Vorstände von Unternehmensverbänden sich um die Arbeitnehmer sorgen, dann sollte man vorsichtig sein. Das gilt umsomehr, wenn solche Vorstände bei Lobbyorganisationen schreiben. Vor allem, wenn mit zu niedrigen Löhnen argumentiert wird, gleichzeitig aber keinerlei bestreben besteht diese zu erhöhen.
Meine Erfahrung lehrt mich, dass wenn Unternehmensverbandsvertreter etwas feiern und fördern, dass meist nichts gutes bei rauskommt. Die Exportfokussierung der letzten 15 Jahre ist eines dieser Resultate. Die Verbände feiern, was ihre Unternehmen zerstört. Interessanterweise setzt die INSM mein Aufruf zu Vorsicht damit gleich, dass es nicht in mein Weltbild passt, dass Unternehmen etwas gutes tun. Daran glaube ich tatsächlich. Der Verband ist allerdings eine Ebene darüber. Dort geht es um Lobbyarbeit und um das vermeintliche Wohl der meisten Unternehmen des Verbandes. D.h. Umweltauflagen können gut sein (für einzelne Unternehmen), man würde sie verbandsseitig in vielen Fällen torpedieren. Lohnerhöhungungen und Mindestlohn sind ebenfalls positiv für viele Unternehmen, dennoch würden sich die Verbände dagegen positionieren. Das liegt einfach daran, dass Die Verbandsvertreter BWLer sind, die auf einmal volkswirtschaftlich denken und arbeiten sollen.

Chris