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Mittwoch, 31. Januar 2018

Widersprüchlichkeit im Marktdogma

Ein sehr schöner Beitrag über die Unsinnigkeit der reinen Marktlehre.

Der Markt ist institutionell nicht definiert. In keinem Text wird geklärt, welche Institutionen den Markt genau ausmachen. Das bedeutet auch: Marktfundamentale Wirtschaftspolitiken verfügen über keine gesicherten theoretischen Grundlagen. Die Setzung des Marktes als theoretische Größe kollidiert mit der Praxis, den Markt herstellen, aufrechterhalten oder ausbauen zu wollen. Man kann eine „Deregulierung“ fordern, aber nicht wissen, was sie bewirken wird. Denn um das wissen zu können, müssten explizit die Regeln bekannt sein, die den Markt konstituieren (genau das kann aber nach Hayek niemand wissen).
Aber der theoretische Nachteil bietet im wirtschaftspolitischen Diskurs einen Vorteil, der kaum zu unterschätzen ist. Je nach Situation oder Thema kann man auf eine der widersprüchlichen Bedeutungen umwechseln; oft passiert das innerhalb eines Absatzes mehrmals. 

Das bringt es auf den Punkt. Da der Markt nicht definierbar ist, ist er auch nicht falsifizierbar und daher Glaube. Daher ist dieses Konzept als Argumentationsbasis abzulehnen. Wie soll man marktbezogene Aussagen prüfen?

Chris 

Dienstag, 20. Juni 2017

Effizienz

Es gibt Dinge die kann ich nicht nachvollziehen. Eines davon ist die Annahme, dass Märkte immer effizient seien. Diese These wurde in den 1970er aufgestellt und ist vielfach widerlegt worden. Wenn die Effizienzhypothese nicht generalisierbar ist, wie kann man sie dann als Begründung immer und immer wieder heransziehen? Mit ihr werden Privatisierungen begründet, Eingriffe des Staates ins Tarifrecht verhindert (natürlich nur, wenn es den Arbeitnehmern nützt), usw. 
Jeder der die Begründung hört, der Markt ist halt effizienter als der Staat muss sofort laut schreien
In welchen Zeiträumen? Für wen? Basierend auf welchen Messgrößen?
Wenn diese Fragen beantwortet werden, könnte man im Nachhinein die Aussagen prüfen. Der typische medial vorkommende Ökonom macht eine solche Aussage nicht öffentlich. Dann wäre er widerlegbar. Stattdessen feiert er sich als kritischer Wissenschaftler und ignoriert die Basis der Wissenschaft, die Falsifizierbarkeit von Modellen. 
Selbst wenn man logisch herangeht kann man einfach zeigen, dass Märkte nicht effizient sein müssen. Nur wenn man allerlei absurde Annahmen trifft, kann es zufällig passen. Ein Beispiel aus der Realität verdeutlicht das. Wenn in Händler die ganze Woche 24/7 Produkte verkaufen kann, dann ist das für gut und er gewinnt beträchtlich an Einfluss und Gewinn. D.h. die anderen Händler müssen nachziehen. Am Ende wird aber nicht wirklich mehr gekauft. Das Angebot bleibt schließlich gleich. Schlimmer noch, die Preise steigen, bzw. die Löhne sinken, da die Läden immer offen sein müssen und mehr Personal benötigt wird. Am Ende verlieren alle, außer diejenigen die jederzeit einkaufen können wollen. Der Markt ist also effizient und wieder nicht, je nach gemessener Größe. Da ein Mangel an kritischem Denken in der Politik (zumindest nach Außen) vorherrscht, werden solche Dinge nicht im Ansatz durchdacht und diskutiert.

Zusatz
Die Markteffizienzhypothese bezieht sich auf eine Hypthese zur Preisbildung an Märkten.

Chris

Dienstag, 17. März 2015

Was ist eigentlich ein Markteingriff?

Markteingriff - dieser Begriff wird immer dann verwendet, wenn es um soziale Gesetze oder Maßnahmen geht. Auch Steuern, Umweltgesetze oder Standards sind eingriffe in den Markt. Was bedeutet das eigentlich. Um einen Eingriff in das Marktverhalten zu definieren, braucht es einer Referenz. Wenn ein Auto geradeaus fährt, dann wäre ein Eingriff in die "natürliche" Richtung die Verwendung des Lenkrads. Das Problem beim Markt ist, dass es diese Referenz nicht gibt. Man nimmt sich einfach eine. Hierzu werden absurde Annahmen wie die Vollständigkeit der Information, Rationalität der Akteure (Was immer das sein soll. Rational heißt, wie ich es verstanden habe, dass die "Modellteilnehmer" sich verhalten wie es das Modell fordert), das es zwingend ein Gleichgewicht geben muss und viele absurde Annahmen mehr. Validieren kann man dieses Modell nicht. D.h. es ist nur eine Vorstellung wie Märkte und das Handeln funktioniert. 
Wenn nun die Grundannahmen in der Realität nicht auftreten sind alle Effekte die wir sehen durch "Störungen" in der Referenz überlagert. Ob die Referenz irgendwie gültig ist weiß man nicht. Man kann sich diesen Unsinn sehr einfach verdeutlichen. 

Wir nehmen an, dass alle Steine nach oben fallen.
Der Staat fordert ein Polster, welche nach unten fallende Steine weich landen lässt. Das soll die Lautstärke reduzieren.
Das wird von den "Steinnachobenfallbefürwortern" als Eingriff in den Markt gesehen. Schließlich braucht man das Polster nicht, wenn der Stein nach oben fällt und nur durch das Polster kommt es erst zu den Problemen.

Wenn die Grundannahmen falsch sind, dann sind die Schlussfolgerungen auch falsch. Oft genug passiert das in den Argumentationsketten der Lobbyökonomen. Es wird mit Modellen "bewiesen" wie die Welt funktioniert. Ohne Experimente sind Modelle nur Modelle. Erst durch eine Validierung kann man einen Gültigkeitsbereich definieren. Erst wenn man so weit ist, kann man anfangen zu diskutieren und eine Lösung für unsere Probleme zu finden. 

Chris

Montag, 21. Oktober 2013

Über den angeblichen Wettbewerb im Gesundheitssystem

Im Gesundheitsbereich gibt es keine Marktwirtschaft. Billiger wird es auch nicht, wenn man den Krankenhäusern den Auftrag gibt Überschüsse zu erwirtschaften. Es gibt Zielvereinbarungen in den einzelnen Kliniken. Dort wird definiert wieviele Fälle behandelt werden sollen. Diese werden dann auch bearbeitet, selbst wenn es manchmal Zweifel an der Sinnhaftigkeit gibt. Um das Murren zu unterdrücken werden die Chefärzte einfach beteiligt und schon sind sie als letzte Instanz ruhig gestellt. Wenn alle Kliniken Gewinn machen sollen, ist das betriebswirtschaftlich vielleicht sinnvoll, global ist es Irrsinn. Es gibt mehr Fälle, mehr Kosten, mehr kranke Menschen.
Selbst wenn man die Wahl der Klinik hätte, würde man als Patient immer noch keine Ahnung haben ob eine Behandlung notwendig ist oder nicht. Wenn man das nicht einschätzen kann, dann kann man auch nicht wählen. Wahl ist die Grundlage eines Marktes. Ohne das Wissen ob man das Produkt "Behandlung" überhaupt braucht, kann man auch nicht einschätzen ob der Preis gerechtfertigt ist. Wenn man nicht einschätzen kann ob der Preis gerechtfertigt ist, kommt es zu keiner Preisbildung.

Es ist erstaunlich, dass den Gesundheitsexperten und Ökonomen solche einfachen Zusammenhänge weder bekannt zu sein scheinen, noch das sie diese in Betracht ziehen. Das beschriebene ist nur der normale Alltagsirrsinn in deutschen Kliniken. Hinzu kommen eine ganze Reihe anderer Dinge. Zum Beispiel weiß man manchmal selbst als Arzt gar nicht ob Behandlungen Sinn machen. Auch ist die Nachfrage nach einer Behandlung potentiell unendlich, wenn es um das eigene Überleben geht. Eine Behandlung kann nicht substituiert werden. Die Dienstleistung kann nicht ausgegliedert werden. Man kann nicht in jedes beliebige Krankenhaus gehen, da man vielleicht nicht die Zeit oder die Möglichkeit hat. Diese Beispiele verdeutlichen den Unsinn, der verbreitet wird, um das Gesundheitswesen zu Privatisieren. Der Sinn ist nicht Verbesserung der Umstände, sondern das Generieren von sicheren Einnahmen. Wenn es ein Markt wäre, mit echter Konkurrenz, dann würde nicht so viel Lobbyarbeit gemacht werden, um dort agieren zu können. Die Renditen wären gering und die zu leistende Arbeit hoch. 

Chris

Mittwoch, 4. September 2013

Service-Ärger: BWL für die Post

Ein amüsanter Artikel über den Post Service. Der Autor meint, dass Marktwirtschaft und Service zusammengehören. Deshalb sollten die Manager nachhilfe in BWL nehmen. Nur leider hinkt das Beispiel. Es geht bei der Post und vielen großen Unternehmen nicht darum langfristig Kunden zufrieden zu stellen, sondern die Rendite des nächsten Quartals nach oben zu schrauben. Der Gewinn soll maximal gesteigert werden. Gerade große Konzerne können es sich leisten auf guten Service zu verzichten, da es kaum Alternativen zu ihnen gibt. Der vorgeschlagene Wechsel des Kunden hinkt. Denn wenn ich ein Paket bekomme kann ich nicht immer den Absender beeinflussen. Der gibt aber vor wie das Paket versandt wird. Weiterhin setzt es voraus, dass ein anderer Anbieter einen besseren Service hat.
Im Artikel sieht man ein generelles deutsches Problem. Man nimmt an, dass die Preise niedrig und der Service hoch sein muss. Die vorgestellte Berechnung ist eher fragwürdig. Eine Gewinnspanne von 60 Cent je Euro ist wahrscheinlich weit übertrieben. Wieso sonst müssen die neuen Zusteller ihre Zusteller sehr niedrig bezahlen, um überhaupt wettbewerbsfähig zu sein. Wenn die Spanne so hoch wäre, könnten sie billiger anbieten mit besserem Service. Dass das nicht der Fall ist, liegt nicht nur an der Gier der Unternehmen, sondern auch an den geringen Gewinnmargen. 
Service hat seinen Preis. Ein dichtes Filialnetz braucht Menschen die dort arbeiten. Je länger die Filialen besetzt sein sollen, desto mehr Personal bedarf es. Man braucht auch gut bezahlte motivierte Menschen die im Unternehmen arbeiten, wenn man längerfristig gute Arbeitsergebnisse und guten Service erzeugen will. Das kostet alles Geld. Geld, dass viele Deutsche eher nicht bezahlen wollen, Geiz ist schließlich geil. 
Für mich zeigt sich, dass der Vorstand der Post eigentlich alles richtig macht. Die Post macht Gewinn. Das ist das Ziel eines Unternehmens. Alles andere ist Mittel zum Zweck und resultiert nicht automatisch aus einer Marktwirtschaft.

Chris

Montag, 15. Juli 2013

Oswald meint Markt schlägt Staat

Er startet diese Meinung mit

Deutschland hat in einem flächendeckenden Großversuch erproben dürfen, ob die Markt- oder die Staatswirtschaft das erfolgreichere gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Geschäftsmodell ist. Trotzdem: Der Staatsglaube scheint unerschütterlich.


und kann falscher nicht liegen.Implizit setzt er voraus, dass es so etwas wie eine Marktwirtschaft in der BRD gab. Dabei wurden auch dort massive Staatseingriffe beim Markt durchgeführt. So sind zum Beispiel die leidigen Atomkraftwerke entstanden. Seiner Meinung nach haben die Erfolge der BRD nur etwas mit den Märkten zu tun. Die Regularien, die Überwachung dieser Regeln und bestimmte Eingriffe werden weder erörtet noch als Möglichkeit akzeptiert.
Dabei fordert Herr Metzger genau das

Marktwirtschaftliche Erfolgsprinzipien, die auf unternehmerischer Freiheit und fairen Wettbewerbsbedingungen fußen aber auch die Achtung der Eigentumsrechte und die Vertragsfreiheit einschließen, kommen zunehmend unter die Räder.

Er fordert faire Wettbewerbsbedingungen, verwehrt sie den Arbeitnehmern.

Immer stärker mischt sich der Staat etwa in die Lohnfindung – Stichwort Mindestlohn – ein, obwohl gerade die Tarifautonomie von Gewerkschaften und Arbeitgebern über Jahrzehnte hinweg durchaus erfolgreich „Wohlstand für alle“ organisieren konnte.

Niemand mit Verstand kann behaupten, dass zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, aktuell, Waffengleichheit herrscht. Wieso sonst können Menschen entlassen und zu schelchteren Konditionen für die gleiche Arbeit wieder eingestellt werden?

Man könnte in der ganzen Beschäftigungs- und Einkommensdebatte gelegentlich den Eindruck gewinnen, dass dem privatwirtschaftlichen Unternehmenssektor das strukturelle Korsett des Öffentlichen Dienstes übergestülpt werden soll.

Es ist schon erstaunlich, dass der Mindestlohn der erste Schritt in den Beamtenstaat darstellen soll. Viele Länder haben ihn bereits. Darunter auch die USA, welche nicht in den Verdacht gerät ein sozialistischer Staat zu sein. Metzger blendet aus, dass auch der öffentliche Dienst Produktivitätszuwächse hat. Er blendent aus, dass die Einkommen aus den öffentlichen Dienst eine stabilisierende Wirkung auf die Binnennachfrage haben, da sie halbwegs konjunkturzyklenunabhängig sind. Was eine massive Kürzung bedeutet sieht man aktuell in Griechenland und Portugal. 

Wer dieses „schöpferische Chaos“ (Hayek) mit starren Strukturen ausbremsen will, sollte sich als Gewerkschafter wie als Politiker immer vor Augen führen, dass öffentliche Verwaltungen vorrangig von der innovations- und technologiegetriebenen Dynamik  der industriellen Produktion leben – und nicht umgekehrt!

Da hätte ich eine Frage an Herrn Metzger. Muss man seine Fabrik abbrennen lassen, um sie besser zu machen (Chaos)? Höhere Löhne bremsen keineswegs die Innovation sie fördern sie eher. Denn wenn die Löhne höher sind, dann muss man produktiver sein, um sie sich leisten zu können. Im Moment steigen die deutschen Löhne nicht mit dem Produktivitätszuwachs. Gleichzeitig werden diese "Ersparnisse" nicht investiert. Wo bleibt die Innovation? Hohe Löhne bedeuten auch höhere Nachfrage nach Produkten. Somit braucht man mehr Produkte die nachgefragt werden können. Das sind nur ein paar kleine Punkte, welche die Komplexität aufweisen.
Auch versteht Herr Metzger die Forschungslandschaft in Deutschland nicht. Die Grundlagenforschung und auch etliche anwendungsorientierte, teure Forschung (zum Beispiel Windkanäle) werden staatliche gefördert. Unternehmen können diese Infrastruktur nutzen und die Erkenntnisse zu Industriereife bringen. Wo Herr Metzger Gegensätze sieht, kann man auch in Teilen die Zusammenarbeit erkennen.

Und ist nicht die untergegangene DDR ein einziges ineffizientes öffentliches Beschäftigungsverhältnis gewesen?

Gratulation. In einem Satz die Ursache des DDR Zusammenbruch zusammengeblubbert. Komisch, dass die DDR weniger verschuldet war als die BRD. Es waren die Auslandsschulden, welche der DDR das Genick gebrochen haben. Sie konnten aufgrund vielfältiger Embargos ihre Produkte nur sehr billig verkaufen. Unter anderem Quelle hat massiv profitiert.
Die Ursachen waren sehr vielfältig und lassen sich sicher nicht auf diesen einen Punkt reduzieren. Wenn dem so wäre, warum existieren Großkonzerne? Diese haben teilweise hunderttausende Mitarbeiter. Diese stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Innerhalb des Unternehmens wird geplant. Nach außen herrscht Konkurrenz, aber das ist bei Staaten nicht anders.

Im Energiesektor lebten wir zwar jahrzehntelang in Oligopol-Strukturen, die einen fairen Marktwettbewerb behinderten. Daran sollten sich die Kritiker der Energiewende in Wirtschaftsverbänden und Politik gelegentlich erinnern. 

Bei diesem Einwurf kann ich zustimmen, frage mich aber, warum in der Vergangenheit geschrieben wird. Der Staat hat Gesetze und müsste sie anwenden, um diese Strukturen zu zerschlagen. Der Markt regelt dies nicht. Die Großunternehmen teilen sich die Märkte auf und können so jahrzehnte wunderbar existieren. Irgendwann wirken dann vielleicht die marktmechanismen. Hierfür ging dann viel Zeit ins Land und viele Ressourcen wurden verschwendet.

Soviel Staat und so wenig marktwirtschaftliche Effizienz wie heute gab es aber noch nie.

Ja, ja früher war alles besser. Darum ist heute auch der beste Tag den wir alle noch erleben werden.
Zum Schluss seines Plädoyers kommt Metzger zu den Mieten. Ein schwieriges Thema, das man sehr differenziert betrachten muss. 

Auf dem Immobilienmarkt gibt es regionale Knappheiten, keine Frage. Dass dort die Mieten steigen, ist selbstverständlich. Doch da, wo ein wachsender Markt besteht, wird auch in Neubau investiert, weil sich die Investition privatwirtschaftlich lohnt.

Mit dieser Aussage liegt Metzger allerdings falsch. Es wird nicht in Neubauten investiert, obwohl die Preise steigen. Wozu auch? Ich bekomme für meinen Wohnungbestand mehr Geld und brauche nicht zu investieren. Vor allem, weil die Anforderungen an Neubauten hoch und damit sehr teuer sind. Wenn schon investiert wird, dann in teuere Wohnungen. Hier könnte man meiner Ansicht nach einfach Abhilfe schaffen. Durch eine Förderung des sozialen Wohnungsbaus und Stärkung der Wohnungsgenossenschaften wird die Wohnungsmarktlage entspannt. Es gibt mehr Angebot und die Mieten sinken. Mietpreisbindungen sind sicher keine Lösung.


Wir erlebten die beiden konkurrierenden Systeme im eigenen Land. Doch ist das eindeutige Ergebnis wirklich noch in unseren Köpfen präsent?

Um Gregor Gysi zu zitieren. Der Kapitalismus hat nicht gewonnen er ist übrig geblieben. Anstatt den Staat zu verteufeln, sollten wir ihn gestalten und als Werkzeug nutzen. Gemeinsam mit der freien Wirtschaft kann man so viel vernünftiges bewirken. Hierfür bedarf es aber einer starken demokratischen Kontrolle, damit Dinge wie der aktuelle  Abhörskandal nicht möglich ist. 

Fazit
Mal wieder einseitig, mal wieder undifferenziert. Wenn die Welt wirklich so einfach wäre wie Herr Metzger meint, dann gäbe es viele Probleme nicht. Seine Grundannahme, dass Staat und Wirtschaft separat existieren ist kompletter Unsinn. Beide existieren gemeinsam und sind stark verflochten. Aus diesem Ist Zustand erkennen zu wollen wie ein Soll Zustand wären, wenn diese Verflechtungen nicht existieren ist im besten Fall schwierig im Normalfall unmöglich. 
Genau hier scheitern die Gläubigen des reinen Marktes in meinen Augen immer. Sie setzen Annahmen voraus, welche sie nicht begründen, bzw. beweisen können. Eine Annahme ist, dass der Markt effizient ist. Was effizient bedeutet sagen sie nicht.

Chris

Montag, 18. Februar 2013

Schlimme Markteingriffe, oder doch nicht?

Markteingriffe sind etwas schlechtes. So schallt es in steter Regelmäßigkeit aus den Mündern der radikalen Marktbefürwortern. Dabei vergessen sie, dass es ständig zu Markteingriffen seitens der Natur kommt. Schneit es in Norddeutschland und im Süden nicht, dann beeinflusst das die Geschwindigkeit der Fahrzeuge und somit die Effektivität des Handels. Diese externen Größen werden von Märkten ohne Weiteres verkraftet. Schließlich ist diese Struktur für seine Flexibilität bekannt.
Gesetze hingegen, welche ebenfalls als externer Einfluss (wie ein Unwetter, lange Winter, Dürren, etc.) gesehen werden können, sollen zu Fehlallokationen und schlechteren Resultaten führen. Das die Möglichkeit besteht bezweifle ich nicht, das Muss sehe ich nicht.

Anmerkungen: Diese Gedanken kommen mir beim lesen dieses Blogs. Dort wird zum Beispiel vorgeworfen, dass die Mathematik die Wirtschaft nicht abbilden kann. Gleichzeitig wird innerhalb der österreichischen Wirtschaftsschule mit Logik argumentiert. Das man diese Argumentation auch auf mathematischer Ebene führen könnte, wird ignoriert und zeigt wie wenig die eigene Sichtweise hinterfragt wird. Der Vorteil beim Lesen solcher Blogs ist, dass man innere Widersprüche erkennen kann (auch für das eigene Weltbild).

Chris

Montag, 4. Februar 2013

Privatisierung des Wassers; eine liberale Argumentationskette

Den kompletten Artikel findet man hier. Konsequent werden Annahmen getroffen, welche nicht klar definiert werden. Innerhalb dieses Annahmenraumes kann man logisch konsistent argumentieren. Das Problem ist, dass diese Annahmen faktisch nichts mit der Realität zu tun haben.

Menschen, die nicht wollen, dass Wasser wie ein Gut behandelt wird, welches man tauscht, zugleich jedoch fordern, dass der Staat das Wasser wie ein Gut behandeln und tauschen dürfen soll, widersprechen sich selbst.

Das ist kein Widerspruch. Zum Beispiel ist die Rechtssprechung (zumindest offiziell) auch ein Gut und kann nicht gehandelt werden. Ebenso der Schutz durch die Armee oder durch Deiche. Die Frage ist, was

A) effizienter ist,
B) jedem, auch den Ärmsten, Zugang zu essentiellen Ressourcen liefert.

Der Vergleich zu Ländern und Kommunen wo die Trinkwasserversorgung privatisiert wurde zeigt, dass die Qualität des Wassers sinkt. Zusätzlich sind die Verluste höher. Wettbewerb findet nicht statt, da das Wassernetz nur einmal gebaut wird. Eine Substitution des Gutes durch ein anderes ist bei Wasser nicht möglich. Eine Privatisierung bedeutet den Tausch vom staatlichen gegen ein privates Monopol.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Verhaltensökonomie

Auf DLF Wissen gibt es aktuell einen sehr interessanten Vortrag über Verhaltensökonomie. Die Grundaussage ist, dass Menschen Entscheidungen als rational bewerten können, aber sich dennoch in steter Regelmäßigkeit dagegen entscheiden. Wenn man das weiß, ist es klar das ein geregelter Markt Sinn macht. Die Regeln können objektiv sein. Die Marktteilnehmer werden vor irrationalen Ausbrüchen geschützt. 
Für mich ist das, die einleuchtenste Begründung gegen eine befreite Marktwirtschaft.

Chris

Montag, 21. Januar 2013

Diskussion über Eigentum und Freiheit

Eine interessante Diskussion über Eigentum. Mein Gegenüber ist der Meinung, dass Eigentum etwas natürliches sein und keinen rechtsstaatlichen Rahmen braucht. Ich bin anderer Meinung, da Eigentum nichts natürliches ist. Es ist vom Menschen geschaffen und wird somit innerhalb eines gesellschaftlichen Rahmens legitimiert; heutzutage durch den Staat.

Chris

Dienstag, 8. Januar 2013

23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen

Ich lese gerade das Buch 23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen. Bisher ist das Buch sehr kurzweilig und interessant geschrieben. Im Grunde reicht es aber aus, dass erste Kapitel zu lesen. Dort beschreibt der Autor Ha-Joong Chang, dass es keinen freien Markt gibt und niemals geben wird. Denn auch der freie Markt der liberalen ist nicht frei und durch moralische Werte begrenzt. Somit steht hinter der Forderung nach einem freie Markt ein politisches Interesse. Man braucht sich also nur die Interessensgruppen ansehen und weiß warum sie diese Interessen verfolgen. 
Einige Beispiele, dass auch ein freier Markt nicht frei sei sind im Folgenden genannt.

  • Sklaverei ist verboten. Kein Mensch darf einen anderen besitzen. Für uns ist dieser Zustand alltäglich. Im 19. Jahrhundert wurde wegen diesem Markteingriff ein Bürgerkrieg geführt.
  • Kinderarbeit ist ebenfalls in den industrialisierten Ländern verboten. Kaum jemand bezweifelt, dass es mehr Sinn macht die Kinder auszubilden und Ihnen die Belastungen harter körperlicher Arbeit zu ersparen. Zu Zeiten der Industrialiserung wurden Vorstöße in diese Richtung als Verwerflich geahndet.
  • Der "Handel" mit Gesetzen ist verboten. Man darf sich keine Gesetze und Regeln kaufen. Auch muss man sich der Rechtsstaatlichkeit unterwerfen. Offiziell ist jeder vor dem Gesetz gleich. Auch hier existiert kein Markt.
  • Ich darf auch keine Gruppe Gauner bezahlen und wir stehlen uns irgendetwas. Diese Möglichkeit der "Investition" ist mir verwehrt (bei Banken bin ich mir nicht so sicher ;) ).
  • Viele Umweltgesetze sind sinnvoll und werden von den meisten Menschen nicht als Nachteil angesehen. Die Flüsse sind sauberer und die Luft atembar. Da Märkte es nicht schaffen Umweltzerstörung zu bepreisen, müssen sie reguliert werden. Erst durch Grenzwerte kann sich dann ein regulierter (kein freier) Markt bilden.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass regulierte Märkte keineswegs ein Problem darstellen. Die Forderung, dass nur freie Märkte effizient sind populistische Floskeln. Selten wird definiert was 
frei bedeutet,
  • effizient denn eigentlich sein soll,
  • wie man den Nachweis der Effizienz ohne weltfremde Grundannahmen in einem mathematischen Modell bringen könnte.
Somit stellt sich die Frage, warum so viele Menschen dennoch an die Religion des freien Märkte (Stiglitz) glauben. Nicht alle sind reich und haben die Möglichkeit durch Sozialabbau, Einschränkung der Arbeitnehmerrechte, Steuersenkungen, Subventionserhöhungen für Konzerne, Schutz der Konzerne durch den Staat, etc., ihren Reichtum zu mehren. Dennoch verteidigen sie diese Ideologie, obwohl sie streng genommen zu den Verlierern bei der Durchsetzung der Selbigen gehören würden. Ich denke es gibt dafür mehrere Gründe. 
  • Es wird nicht bis zur letzten Konsequenz nachgedacht. Bestimmte Regeln (Eigentum) werden als gegeben vorrausgesetzt und bestimmte Handlungen (Arme werden immer auf dem Markt agieren und keinen Aufstand wagen) gelten als fest.
  • Die Grundannahmen des freien Markt Modells werden nicht hinterfragt. Es wird nicht gefragt, ob man Nachfrage und Angbot auf einer volkswirtschaftlichen Ebene überhaupt sauber trennen kann.
  • Der Leistungsgedanke schmeichelt uns. Wenn man viel Geld verdient und die anderen wenig, dann sind sie selber Schuld und wir sind die Besten (selbst wenn man zu den Verlierern gehört). 
  • Die Angst vor mächtigen Institutionen und vor Willkür. Dabei finde ich Interessant, dass man zurecht die staatliche Macht hinterfragt, aber davon ausgeht das Unternehmen immer im Interesse der Bevölkerung handeln. Vor dem Hintergrund von Menschenexperimenten in Nigeria, Folter in Argentinien, Videoüberwachung am Arbeitsplatz, etc. ist das schon erstaunlich.
Mein Fazit zu dem Buch ist bisher, dass man es lesen sollte. Gerade als marktliberaler kann man sich einige neue Standpunkte holen. Ich habe auch u.a. Hayek gelesen und habe einige Thesen für vernünftig gehalten. 

Chris

Mittwoch, 27. Juni 2012

Die Verwendung des Marktes

Warum wird der Begriff Markt in den letzten Jahren so inflationär benutzt? So muss man Märkten freien Raum einräumen oder man muss sie beruhigen. Gerade in Bezug auf die Eurokrise ist offensichtlich, dass der Begriff dazu verwendet wird unliebsame Gesetze durchzuwinken. Die Grundanahmen sind dabei sehr einfach. Der Markt ist dem Staat überlegen und weiß immer was richtig ist. Das heißt man ersetzt eine fehlbare reale Politik durch ein unfehlbaren irrealen Begriff.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Politiker haben ein Gesicht, Märkte nicht. Man kann sich hinter dem Begriff verstecken. Selten wird die Frage gestellt wieso Märkte in jedem Fall dem Staat überlegen sein sollen. Die theoretischen Annahmen des perfekten Marktes sind bei weitem nicht erfüllt. Auf den Finanzmärkte im Speziellen können einige wenige große Rating Agenturen über Wohl und Wehe ganzer Volkswirtschaften gebieten. Eben jene Institutionen die des Öfteren versagt haben. Das dort eine wirklicher Konkurrenzkampf vorherrscht ist mehr als Zweifelhaft. Ihnen blind zu vertrauen wäre Irrsinn. Aus diesem Grund wird es auch nicht getan. Diese und andere Institutionen werden vorgeschoben, um im Hintergrund Gesetze wie das ESM zu erlassen. Fragt jemand warum muss der ESM beschlossen werden, oder warum muss dies so schnell gehen muss, wird auf die Märkte verwiesen. Diese fordern schnelle Lösungen, damit sie endlich wieder stabil funktionieren können. Bei den Regulierungen der Finanzmärkte vor einigen Jahren war man nicht ganz so schnell dabei. Der Begriff Markt wird also als Tarnschild für unliebsame Gesetze vorgeschoben. Da er besser als die Politik ist, braucht man Beschlüsse auch nicht auf demokratischem und/oder ethisch moralischem Wege überdenken. Somit können Beschlüsse gefasst werden die eine Mehrheit der Bevölkerung in ganz Europa schaden und einer kleinen elitären Minderheit nutzen. Märkte haben damit nichts zu tun. Es ist der politische Wille und die Chance etwas im Sinne der Vermögenden (zu denen man meist selbst als Politiker angehört) zu tun. 

Montag, 19. September 2011

Zitat

Der freie Markt ist nicht, wie die heutige Wirtschaftsphilosophie gemeinhin annimmt, naturgegeben; er stellt sich auch nicht einfach her, wenn politische Eingriffe in das Marktgeschehen ausbleiben. Blickt man zurück in die Geschichte, so ist die freie Marktwirtschaft eine seltene und kurzlebige Abweichung vom normalen Lauf der Dinge. Die Norm sind regulierte Märkte; sie sind es, die in jeder Gesellschaft von selbst entstehen. Die freie Marktwirtschaft dagegen ist ein Geschöpf staatlicher Macht. Die zum Inventar der Neuen Rechten gehörende Vorstellung, freie Märkte und geringstmögliche Intervention der Regierung gehörten zusammen, stellt die Wahrheit auf den Kopf. ... Freie Märkte können nur durch die Machtmittel eines zentralisierten Staates geschaffen werden. Als dessen Schöpfungen sind freie Märkte nicht in der Lage, ohne starken Staat zu bestehen.

Donnerstag, 18. August 2011

Vertragssicherheit

Vertragssicherheit und das Einhalten von Regeln sind Grundfesten der Marktwirtschaft. In der FR wird beschrieben wie die Konzerne und ihre Chefs in Deutschland agieren. Jeder soll selbst überlegen, wie die Märkte davon beeinflusst werden. 

Chris

Donnerstag, 19. Mai 2011

Großkonzerne

Wer kann eigentlich daran glauben das International eine freie Marktwirtschaft existieren könnte. Die 10 größten Konzerne der Welt (nach Umsatz) haben einen Umsatz, welcher dem BIP Deutschlands entspricht. Diese Macht kann man durchaus nutzen, um den Staaten in denen man agiert, Gesetze aufzuzwingen. Umsatz bedeuten in diesem Fall immer auch Steuern und Arbeitsplätze. Da es kaum Alternativen gibt begeben sich die Staaten automatisch in Abhängigkeit. Auch ist es unglaubwürdig, dass fairer Wettbewerb zwischen Wall-Mart und einem Straßenhändler in Delhi stattfinden kann. Wenn Wall-Mart dort eine Gefahr sieht werden die Preise gesenkt, bis die Händler verschwinden. Danach kann das lokale Monopol ausgenutzt werden. Wer von freier Marktwirtschaft redet sollte nicht nur Staaten kritisieren, sondern auch die Konzerngrößen. Ab einer bestimmten Größe haben Unternehmen Macht wie ein Staat. So können international agierende Finanzinstitute und Ratingagenturen ganze Staaten in den Abgrund reißen und/oder Gesetze diktieren. Aktuell ist dies gut belegt. Wer Wettbewerb möchte, der muss eine Umgebung schaffen in der sich die besten Ideen durchsetzen und nicht die größten Unternehmen.

Chris

Montag, 24. Januar 2011

Systemfehler

Mich wundert häufig in der Diskussion über das Marktverhalten, dass von allen Seiten deren Versagen kritisiert wird. Märkte können eigentlich nicht versagen. Sie können den Modellen widersprechen, mehr aber auch nicht. Wenn tausende Spekulanten gegen den Euro Wetten, dann ist das kein Marktversagen. Ebensowenig, wenn Deutschland sich auf den Export fixiert. Die Märkte optimieren Geldeinnahmen. Dies geschieht in der Regel kurzfristig. Denn dann sind die Risiken absehbarer. Alles andere, wie Wohlstandswachstum, technologischer Fortschritt, etc. sind Abfallprodukte aus dieser Optimierung der Einnahmen. Das die Nebenprodukte zwangsläufig auftreten müssen ist in meinen Augen keineswegs gegeben. Diese Zwangsläufigkeit nehmen aber viele als Annahme in Kauf, wenn man die Wirtschaft weiter Liberalisieren möchte. Chile unter Pinochett sollte ein abschreckendes Beispiel gewesen sein.

Chris

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Kirche und Markt

Wenn ich die Nachrichten über die Eurokrise lese, dann erinnert mich das Ganze an das Mittelalter. Auch damals gab es ein System, welches auf Glauben basierte und die Verwaltung des Deutschen Reiches übernahm. Damals war es die Kirche, welche dem Kaiser Bedingungen diktierte. Im Grunde war die weltliche Macht sehr begrenzt. Die Kirche besaß zum Beispiel keine Armee. Doch sie besaß Einfluss, welcher auf dem Glauben der Menschen an Gott fußte. Bei Rating Agenturen und der Kreditvergabepraxis in der Eurozone sieht das ähnlich aus. Die Garantie für das Geld liegt bei den Staaten. Rating Agenturen haben offiziell keinen Einfluss auf die Geldschöpfung noch auf die Gesetzgebung. Dennoch lassen sich Staaten von Ratings und Spekulanten herumschubsen. Der Glaube an den Markt und der massive Einfluss durch die Finanzwirtschaft auf die Politik ermöglicht dies. Der Glaube, dass der Markt alles optimal regeln wird ist ähnlich dem Glauben an das Himmelreich. Es lässt sich niemals beweisen es ein Himmelreich gibt. Es lässt sich eben auch nicht die optimale Verteilung durch einen Markt beweisen. Der Glaube daran nährt das vermeintliche Wissen, dass dies so sei. Die Politik muss sich von diesem Diktat befreien, wie einst die Nationalstaaten von der Kirche. Dann kann sie ihrer Aufgabe gerecht werden den Wohlstand der Menschen im jeweiligen Land zu sichern.

Chris

Donnerstag, 22. Juli 2010

Aussagen - Hinterfrage IV

Viele Diskussionen werden wie Grabenkämpfe geführt. Der Grund hierfür liegt, wie so oft in den unterschiedlichen Betrachtungsweisen des diskutierten Problems. Besonders beliebt ist die Diskussion über den Markt und seine Effizienz. Es gibt viele die in diese Effizienz tausende von Dinge interpretieren. In der Praxis können diese Interpretationen nur bedingt standhalten. Denn was ist diese Effizienz von der gesprochen wird?
Ist es die Effizienz der Verteilung?
Das ganz sicher nicht. Im Winter gab es kein Streusalz mehr, im Sommer keine Kühlflüssigkeit für die Klimaanlage im Auto. Das trotz Überproduktion von Lebensmitteln und anderen Verbrauchsgütern viele Menschen Hungern widerlegt in meinen Augen die These von der effektiven Verteilung der Güter.
Die Entwicklung von Technologie soll in einer Marktwirtschaft sehr effektiv sein. In meinen Augen ist dies nur bezüglich der Technologie richtig, bei der sich kurz bis mittelfristig Geld verdienen lässt. In einer rein privaten Forschungslandschaft wäre der Mensch noch nicht im All. Es gäbe auch keinerlei Forschung im Bereich der Quantenmechanik (CERN), oder der Fusionsreaktoren (ITER). Viele geisteswissenschaftliche Forschungsprojekte würden auf der Strecke bleiben.
Die Produktivität wird ebenfalls oft angesprochen. Es ist richtig, dass diese im Kapitalismus gut gesteigert wurde. Trotz 6-facher Produktivitätssteigerung sank die Arbeitszeit nur um die Hälfte. Die Arbeitslosigkeit stieg ebenfalls an. Aktuell steigt die Arbeitszeit wieder und das trotz Konjunktureinbruch. Man kann also sagen, dass die Produktivität steigt, aber nur bedingt beim Menschen ankommt. Wo bleibt die Differenz? Die Differenz bleibt in dem Bereich wo der Markt perfekt ist. Er ist effektiv im allokieren von Geld. Es geht nur darum möglichst viel Geld zu verdienen. Dabei ist es egal ob mit Luft gehandelt wird (Finanzkrise) oder mit realen Werten. Zum erreichen dieses Ziels werden Arbeitsplätze abgebaut, Technologien nicht entwickelt (oder entwickelt), Löhne gesenkt, Rechte gedehnt oder abgeschafft. Das Ziel ist, dass der Einzelne möglichst wenig bekommt bei einem möglichst hohen Output. Das ist die Effizienz des Marktes. Nicht die Umwelt, nicht der Mensch, nicht das bessere Leben ist es. Blanke Zahlen die sich vermehren sollen. Wer das für den Menschen effizient hält, den kann ich nicht verstehen.
Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.

John Maynard Keynes (*05.06.1883-†21.04.1946), Ökonom

Diesem Zitat ist als Zusammenfassung nichts hinzuzufügen.

Chris