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Mittwoch, 27. Oktober 2021

Precht bei Jung&Naiv

Jedes Jahr führt Tilo Jung ein Interview mit Richard David Precht durch. Ich halte Herr Precht für einen differenzierten Denker. Aber wenn er seine philosphische Expertise verlässt wird es in meinen Augen oft dünn. So meint er zu Recht die demographische Entwicklung sei eine große Herausforderung und führt dazu, dass das Umlagessystem nicht funktioniert und auch eine kapitalgedeckte Altersvorsorge wird nicht funktionieren. Er verweist auf Erfahrungen der Vergangenheit und das Mackenroth Theorem. Aber genau hier irrt Precht. Er setzt unsere Art der Rentenorganisation synonym mit dem Umlageverfahren. Mackenroth merkte nämlich an, dass jedes Rentensystem ein Umlagesystem ist. Seine Begründung ist, dass Dienstleistungen und Güter schwer gespart werden können. D.h. erwerbstätigen Personen müssen für den Rest der Gesellschaft Güter und Dienstleistungen erbringen. Die Frage ist also nur, ob die Produktivität ausreicht oder nicht. Laut Precht muss die Produktivität ausreichen, da er das Verschwinden der Arbeit herbeidenkt. Precht wie viele andere Denken in Geld. In diesem Fall scheint es einen Unterschied zu machen. Aber im Grunde müssen wir in Gütern denken, denn wir wollen Essen und Wohnen. D.h. die ganze demographische Frage ist eine Verteilungsfrage. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist keine Frage der Machbarkeit an sich.

Damit kommen wir zu seiner Annahme, dass wir keine Arbeit mehr hätten. Ich halte diese Aussage für grundlegend falsch. Klar ist, dass sich einige Arbeit wegautomatisieren lässt. Im Bereich der Finanzbuchhaltung ist für mich nicht ersichtlich, warum man Excel und copy&paste nutzt, anstatt automatisierte Systeme. Aber in viele Bereichen wird eine Automatisierung nicht im Ansatz möglich sein. Der Grund ist relativ einfach. Es ist billiger einen Menschen zu beschäftigen, oder es ist gar nicht möglich. Viele soziale Berufe sind ein Beispiel, wo Roboter wahrscheinlich kaum eine Rolle spielen werden. Durch automatisierung wird es nicht möglich sein, dass eine Pflegekraft heute 2 morgen 4 und übermorgen 8 Personen betreut, bei gleicher Qualität. Auch im Industriebereich ist eine Vollautomatisierung mehr als fragwürdig. Speziallösungen und kleine Stückzahlen sind durch Menschen besser abzubilden. KI Methoden müssen scheitern. KI ist gut, wenn es klare Daten und jede Menge davon gibt. Nehmen wir den A380. Davon wurden keine 300 Flugzeuge gebaut. Die Entwicklung und Umsetzung einer automatisierten Fertigung kostet Zeit und Geld. Für diese Stückzahlen lohnt es sich nicht im Ansatz.

Die beiden Beispiele zeigen, dass Precht richtige Analysen triff, aber falsche Folgerungen. Er ließt wahrscheinlich die falschen Quellen. Ökonomen sagen vielleicht voraus, dass die Arbeit wegfällt. Das ist auch eine Profession, auf die das zutreffen wird. Aber wie Handwerker wegautomatisiert werden sollen ist mir nicht klar. Die Produktivität auf Baustellen ist seit Jahrzehnten konstant. Wenn ich digitalisiere, muss dennoch jemand das Kabel verlegen, den Träger schweißen, usw. Neue Bauwerke könnte man vielleicht optimieren, aber der Altbestand?

Arbeit wird uns also nicht ausgehen. Vor allem weil die Herausforderungen riesig sind. Wer soll denn die zehntausden Windräder, Solarzellen, Power to X Kraftwerke, Energietrassen, Häusdämmungen entwickeln, bauen und betreiben? Wer  soll unsere Kinder endlich vernünftig ausbilden, Schienen verlegen, die Innenstädte umbauen (planen und realisieren), die Brücken sanieren, Schulen modernisieren, unsere Alten Pflegen? Und dann kommen die Klimafolgen. Wer soll denn die Schäden reparieren, die Flüchtenden aufnehmen und integrieren?

Die Liste ist endlos. Arbeit geht uns nicht aus. Sie ändert sich nur. 

Fazit

Das Interview ist nicht schlecht. Precht wirft gute Punkte auf. Wie zum Beispiel will man eine Lohnobergrenze moralphilosophisch und liberal argumentieren? Einfacher seien Steuern. Das ist ein interessanter Punkt über den ich noch nicht nachgedacht habe. Auch das er nicht so schnell Partei bezieht, bei bestimmten Positionen und das gut begründet finde ich gut. Aber in diesen Fällen ist er im Kernbereich seiner Expertise. Bei vielen anderen hat er eine Meinung, die nicht fundiert ist.

Chris

Donnerstag, 21. Mai 2020

Die nur "Nur ich bin Wichtig" Gesellschaft

Das Unterstützung für Eltern wird im Rahmen von Corona verlängert. Wer keine Kinderbetreuung hat bekommt länger ein Quasikurzarbeitergeld. Soweit so gut. Interessant waren die Kommentare zu diesem Beitrag der Tagesschau. Kommentare verraten mehr über eine Gesellschaft als ihre Inhalte. Es kam der Hinweis, dass diese Förderung sehr gut sei, aber Menschen in einer Ausbildung oder Studenten komplett ausklammern. Ich finde das einen guten Hinweis, da es die Lücken im System aufzeigt. Die Antworten waren teilweise erschreckend. Sinngemäß sei Kinderkriegen planbar und man hätte einfach bis nach dem Arbeitsstart warten sollen. War schließlich eine freiwillige Entscheidung. Das erschreckend Dumme an solchem Kommentar ist, dass das auch für diejenigen gilt die nach dem Karrierestart Kinder bekommen haben. Keine Betreuung, dann bleibt doch unbezahlt zu Hause. War ja eine freiwillige Entscheidung. Nein da wird argumentiert, dass ja Einkommen wegbrächen, dass Corona nicht planbar gewesen sein, usw. Das Gleiche gilt für Auszubildende und StudentInnen. Erschreckend wie Empathielos der Bildungsbürger doch ist.
Auf Verweise, dass den heutigen Eltern alles geschenkt wird und vor 50 Jahren alles so hart war (in Zeiten steigender Löhne und unbefristeten Verträgen) und man sich ja nicht so haben soll, verzichte ich. Auch die tauchen natürlich auf.

Es ist wie so häufig. Die Opfer werden zu Tätern gemacht. Ein FahrradfahrerIn wird überfahren. Warum halten sich FahrradfahrerInnen nicht an die Regeln? Ein Frau wird sexuell belästigt. Warum sieht sie auch so hübsch aus?! Usw.

Nur ich bin wichtig und die anderen sind weniger Wert. So simple.

Chris


Montag, 6. April 2020

Nochmal zu den Nachdenkseiten

Ich verstehe die Argumentation der Autoren dort nicht wirklich. Wenn es um ökonomische Zusammenhänge geht, dann haben sie Ahnung. Außenpolitisch kaufen sie sich gerne Expertise ein und zeigen gut belegte Zusammenhänge. In Zeiten von CORVID-19 wollen sie alternative Positionen zeigen. Das ohne jeglich Einordnung. Dann kritisieren die Betreier, dass KENFM als Verschwörungstheoretiker bezeichnet wird. Mich wundert das nicht so richtig. Ken macht ein Video, wo er Angst hat beobachtet zu werden (stellt es online?!). Er vergleicht den Faschismus in Deutschland mit den Ausgangsbeschränkungen. Ziemlich wirr das Ganze.  In jedem zweiten Interview kommt der 11. September vor. Den Klimawandel leugnet er zwar nicht, aber er kritisiert Untersuchungen und lädt die passenden Gäste. Man muss nicht jede alternative Meinung präsentieren. Wie man auf die Idee kommen kann, dass KenFM eine fragwürde Informationsplattform ist, ist offensichtlich. Selbst wenn dort mal etwas vernünftiges publiziert wird, wie soll man es von der Masse an Schrott unterscheiden. Die kritischen Nachdenkseiten können das nicht erkennen. Sie sind im Lagerdenken verfangen und einige ihres Publikums hängen solchen Theorien an. Das zeigen die Leserbriefe sehr häufig. Ich unterstelle Müller und Berger nicht, dass sie dafür anfällig sind. Als Mediengestalter mit einiger Reichweite sollten sie sensibler sein, für den Typus Mensch der sie konsumiert. Da gehören eben nicht nur die Mainstreammedien eigeordnet, sondern eben auch die alternativen Medien die sie regelmäßig zitieren.
Warum?
Wenn man die Nachdenkseiten halbweigs unkritisch ließt, kommt man auf die Idee, dass Russia Today und KenFM objektive Meinungen verbreiten die unterdrückt werden. Monitor (eines wenigen kritischen Formate im öffentlich rechtlichen Rundfunk) wird ebenso kritisiert wie die Tagesschau, usw. D.h. unkritisch gelesen wird man in Medienformate getrieben, welche zwar hin und wieder alternative Sichtweisen präsentieren, aber alles andere als seriös sind. Das Albrecht Müller das Problem nicht erkennt, ist bezeichnend und wundert sich dann wie man auf die Idee kommen kann die Nachdenkseiten in die gleiche Reihe zu setzen. 
Das ist schade, denn in ihren Kernkompetenzen sind die Nachdenkseiten sehr stark. Sie sollten sich auf das Konzentrieren was sie beherrschen und nicht auf alles.

Chris

Freitag, 6. Dezember 2019

Unabhängige Presse

An einem solchen Beitrag der Welt kann man sehr schön sehen, dass der deutsche Journalismus unabhängig ist. Auch wird die Meinungsfreiheit hochgehalten. 
Der Beitrag ist unabhängig von Fakten und voll von Meinung. NRW war angeblich nach Walter-Borjans Arbeit als Finanzminister mit 35 Billionen Euro verschuldet. Das mag ein kleiner Fehler sein, aber die Intention der Grafik ist klar. Man zeigt den Schuldenstand eines Landes in dem Walter-Borjans Finanzminister war. Dann zeigt man, dass dieser Schuldenstand sehr hoch ist und fantasiert herbei, dass er nicht mit Geld umgehen kann. Das mag vielleicht sogar stimmen. Aber hätte man nicht dann den Anfangs- und Endschuldenstand des Bundeslandes nehmen müssen. Dann hätte man ohne weiteres gesehen, dass während dieser Zeit nichts Spektakuläres geschehen ist. Schon ein bisschen peinlich für Chefökomin Siems. 
Um Olaf Scholz hingegen wird die Legende des seriösen Wirtschafters geschmiedet. Vergessen wird das HSH Nordbank Desaster. Aber für die Unabhängigkeit von Fakten und Verbreitung von eigener Meinung zu Wahrung der Meinungsfreiheit muss das wohl so sein. Wenn sich Redaktionen fragen, warum sie nicht gelesen und/oder müde belächelt werden, der sollte sich einen solchen Beitrag anschauen. Journalistisch ist das nichts. Einfachste Meinungsmache. Jeder der journalistisch arbeitet bekommt kaum genug zum Leben. Siems und ähnliche ihrer "Qualität" verdienen ordentlich. Schlechte recherchierte Texte kann man preiswerter haben.

Chris

Dienstag, 23. Oktober 2018

Dogmen vs. Realität

Der Mangel an Arbeitskräften ist in einigen Branchen zu einem echten Problem geworden." Jedes vierte Unternehmen in Deutschland habe Schwierigkeiten, neue Stellen zu besetzen. Das zeige sich schließlich auch in der geringen Arbeitslosigkeit und in den steigenden Löhnen. Der Mangel an Arbeitskräften führt womöglich auch dazu, dass Güter nicht mehr hergestellt werden können, die für andere Produkte notwendig sind, sogenannte Vorleistungen. Unternehmen beklagten diese Knappheit an Vorprodukten zunehmend, sagt Michelsen.

Die Wirtschaft schwächelt, weil die Löhne so stark steigen? Der Reallohnindex stieg aber nicht besonders stark. Von einem extremen Nachfrageboom kann also nicht gerade die Rede sein. Die Vorleistungsprodukte mögen fehlen. Aber wo sind die steigenden Preise? Schaut man sich die aktuelle Entwicklung an und vergleicht sie mit den letzten 30 Jahren, dann sieht man eben auch nicht, dass es so unendlich schlecht steht.

Das heißt nicht, dass es keine Unternehmen gibt, die Probleme haben. Allerdings sind die Argumente schon etwas krude. Deutschland jagt von einem Exportüberschusstitel zum Nächsten. Gleichzeitig sind angeblich die Lohnkosten zu hoch?! Es gibt einen Arbeitskräftemangel, aber die Löhne steigen nicht besonders stark und die Investitionensquote ist auch nicht besonders hoch. Wenn doch angeblich die Nachfrage da wäre, wie der Beitrag impliziert, man gleichzeitig keine Arbeitskräfte hat, müsste man nur die Produktivität steigern. D.h. man braucht Investitionen. 

Analysiert man also mal die Zahlen, dann sieht man schnell, dass sich nicht viel bewegt in Deutschland. 

Chris

Freitag, 1. Juni 2018

Warum ich Ökonomen nicht Ernst nehmen kann

  1. Sie machen Prognosen bis ins Jahr 2080.
  2.  Sie behaupten die Zahl der Erwerbstätigen sinkt und man hätte da zukünftig mehr Bedarf. Gleichzeigtig steigen die Kosten für die Arbeitslosenversicherung (Abb 2. & Abb. 4)
  3. Das "Primär- und Finanzierungssaldo des gesamtstaatlichen Haushalt" 2000-2018 zeigt deutlich, dass der Haushalt durch die Konjunktur massiv beeinflusst wird. Danach wird er nur noch durch demographische Entwicklungen getrieben (Abb. 5). Das ist interessant, wenn man bedenkt, dass die demographische Entwicklung seit 200 Jahren sich in diese Richtung geht. Komischerweise hat es bisher funktioniert, trotz Leitungsausweitung.
  4. Hohe Fertilitätsraten kosten kein Geld (Abb. 6). Schule, Studium, Ausbildung fällt kostenlos vom Himmel.
  5. Die Erwerbslosenquote steigt zwingend (Abb. 7). Die Ausgaben des Staates werden also verbrannt?! Wer kriegt das Geld im Gesundheitssystem, dass so teuer werden soll? Wer kriegt denn die Renten die so teuer werden sollen?
Die darauffolgende Analyse braucht man sich nicht anzusehen. Sie geht von widersprüchlichen Analysen aus. Der Startpunkt ist schon falsch. Wenn alle Gelder die aktuell in privaten Rentenversicherungen fließen (staatlich) in die gesetzliche fließen würde, sähe das Bild anders aus. Auch die Belastungsanalyse ist nur realistisch, wenn man die privaten Renten mit hinein packt. Denn dann sieht man sehr schnell, dass die Deckelung der Rentenabgaben nicht das Ziel dieser als Wissenschaft getarnten, Privatrentenwerbung ist. Es geht darum die Leistungen zu senken, damit die Menschen privat vorsorgen und Bertelsmann daran verdient.

Chris

Mittwoch, 2. Mai 2018

Mangel an Vorstellung


Ein Gehalt für das Nicht-Arbeiten. Das kann sich die FAZ Redakteurin nicht vorstellen. Das finde ich persönlich sehr merkwürdig. Sie sollte einfach mal an die vermögende Spitze schauen. Leistungslos werden dort Zinsen, Aktienerlöse und Miete eingestrichen. Man hat seine Vermögensberater, damit das Vermögen erhalten bleibt. Selbst arbeiten müsste man eigentlich nicht und einige tun es auch nicht. 
Der Kommentar zeigt einen Mangel an Abstraktionsvermögen. Wenn untere Einkommensklassen Geld bekommen sollen, dann ist das ein Problem. Es wird diskutiert, warum die Gemeinschaft Leute einfach so bezahlen sollte. An der Spitze passiert das aber auch. Nur ist es hier versteckt hinter einem komplexen Vertragswerk. Letztenendes, bezahlen wir alle aber für die Reichen.

Chris

Mittwoch, 18. April 2018

Es wird immer wieder behauptet

Genau wie hier im Fokus wird immer wieder behauptet, dass "nach der Gehaltserhöhung weniger übrig ist als davor". Dann kommen Beispiele. Das interessante, dass in keinem dieser Beispiele weniger Netto herauskommt, als vor der Gehaltserhöhung. Den Fehler im System scheint es nicht zu geben. Man will mit dieser abstrusen Behauptung eigentlich nur darauf hinweisen, dass die Gesamtbelastung prozentual steigt. Das heißt aber noch lange nicht, dass man weniger als vorher hat. Es heißt nur, dass eine 5% Steigerung des Bruttolohns nicht gleichzeitig eine 5% Steigerung des Nettolohns entspricht. Ob das sinnvoll ist oder nicht, ist diskutabel. Aber bisher habe ich keine Quelle/Szenario gefunden, wo die Fokus Behauptung zutreffen würde. Das es falsche Behauptungen sind, halte ich insofern für wahrscheinlich, da man sonst eben diese Beispiele darstellen würde.
Das gegebene Beispiel mit dem verlinkten Brutto-Netto Rechner, dass man bei 17.000 Euro/Jahr bei einer Gehaltserhöhung nicht mehr bekommen würde, ist falsch. Zum einen wäre es nicht weniger wie behauptet. Zum anderen ist es Netto mehr. D.h. der Fokus lügt in seinem Beitrag oder ist zumindest hochgeradig ungenau.

Chris
ach der Gehaltserhöhung weniger übrig ist als davor
ach der Gehaltserhöhung weniger übrig ist als davor

Dienstag, 9. Januar 2018

Grundeinkommen unfinanzierbar

Ich schätze die Nachdenkseiten, aber zumindest bei der Analyse des Grundeinkommen haben sie einen Denkfehler. Der Denkfehler geht folgendermaßen. Es wird behauptet, dass man im bisherigen System durch die Anpassung der Sozialsysteme, Armut beseitigen oder zumindest drastisch reduzieren kann. Es soll also möglich sein, dass alle Menschen ein vernünftiges Einkommen bekommen können.

Wenn das der Fall ist, dann stelle ich mir die Frage wieso ein Grundeinkommen in der Theorie nicht finanzierbar sein sollte. Im Moment können 80 Millionen Haushalte aus dem jetzigen System  Einkommen generieren. Diese Einkommen können laut Jens Berger durch Umverteilung hoch genug sein, damit jeder Mensch ein auskömmliches Leben hat. Dazu kommt eine Absicherung bei Krankheit und im Alter. Wenn das der Fall ist, dann kann man eben diese Einkommen auch als Grundeinkommen verteilen. D.h. es würde sich nichts ändern, außer die Art der Verteilung. Im Moment ist sie durch Arbeitsverträge und der Marktfolklore geregelt. Das funktioniert halbwegs.

Beim Grundeinkommen und das ist eine durchaus berechtigte Kritik, ist es vollkommen unklar wie es funktionieren soll. Der Eingriff ist gigantisch und die Folgen unabsehbar. Viele liebgewonnene Besitzstände müssten fallen. Man bekommt nicht einmal eine Bürgerversicherung realisiert. Eine  autofreie Innenstadt wird nicht einmal diskutiert. D.h. wollte man ein Grundeinkommen umsetzen, müsste man langfristig planen und umsetzen. Da viele Menschen verlieren, muss enteignet und unterdrückt werden.

Die Frage ist also, lohnt es sich? Da bin ich mir nicht sicher. Denn das Problem ist nicht Rationalisierung und die Automatisierung. Das Problem ist die Ungleichverteilung. Daran kann man heute schon viel machen. Das passiert aber nicht. Warum sollte man annehmen, dass sich daran auf einmal etwas ändert? 

Chris

Freitag, 5. Januar 2018

Fern ab jeglicher Realität

So kann man den Beitrag von Herr Schaeffler einfach nur bezeichnen. Ihm geht es um folgendes
 
Denn neben dem Beschäftigungswunder gibt es eine gravierende Veränderung des Arbeitsmarktes. Insbesondere der Drang zur Selbstständigkeit hält an. Neue Beschäftigungsformen, wie die der Clickworker, die über Portale Aufträge akquirieren, kommen zunehmend in Mode.

Das Menschen auf Portalen ihre Arbeit zu niedrigsten Preisen anbieten müssen, ist für ihn eine Mode. Das dieses System ähnlich wie Uber nur funktioniert, weil derjenige der Anbietet keine Sozialleistungen beansprucht und sich häufig jeglichen Regeln entzieht, ist Schaeffler egal.
Die Behauptung

Der Gesetzgeber hat gutgetan, bislang die Einbeziehung von Selbständigen in die Sozialversicherungen nur sehr behutsam zu veranlassen. Die Freiheit der Selbständigkeit beinhaltete historisch auch die Freiheit, seinen Krankenversicherungsschutz frei zu wählen oder auch seine Altersvorsorge. Wer diese Freiheit einschränken will, schafft Markteintrittshürden für Existenzgründer und verhindert so die Flexibilität in einer Marktwirtschaft.

halte ich daher für absurd. Die Frage ist nämlich wer die Kosten am Ende trägt? Wenn ein Selbstständiger krank wird um im Krankenhaus aufschlägt wird der selbstverständlich behandelt. Wenn er nicht in die Rentenkasse einzahlt, bekommt er am Ende die Grundsicherung. Nur ist für mich die Frage, warum sollte die Gesellschaft dafür aufkommen, wenn Unternehmenskonzept nicht vorsieht, dass er genug erwirtschaftet um sich versichern zu können. In meinen Augen ist das etwa so, als ob man ein Fuhrunternehmen gründet und den Sprit nicht kalkuliert. Wichtig ist und das ist etwas das Schaeffler in seiner BWL Sicht nicht erkennt, dass alle einzahlen müssen. Dann ist es ein Wettbewerb unter gleichen Bedingungen. Warum sollten nach der Logik von Schaeffler, überhaupt Menschen einzahlen?
Genau hier kommt die Absurdität auf seinen Höhepunkt.

Das schadet allen. Nicht nur den Existenzgründern selbst, sondern auch den Kunden. Sie müssen in einem engeren Markt mehr für die angeforderte Dienstleistung bezahlen.

Niemand verhindert Unternehmensgründungen. Innovative Konzepte sind willkommen. Was Schaeffler als Pseudoliberaler fordert, ist die Unterbietung der Mindeststandards. Denn die Logik

Dem Millionär mag das egal sein, dem Arbeiter jedoch nicht. Er muss für eine eingekaufte Dienstleistung einen höheren Anteil seines Nettogehalts aufwenden. Er bezahlt also die Regulierungswut des Staates. Dabei profitiert der klassische Arbeitnehmer mit geringen oder durchschnittlichen Einkünften besonders von innovativen Konzepten wie Myhammer und anderen.

passt überhaupt nicht. Der Arbeiter profitiert kurzfristig und seine Arbeit wird langfristig in eine solche Plattform ausgelagert. Schaeffler wie viele seiner pseudoliberalen Kollegen ignorieren vortrefflich die Realität. Angebot und Nachfrage sind komplett entkoppelt. Alles kann für sich einzeln und vollkommen entkoppelt betrachtet werden. Die Vorhersagen und Behauptungen sind beliebig falsch. Da Schaeffler und andere Priester und keine Wissenschaftler sind, ist es ihnen egal. Der Markt heiligt die Mittel. 
Der Punkt ist, wenn ein Staat einen Markt reguliert ist das sein gutes Recht. Der einseitig Blick auf Arbeitsplätze ist Schwachsinn. In einer Sklavengesellschaft hatten die Sklaven auch Arbeit. Niemand würde behaupten, dass es eine sinnvolle und zwanglose Arbeit sei. Die Qualität der Arbeit sollte also im Mittelpunkt stehen. Wenn man das tut, dann machen Regeln durchaus Sinn. Tut man es nicht wie Schaeffler, dann bleibt man an der Oberfläche und ist weiter Dienstleister der Reichen und legitimiert die Ungleichheit und Unfreiheit.

Das interessante an solchen Texten ist, dass sie geschrieben sind, als wär der Inhalt irgendwie belegt, zwingend, usw. Es sind einfach Behauptungen eines gescheiterten Politikers mehr nicht.

Chris

Sonntag, 19. November 2017

Klimaskeptiker

Hin und wieder stolpert man auf Kritiker des aktuellen Stand des Wissens, dass der Mensch wesentlich den aktuellen Klimawandel verursacht. Sie greifen sich selektiv Studien heraus und meinen damit eine solide Kritik aufbauen zu können. 
Einfacher ist es, das Ganze mal auf Plausibilität zu prüfen. Die Frage ist doch, wer etwas dabei gewinnt, wenn es so etwas wie den menschenverursachten Klimawandel gäbe (Fall I). Die andere Frage ist, wer gewinnt etwas, wenn man den menschenverursachten Klimawandel leugnet (Fall II).

Nehmen wir uns einfach ein paar Akteure heraus, um Fall I und Fall II durchzuspielen.
Staaten
Staaten gewinnen eigentlich nichts durch die CO2 Regulierung und ihre Zusagen zum Umweltschutz. Es schadet eher. Konsequenzen bei der Nichterfüllung der verhandelten Ziele gibt es nicht. Wenn Staatslenker dennoch solche Ziele vereinbaren und wenigstens halbwegs versuchen sie zu erfüllen, muss das Ganze plausibel sein. Verschiedenste Regierungssysteme von sehr liberal bis illiberal spielen mit und sind sich einige, dass etwas getan werden muss. Warum diese Einigkeit, wenn es doch laut der genannten Kritiker substanzielle Schwächen an den Behauptungen der Mensch habe massiven Einfluss auf das Klima, nichts dran ist?
Die These, dass der Staat gegen die Wirtschaft arbeitet, ist in pseudoliberalen Kreisen zwar verbreitet. Die These lässt sich aber nicht halten. Das sieht man aktuell bei VW. Es gibt also kein Argument, außer alle Politiker sind blöd, das Fall II stützt.

Fall I - Fall II (1:0)

Unternehmen
Einige Unternehmen profitieren von Fall I. Allerdings sind diese Konzerne deutlich kleiner als die etablierten Energieriesen. Vor allem am Anfang der Energiewende und der Klimagespräche hatten diese Unternehmen sicher keine riesigen Geldsummen zur Verfügung, um irgendjemanden zu beeinflussen. Jetzt haben sie natürlich Interesse daran, dass es mit der CO2 Reduktion vorangeht.

Bei der Gegenseite sieht es genauso aus. Die großen Öl- und Kohlekonzerne leugnen den Klimawandel. Sie haben und hatten viel Geld für Lobbyorganisationen. Das Cato Insitut sei genannt (darüber stolperte ich als pseudoseriöse Quelle). Diese Konzerne haben viel zu verlieren. Trotz starken Lobbyismus wurden die CO2 Ziele durchgesetzt.

Es gibt also Argumente, dass es Unternehmen gibt die profitieren und verlieren, wenn man die Klimapolitik fortsetzt. Allerdings sind die Verlustängste der Großkonzerne deutlich größer.

Fall I - Fall II (2:1)

Wissenschaft
Oft ließt man von Kritikern, dass die Wissenschaft massiv profitiert. Das ist Blödsinn. Was bekommen denn die Forscher. Sie schreiben Berichte und betreiben Forschung. Das Gesamtbudget für Klimaforschung ist im Vergleich zu einem BP Gewinn gering. Die technischen Geräte zu Beforschung des Klimas würde es auch ohne den Klimawandel geben. Die Fragestellungen wären andere. Faktisch alle Forscher sind sich einige. Kaum jemand widerspricht, weltweit. Warum? Mehr Aufsehen und Zitationen bekommt man für neue Ideen und Kritik an Theorien. Vor allem, wenn man diese Kritik fundiert belegen kann. Trotzdem rennen alle im Gleichschritt? Das ist unplausibel.

Fall I - Fall II (3:1)

Diese Kurzanalyse soll darstellen, dass es eigentlich keine Argumente gegen den Klimawandel zu geben scheint. Für mich erschließt sich nicht, warum alle Länder und Menschen die in der Regel zutiefst egoistisch handeln, auf einmal gegen den Konsumenten und die Unternehmen agieren sollten.
Beim Export von Waffen sind die Folgen viel klarer und nichts passiert. Die Schäden an Unternehmen wäre viel geringer als bei der Klimapolitik. Diese simple Frage kann kein Klimaskeptiker beantworten. Das müsste er aber tun, um eben nicht als Verschwörungstheoretiker durchzugehen. Nach einer simplen Plausibilitätsanalyse kann man eigentlich nur zum Schluss kommen, dass nach aktuellen Stand der Forschung der Mensch massiven Einfluss auf das Klima nimmt.

Chris

Mittwoch, 20. September 2017

Deutsche Unternehmen stört der teure Euro nicht

An dieser Aussage sind zwei Dinge wichtig, welche in dem Artikel hier zusammengefasst sind.
 
Der Euro hat gegenüber dem Dollar stark zugelegt, was theoretisch die Exporte Deutschlands belasten könnte. Eine Analyse der LBBW kommt jedoch zu einem anderen Schluss: Erstens gehen die meisten Ausfuhren Deutschlands ohnehin in den Euroraum, zweitens ist für viele Kunden deutscher Unternehmen der Anschaffungspreis gar nicht so wichtig: Sie schätzen an den deutschen Maschinen Langlebigkeit, einfache Wartung und Qualität.

Deutschland ist im Vergleich zu den anderen Euroländern immer noch unterbewertet, sprich zu billig. Darum exportieren wir auch die meisten Güter in die Eurozone. Nehmen wir an Punkt zwei würde wirklich gelten; der Preis spielt keine Rolle. In diesem Fall sind die Forderungen der Politik, Unternehmen und Ökonomen nach weiteren Strukturreformen, um den Wirtschaftsstandort zu stärken Quatsch. Diese Reformen sorgen nur dafür, dass man billiger produzieren kann. Sie sorgen nicht dafür, dass man bessere Qualität erreicht. Das gelingt nur, indem man die Leute besser bildet, sie länger im Beruf hält, usw.
Die Aussage widerspricht sich also mal wieder. Die Steigerung von Löhnen ist für viele Ökomomen der Weltuntergang. Jetzt kommt raus. Der Preis ist fast irrelevant, die Qualität ist wichtiger. Wenn diese Schlussfolgerung falsch ist und der Preis sehr wohl wichtig ist, dann sind wir innerhalb der Eurozone zu billig. Etwas, was die Mainstream Ökonomen ebenfalls leugnen. Die Realität ist schon interessant, da sie die Gedankengebäude der neoliberalen Ökonomen wieder und wieder einstürzen lässt.

Chris

Mittwoch, 13. September 2017

Und sie merken es nicht einmal

Das witzige am INSM Blog ist, dass sich Beiträge untereinander widersprechen und / oder sogar in sich widersprüchlich sind. Hier mal ein Beispiel. In einem Artikel wird folgende Aussage getroffen

Die Zinsen sind niedrig, weil die EZB den Sparanreiz vernichtet. Der Witz ist, dass ein niedriger Sparanreiz zu niedrigen Sparquoten führen würde. Wo das in Deutschland zu sehen ist, weiß ich nicht so recht. Zum anderen ist die Behauptung die EZB wäre Schuld falsch. Die Nachfrage nach Krediten ist niedrig. Daher sind die Forderungen des zweiten Beitrags auch widersprüchlich


Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit heißt im Endeffekt, dass die Löhne und Abgaben für Unternehmen sinken sollen. Dadurch sinkt die Motivation der Unternehmen Investitionen zu tätigen. Höhere Rendite durch politische Entscheidungen sind ein geringeres Risiko. Die Senkung der Schulden sorgt dabei parallel zu einer weiteren Senkung der Nachfrage nach Krediten. Dann kommt oben drauf, dass die private Vorsorge immer noch bei den neoliberalen Ökonomen hoch im Kurs steht. D.h. man hat ein hohes Angebot an Geld und kaum Nachfrage. 
Wenn man nun die einfachsten ökonomischen Prinzipien dieser Leute anwendet lautet die Schlussfolgerung, der Preis für das Geld (Zinsen) muss sinken. Die Schlussfolgerung eines Ideologen lautet, die EZB ist Schuld.

Wer sich fragt, wieso die Wirtschaftspolitik so komisch ist, muss sich klar machen, dass diese Leute die Spitze der ökonomischen Forschung und Beratung darstellen. Man könnte das amüsant finden, wenn sie nicht so viele Leben kaputt machen würden.

Chris

Donnerstag, 31. August 2017

Fragen die bezüglich der Rente nicht gestellt werden

Bei der INSM gibt es mal wieder einen Anlauf die Rente mit 70 schmackhaft zu machen. Dazu nimmt man eine Wissenschaftlerin die eine Analyse durchgeführt hat und sie stellt diese vor. Im Rahmen der Annahmen wird diese Analyse auch richtig sein. Allerdings sind diese Annahmen einseitig und blenden wesentliche Dinge aus.
Hier ein paar Beispiele
1. Geht ein Arbeitsloser in Rente, dann ändert sich die Art der Sozialbezüge, nicht aber das er welche bezieht. Volkswirtschaftlich ist das egal.
2. Wenn es weniger Kinder gibt, dann muss an der Stelle weniger gezahlt werden.
3. Wenn die Renten hoch sind, gibt es einen steigen Konsum der Alten, welcher die Arbeitsplätze der Jüngeren sichert.
4. Ein sinkendes Arbeitskräfteangebot lässt die Einkommen steigen + die Arbeitsplatzsicherheit (vielleicht daraus resultierend die Motivation Kinder zu bekommen).
5. Weniger Arbeitskräfte und daraus resultierend steigende Arbeitskosten lässt die Motivation der Unternehmen steigen, mehr in die Produktivität zu investieren.
6. Die seit 1990 nicht gestiegen Gesamtarbeitsstundenzahl in Deutschland. Es gibt mehr Rentener aber keine größere Nachfrage nach Arbeit. Das ist ein Widerspruch zur Prognose.

Es gibt noch viel mehr Punkte. Es wird immer wieder vergessen, dass die Rente wie alles im ökonomischen Leben eine Verteilungsfrage ist. Beispielsweise stellen andere leistungslose Einkommen, welche von den Erwerbstätigen erbracht werden müssen,  komischerweise kein Problem für die Ökonomen dar (Mieten, Unternehmensgewinne). Dabei sind hohe Mieten auch eine enorme Belastung und müssen erwirtschaftet werden. Hier reden wir von 20-40% des Nettoeinkommens eines Arbeitnehmers. 
Medial wahrgenommene Ökonomen und Politiker blenden diesen Fakt aus. Niemand fragt, ob es sinnvoll ist Superreiche zu alimentieren. Das tun wir alle jeden Tag, indem wir einen Teil des volkswirtschaftlichen Einkommens an diese Gruppe abführen. Das ist kein Naturgesetz, sondern einfach ein vertragsrechtliches Konstrukt, welches vom Staat garantiert wird. Die Belastung wird nicht bestimmt und interessiert auch nicht. Bei den Sozialleistungen sieht es anders aus. Würde man beides, die Rendite der Superreichen und die Sozialleistungen, als Verteilungsfrage diskutieren, wäre viel gewonnen. Dann stellt sich eben nicht mehr die Frage ob wir uns die Rente leisten können, sondern ob wir es wollen. Es stellt sich nicht mehr die Frage ob ein Erwerbstätiger einen Rentner durchfüttern sollte. Es stellt sich die Frage ob ein Erwerbstätiger, einen Rentner, ein viertel Kind, einen halben Arbeitslosen,  einen Superreichen, usw. durchfüttern soll. Das ist es was er / sie tut. Wenn man das offen legt, dann würde viele sagen, alt werde ich irgendwann mal. Das ich Superreich werde ist eher unwahrscheinlich. Man würde also eher eine gute Rente als eine gute Rendite fordern.
Die Schlacht auf irgendwelchen Nebenkriegsschauplätzen lenkt vom eigentlichen Problem ab. Daher wird die Rente mit 70 nichts lösen. Denn das Problem ist nicht das Alter, sondern die Verteilung des Wohlstands.

Chris

Freitag, 18. August 2017

New research shows that countries don't necessarily do best when they specialize in making a few things

Das ist eine Erkenntnis. Das die Spezialisierung auf wenige Güter für die Länder optimal ist, war immer schon fragwürdig. Nur diejenigen die blind an eine Verallgemeinerung von David Ricardos Vermutung glaubten sorgt diese Forschung für einen Aha Moment. Man hätte die Ricardo Annahme  nur gegen die Realität prüfen müssen. Das wurde viele Male gemacht und die Ergebnisse viele Male ignoriert. Daher wundert mich eigentlich nur, dass es jetzt ankommt. 
Die ach so weisen Ökonomen haben nicht bemerkt, dass Frankreich nicht nur Wein produziert und Deutschland nur Autos. Beide Länder produzieren beides.

Chris

Freitag, 11. August 2017

Gruselanalyse

Hier ist ein tolles Beispiel zu meinen Gedanken zur ökonomischen Lehre. Alexander Horn sieht die Probleme. Seine Schlussfolgerung sind aber im kompletten Widerspruch zur Realität. Das liegt daran, dass er seine Behauptungen nicht im Ansatz mit dieser abklärt. Er behauptet die Schuld an der niedrige Investionsquote liegt an den staatlichen Krisenprogrammen 2007-2008. Diese waren Konjunkturgetrieben und haben das schlimmste verhindert. Für ihn sind sie ursächlich. Nur sieht man in dieser Abbildung, dass der große Investitionsknick schon vorher passiert ist. Die Agenda Reform lässt grüßen. D.h. seine Aussage ist falsch. Auch sonst macht er es sich sehr einfach. Staat und Unternehmen hängen in seinem Weltbild halt nicht zusammen. Es sind zwei unabhängige Entitäten, die einander nur einseitig beeinflussen. Der Staat macht die bösen Gesetze und die Unternehmen leiden. Das die Unternehmen den Staat beeinflussen, Steuern zahlen, der Staat Aufträge vergibt, usw. Das wird komplett ausgeblendet. Das Unternehmen nur investieren, wenn die Kosten zu hoch sind und die Chance besteht irgendwann in naher Zukunft mehr zu verkaufen, dass stört nur. Nein die Nachfrage den Staates an Produkten der Unternehmen ist Schuld daran, dass diese Unternehmen leiden. Darauf muss man erst einmal kommen. Wer die Produkte kaufen soll wird nicht beantwortet. Das sich die Löhne in Deutschland schwach entwickelt haben in den letzten 15 Jahren ist egal. Das Deutschland ohne Produktivitätssteigerung massive Exportüberschüsse erreicht (Wozu also risikovoll investieren) ist egal. All diese Dinge werden ignoriert, weil ein magische Hand die Adam Smith nie so gedacht hatte wie sie heute missbraucht wird, alles regeln wird. Tut sie es nicht muss alleinig der Staat Schuld sein. Sonst müsste man ja seine Modelle und Analysen hinterfragen. Wer will das schon?

Chris

Montag, 29. Mai 2017

Die alternative Welt des Herrn Schäuble

Entweder Wolfgang Schäuble lügt oder er führt regelmäßig seine totale Unfähigkeit komplexe Zusammenhänge zu verstehen aller Welt vor. 
Wolfgang Schäuble meint, es stehe nicht in der Macht des deutschen Staates die Löhne zu steigern.
Nehmen wir mal an diese Aussage stimmt. Dann ist die logische Folge
  1. Griechenlands "Reformen" bringen nichts,
  2. man kann die Hartz Gesetze einfach abschaffen,
  3. die Empfehlungen in Richtung Frankreich kann man sich sparen.
Alle diese Dinge sollen die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Wettbewerbsfähigkeit ist in diesem Zusammenhang eine besser klingende Bezeichnung für Preissenkung. Da alle wesentlichen Reformen den Arbeitsmarkt betreffen, bedeutet Kostensenkung automatisch Lohnsenkung, bzw. Reduktion der Lohnsteigerung.
Wenn also Wolfgang Schäuble Lohnsenkungen in anderen Staaten durch die Politik dieser Staaten fordert  und gleichzeitig sagt, man könne Löhne durch den Staat nicht beeinflussen ist das ein logisch nicht aufzulösender Widerspruch.
Noch klarer wird dies, wenn man sich vor Augen führt, dass der deutsche Staat viele Beschäftigte hat. Niemand zwingt ihn die Löhne im öffentlichen Dienst niedrig zu halten. Man könnte einfach diese Löhne steigern und so den öffentlichen Dienst als Konkurrenz zur Wirtschaft aufbauen. Diese müsste dann nachziehen. 
Man sieht also, Schäuble der in einer Regierung sitzt die vor alternativen Fakten und Fake News warnt, bedient sich genau diesen Mitteln um seine Politik zu verteidigen. In den vielen Jahren im politischen Geschäft hat er verlernt Fehler zuzugeben und/oder überhaupt erst zu erkennen.

Chris

Montag, 8. Mai 2017

Trickle Down mal anders

Es ist nicht unwahrscheinlich, daß ein Anstieg der Körperschaftsteuer um einen Euro am Ende die Arbeitseinkommen um 50 Cent drückt. Und dies ist eine moderate Schätzung, in manchen Studien finden sich auch drastisch höhere Verteilungseffekte zu Lasten der Arbeitseinkommen.
 
Heißt übersetzt, dass man die Körperschaftsteuer nicht anfassen darf, weil sonst die Löhne sinken. Ich bin bei solchen Aussagen mehr als skeptisch.Vor allem ist es logisch widersprüchlich, wenn man sich die Motivation von Unternehmen anschaut. Körperschaftssteuer wird auf den Gewinn gezahlt. Erhöhe ich die Steuer sinkt der Gewinn. Nun soll das Unternehmen weniger Lohn zahlen, bzw. Leute entlassen. Hier fängt in meinen Augen der Widerspruch an. Unternehmen wären auch schon vorher in der Lage eben dieses zu tun. Dann wären die Gewinne noch höher. Warum sorgt also die Steuer dafür, die Löhne zu senken? 
Das man so etwas messen kann, bezweifle ich nicht. Nur ist die Frage, ob eine Steuererhöhung direkt zu einer Lohnsenkung führt, oder ob Sekundäreffekte und/oder kurzfristige Erwartungen diesen Effekt herbeiführen. Mir ist zumindest die obere Aussage zu einfach. Der Umkehrschluss wäre, dass eine Senkung der Steuer zu mehr Arbeit, höheren Investitionen und / oder höheren Löhnen führt. Dem ist nicht so, wie man am Beispiel Deutschland sehen kann.

Chris

Mittwoch, 5. April 2017

Warum findet man dieses Scheitern nicht in den Medien?

Wissenschaftler sollen Fehler machen dürfen. Damit habe ich kein Problem. Allerdings sollten diese, wenn sie in der Öffentlichkeit auftreten und mit ihren Postulaten Politik zu beeinflussen versuchen, diese Fehler auch eingestehen. Das Bild stellt die Prognosen zur Mindestlohneinführung dar. Zu erkennen ist, dass keine auch nur im Ansatz eingetreten ist. Daher sollten unsere Medien diese Erkenntnis so publizieren. Dann ordnet man zukünftig diese Prognosen richtig ein. Sie sind eine mögliches Szenario auf Basis von Annahmen. Diese Annahmen können beliebig falsch sein, da Vereinfachungen getroffen werden müssen.

Chris

Freitag, 24. März 2017

Der Irrsinn der deutschen Autoliebhaber

Der BUND will Verkaufsstopp für dreckige Diesel erzwingen. Hier mal ein paar Kommentare unter dem Text, welche den Wahnsinn (anders kann man es nicht nennen) in den Köpfen der Autofahrer darstellen.

Fortbewegung ist immer mit Energie verbunden. Früher war der CO2 Ausstoß zu hoch, daraufhin wurde immer mehr downgesizet und Turbotechnik verstärkt eingeführt. Der CO2 Ausstoß sank, aber die Stickoxidwerte stiegen in die Höhe. Entweder oder. Elektroautos sind auch nicht besser, solange der Strom von Kohle- und Atomkraftwerken kommt. Jeder größere Benziner verbrennt sauberer als die Mini Hubraum Motoren, der CO2 Ausstoß mag vielleicht höher sein, aber die Stickoxidwerte sind verschwindend gering. Hauptsache der Normalbürger muss am Ende dafür zahlen, ganz saubere Leistung.
Der Kommentar geht von der Annahme aus, dass Individualverkehr unverzichtbar ist. Erst mit dieser Annahme kann man der Logik folgen. Das angebliche downsizen ist Quatsch. Wieiviel Tonnen wiegt ein typisches Auto im Vergleich zu früher? Die Autos werden schwerer, der Verbrauch bleibt konstant und damit auch die Emmissionen. Die Relaitvierung mit den Elektroautos ist auch typisch. Der Strom ist nicht sauber... Das stimmt nicht ganz, man besser filtern könnte. Die wesentliche Kritik am Elektroauto ist, dass die Batterien umweltschädlich sind. Das Problem hier ist wieder der Individualverkehr. Viele Autos führen zu viel Verschmutzung, nur eben an anderer Stelle.
Der Verweis, dass der Normalbürger am Ende zahlt ist richtig. Entweder es wird teurer oder er wird vergiftet.
 
wer verschmutzt denn mehr die Umwelt LKW ? Schweröl verbrennende Luxusliner und Lastschiffe ? Flugzeuge ? Rinderherden? Der Diesel PKW Sektor ist bestimmt nicht der Tod der Umwelt. Was ist mit der Industrie? Schaut nach China , in die verlogene USA ( 12 Zylinder usw.). Aber an die PKW Fahrer ist leichter , und probloser ran zu kommen. Hört auf mit der Verdummung der Massen. Deutschland sollte nicht immer bei Allem der Vorreiter sein. Das geht nur zu Lasten des Volkes.!
Der nächste Relativierer. Es geht weder um LKW noch um Schiffe, Flugzeuge und Rinderherden. Es geht um Autos in Deutschland und nicht in den USA und China. Der Text zeigt deutlich, dass es keine Argumente gegen ein Verbot gibt. Sonst könnte man sie bringen. Nur weil eine Panzerfaust gefährlicher als eine Pistole ist, gehört beides nicht in die Hände eines Kindes.

finanziert diesen Verein? In unserer Welt sterben alljährlich hundettausende Kinder an Malaria bevor sie das fuenfte Lebensjahr erreicht haben. Die BUNDleute lassen ein Windrad stoppen weil dort ein (1) Rotmilan rumfliegt. BUNDleute setzen sich dann ins Flugzeug und fliegen in die weite Welt. Ist das alles noch normal, menschlich. Wann hört dieser Fanatismus endlich auf?

Umweltschutz ist Fanatismus.  Auch hier werden Vergleiche gebracht und eben keine Argumente gegen das Verbot. Das ist allen drei Kommentaren gemein. Es geht nicht darum inhaltlich gegen den BUND zu argumentieren, sondern gegen diesen zu agitieren. So zieht es sich durch die meisten Kommentare. Auf die Argumente gegen ein Verbot wird nirgendwo eingegangen. Ich würde mich freuen, wenn es generelle Fahrverboten in Städten gäbe. Weniger Lärm, bessere Luft, mehr Platz für die Menschen. Dafür müssten die Radwege und der Nahverkehr ausgebaut werden. Die viel zu großen Straßen könnten durch Parks ersetzt werden. In Deutschland ist so etwas Fanatismus. 
In einer fernen Zukunft, werden Menschen kopfschüttelnd Parkplätze und Parkhäuser in Museen betrachten und sich fragen "Es gab 2016 nicht genug Wohnraum in Großstädten, aber Autos parkte man in Häusern in der Innenstadt?"

Chris