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Dienstag, 8. Juni 2021

Mal wieder Rente

Kurz vor der Bundestagswahl kommen sie hervorgekrochen. Die Renten sind unbezahlbar. Man müsse das Renteneintrittsalter erhöhen. Von 65 auf 67 oder mehr Jahre. Denn wenn man das nicht macht, was dann. Dann steigen die Kosten auf "22,1 Prozent im Jahr 2040 und weiter bis auf 23,6 Prozent im Jahr 2060", weiß Jochen Pimpertz ganz genau. Diese Prognose ist in jedem Fall unseriös. Soviel lässt sich sicher sagen. Auch sonst ist das Renteneintrittsalter eine relativ schlechte Stellschraube für die Rentenkosten. Warum senkt man nicht den Maximalbetrag, der bezogen werden kann, wenn es doch so teuer ist? Nein es ist das Eintrittsalter. Warum ist aber eine schlechte Stellschraube, wenn man nur ein wenig darüber nachdenkt. Es bestraft arme Menschen. Diese beziehen kürzer geringere Renten. So einfach ist das. Meist arbeiten diese ärmere Menschen nicht bis 65 oder 67 Jahren. Sei es, weil sie es körperlich nicht mehr können oder weil sie arbeitslos geworden sind.

Arbeitslosigkeit ist dabei ein besonders interessanter Teil der Nicht-Debatte. Arbeitslose wechseln von einem Bezugssystem in ein anderes. Nicht mehr und nicht weniger. In einer medial wahrnehmbaren Debatte habe ich solches Argument nicht wirklich von den Ökonomen gesehen.

Die eigentliche Frage ist nämlich nicht wieviel Rentner vs. Nichtrentner wir haben. Die Frage ist wieviel "produktive" Menschen vs. nichtproduktive Menschen. Produktiv in diesem Zusammenhang ist nicht abwertend gemeint. Alle Menschen in diesem Land brauchen etwas zu Essen, wohnen, Strom, Verwaltung, Gesundheit, etc.

Wenn mehr Rentner entstehen braucht man eventuell weniger Verwaltung, da bestimmte Verwaltungsaufgaben wie Kindergeld nicht mehr wichtig sind. Gehen dort Menschen in Rente, wurden die staatlichen Kosten einfach woanders hingeschickt. Bei Arbeitslosen ist dies noch offensichtlicher. Diese beziehen Arbeitslosenhilfe oder ALG II. Gehen sie in Rente beziehen diese und die anderen Leistungen nicht mehr. Long Story short, es ändert sich nichts.

Bei der Rente wird wieder und wieder getan, als sei diese hauptsächlich ein Demographieproblem. Das stimmt aber nicht. Es ist ein Verteilungsproblem. Die Rentenkosten steigen, weil die Löhne stagnieren, viele Leistungen über die gesetzliche Rente querfinanziert werden und nicht alle die könnten einzahlen. Alles Dinge die änderbar wären, sich aber durch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters nicht ändern.

Im nächsten Schritt wird dann wieder die private Vorsorge propagiert. Denn komischerweise sind 1% mehr Kosten bei der gesetzlichen Rente untragbar. Wenn ich privat 5% spare ist das okay. Warten wir es aber. Es wird so kommen.

Chris

Dienstag, 11. Mai 2021

Rettet den Unsinn

Bitte, bitte erhaltet ein sinnloses Finanzprodukt. Man braucht unbedingt eine Kapitaldeckung bei der Rente. Warum? Keine Ahnung. Aber wer widerspricht schon einem Professor?

Von manchen politischen Akteuren wird nicht nur die Riester-Rente als solche, sondern auch gleich die Sinnhaftigkeit der Kapitaldeckung bei der Altersvorsorge generell infrage gestellt.

In meinen Augen zu Recht. Die kapitalsgedeckte Rente ist teuer und unsicherer als die gesetzliche Rente. Die Behauptung man können das Geld ja sinnvoll am Aktienmarkt anlegen halte ich persönlich für sehr fragwürdig. Was für ein Land wie Schweden vielleicht noch klappt ist für Deutschland oder sogar die ganze EU eine andere Nummer. Die Summen die gespart werden müssen sind enorm. Hier fängt dann die Absurdität an. Es sollen möglichst hohe Rendite erwirtschaftet werden. Das Problem ist, dass die Menschen die sparen gleichzeitig die erwirtschafter der Rendite sind.

D.h. sie sind es im Zweifel, die weniger Lohn bekommen, oder Arbeitslos werden. Rendite muss schließlich her. In den USA sieht man wie schlecht die Kapitaldeckung teilweise funktioniert.


Die Riester-Rente muss daher dringend reformiert werden, nicht allein um ihrer selbst willen, sondern vielmehr, um das Instrument der Kapitaldeckung in der Bevölkerung nicht vollkommen zu diskreditieren.

Die Frage ist doch, warum sollte man eine schlechte Lösung am Leben halten? Angeblich sollen Ökonomen begrenzte Ressourcen möglichst effizient verwalten. Dann fällt die kapitalgedeckte Rente raus. Wer produziert denn die Dienstleistungen und Güter? Eben jene die nicht in Rente sind. Bezahlt wird es von Geld. Sind Güter knapp, dann sinkt der Wert des Geldes. Soll heißen, es kann nicht für die Rente volkswirtschaftlich gespart werden. Es muss dafür gesorgt werden, dass die Produktivität der Erwerbsbevölkerung reicht den Rest zu versorgen. So einfach das ist, so schwierig ist es in die Köpfe der neoliberalen Ökonomen zu bekommen. Nichts spricht für Riester auf einer volkswirtschaftlichen Ebene.

Es gibt zwei Gruppen die profitieren. Das ist die Finanzwirtschaft und die Politik die Sozialabbau betreiben will. Alle Bedenken über die Riesterrente sind eingetroffen. Das störte damals niemanden und sie wurde eingeführt. Aber jetzt, jetzt hat man wirklich eine Idee wie es funktionieren kann. Mich würde nicht wundern, wenn die private Hochschule des Herrn Professor von Finanzdienstleistern gesponsort wird. Ich liebe eine gute Verschwörung ;).

Chris

Mittwoch, 13. Januar 2021

Das ist also die wirtschaftswissenschaftliche Exzellenz

Es geht mal wieder um die Rente. Die INSM bringt wichtige Ökonominnen in Stellung. Der Beitrag ist ziemlich schwach und selbst ohne Wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung offensichtlich widersprüchlich. Er startet mit folgender Annahme aus der Politik. Es wurden zwei Kennwerte eingeführt.

Doppelte Haltelinie, das heißt zum einen, der Beitragssatz darf 20 Prozent nicht überschreiten, zum andern, das Rentensicherungsniveau vor Steuern (Standardrente nach 45 Beitragsjahren im Verhältnis zum verfügbaren Durchschnittseinkommen) darf 48 Prozent nicht unterschreiten.

Unter der Annahme stagnierender Löhne und unter der Annahme keinerlei Finanzierung durch Steuern, kommt man zwingend zum Schluss, dass die Menschen länger arbeiten müssen. Nur sind das zwei sehr harte Annahmen.

Was damit nichts zu tun hat ist die Lebenserwartung. Denn wenn die Erwerbstätigen alle Nichterwerbstätigen mit Gütern versorgen können, dann ist die Rentenfrage eine Verteilungsfrage mehr nicht. Die Aussage

 Obwohl bei steigendender Lebenserwartung jetzt schon klar ist:

ist merkwürdig. Warum? Nun zum Einen ist die Lebenserwartung der Rentenbezieher sehr ungleich verteilt. Um die gesetzliche Rente zu betrachten, müsste man die Lebenserwartung der Bezieher und Einzahler betrachten. Meine Annahme ist, dass die Lebenserwartung geringer ist. Der zweite Punkt ist, dass die Lebenserwartung nach dieser Argumentation angepasst auf den sozialen Status oder das Einkommen betrachtet werden müsste. Warum? Nun die Lebenserwartung eines Bauarbeiters ist geringer als die eines Ingenieurs. Die Forderung der pauschalen Erhöhung des Renteneintrittsalters bestraft die Schlechtverdienenden doppelt. Sie müssen länger arbeiten, obwohl sie es nicht können und beziehen dann noch kürzer Rente.

Einen weiterer Punkt wird ausgeblendet. Die Kosten. Ein Teil der Rentenbezieher waren vorher Arbeitslos oder haben irgendeine Transferleistung bezogen. D.h. die staatliche Finanzierung wird von einen Topf in einen anderen geschoben. Unbezahlbar ist da nichts.

Die nächste Aussage ist auch merkwürdig

Diese Ausgaben werden aber künftig von den Rentenbeiträgen einer jüngeren Generation finanziert werden müssen, die wegen einer geringen Geburtenrate trotz moderater Zuwanderung zahlenmäßig immer kleiner wird.

Das war noch nie anders. Die aktuellen Erwerbstätigen erarbeiten die Güter und Dienstleistungen für alle hier lebenden Menschen + Export - Import. Als Ökonomin weiß sie das natürlich.

Die nächste Aussage wird vorgebracht und arbeitet mit der klassischen Auslassung

Schon 2019 wurde die gesetzliche Rentenversicherung zu 23,7 Prozent durch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt finanziert. Zuschüsse, die insgesamt 21,7 Prozent der Gesamtausgaben des Bundes ausmachen.

Das klingt dramatisch. Nur gibt es so etwas wie versicherungsfremde Leistungen im Bereich von 58–93 Mrd. Euro pro Jahr. Das kann man zwar ignorieren, ist aber wissentlich Stimmungsmache. Von einer Wissenschaftlerin in der Öffentlichkeit würde ich mehr Objektivität einfordern.

Dann geht es weiter

dass in Zukunft weniger Beitragszahlerinnen und –zahler für immer mehr Rentnerinnen und Rentner aufkommen müssen.

Ich wiederhole mich. Die aktuellen Erwerbstätigen erarbeiten die Güter und Dienstleistungen für alle hier lebenden Menschen + Export - Import. Man muss sich folgendes klar machen. Wir haben Exportüberschüsse, wir haben keine Vollbeschäftigung und es wird ein Mangel an Arbeitskraft herbeifantasiert.

Und die vermeintlich zwingende Logik.

Will man den Anstieg der Beitragssätze begrenzen und eine Reduzierung des Rentenniveaus vermeiden, wie dies aktuell empfohlen wird, dann bleibt als dritte Stellschraube nur, das Renteneintrittsalter anzuheben.

ist offensichtlich falsch. Warum muss der Beitragssatz ansteigen. Wenden wir simpelste Markttheorie an. Wir zahlen vielen Menschen eine Rente. D.h. wir haben viel Nachfrage die befriedigt werden muss. Gleichzeitig sinken die verfügbaren Erwerbstätigen. Was wird passieren? Um die Produktion und die Dienstleistungen zu erhalten, müssen die Löhne steigen. Damit sinkt der Beitragssatz. Ich verstehe nicht wie man solche Zusammenhänge ausblenden kann? Mehr noch die Kosten für die Arbeitslosenversicherung und Hartz 4 sinken, da mehr Menschen arbeiten. 

Geld ist nicht knapp, da die EZB das Geld beliebig schöpfen kann. Was knapp ist, sind Güter und Dienstleistungen. Und zum dritten Mal. Die aktuellen Erwerbstätigen erarbeiten die Güter und Dienstleistungen für alle hier lebenden Menschen + Export - Import. So lange diese Güter und Dienstleistungen ausreichen die gesamte Bevölkerung zu versorgen ist es keine Frage des Lebensalters, sondern der Verteilung. Ökonominnen wie Frau Schnitzer verstecken diesen simplen Fakt hinter Demographie.

Ich bin erschrocken, wie man als seriöse Wissenschaftlerin einen solchen schlechten, undifferenzierten Text fabrizieren kann. 

Chris

Dienstag, 15. Januar 2019

Ich begreife es nicht

Manchmal frage ich mich, wie dumm man eigentlich sein kann. Die deutsche Politik deckelt den Beitragssatz der deutschen Rentenversicherung mit der Begründung, es würde die Menschen zu stark belasten. Dann merkt die deutsche Politik, dass die gesetzliche Rente nicht mehr zum Leben reicht.

Dass die gesetzliche Rente allein nicht mehr zum Leben reicht, ist seit Jahren Konsens in der deutschen Politik. Beitragssätze für die Rentenversicherung wurden gedeckelt.

Die Lösung der deutschen Politik ist, dass 4 Prozent des Bruttolohns in eine private Rente eingezahlt werden sollte, um damit eine Durchschnittsrendite von 2% zu generieren.

sollen wie bei Riester-Verträgen vier Prozent des Bruttolohns eingezahlt werden,

Wie offensichtlich kann eigentlich der Widerspruch sein. Eine privaten Belastung ist immer noch eine Belastung. Ich zahle 4% meines Bruttogehalts an ein privates Unternehmen und das ist dann besser als es der Rentenversicherung zu geben. Wenn man von 2% Lohnsteigerung pro Jahr im Schnitt ausgeht, dann haben Näherungsweise auch die Rentenkassen 2% mehr. D.h. auch dort hätte ich eine Durchschnittsrendite von 2%. So oder so. Die Begründung für die private Vorsorge ist eine Hausgemacht. Offensichtlicher kann man sich nicht widersprechen. Vor lachen sollten die Autoren von ihren Stühlen fallen. Stattdessen wird seriös berichtet. Wer meint die deutsche Journalistenlandschaft hätte wegen ihrem Rolotius Skandal ein Problem, sollte mal fragen, warum sie solche Sachen unhinterfragt berichten. Das nicht seit gestern, sondern seit Jahren.

Chris

Freitag, 1. Juni 2018

Warum ich Ökonomen nicht Ernst nehmen kann

  1. Sie machen Prognosen bis ins Jahr 2080.
  2.  Sie behaupten die Zahl der Erwerbstätigen sinkt und man hätte da zukünftig mehr Bedarf. Gleichzeigtig steigen die Kosten für die Arbeitslosenversicherung (Abb 2. & Abb. 4)
  3. Das "Primär- und Finanzierungssaldo des gesamtstaatlichen Haushalt" 2000-2018 zeigt deutlich, dass der Haushalt durch die Konjunktur massiv beeinflusst wird. Danach wird er nur noch durch demographische Entwicklungen getrieben (Abb. 5). Das ist interessant, wenn man bedenkt, dass die demographische Entwicklung seit 200 Jahren sich in diese Richtung geht. Komischerweise hat es bisher funktioniert, trotz Leitungsausweitung.
  4. Hohe Fertilitätsraten kosten kein Geld (Abb. 6). Schule, Studium, Ausbildung fällt kostenlos vom Himmel.
  5. Die Erwerbslosenquote steigt zwingend (Abb. 7). Die Ausgaben des Staates werden also verbrannt?! Wer kriegt das Geld im Gesundheitssystem, dass so teuer werden soll? Wer kriegt denn die Renten die so teuer werden sollen?
Die darauffolgende Analyse braucht man sich nicht anzusehen. Sie geht von widersprüchlichen Analysen aus. Der Startpunkt ist schon falsch. Wenn alle Gelder die aktuell in privaten Rentenversicherungen fließen (staatlich) in die gesetzliche fließen würde, sähe das Bild anders aus. Auch die Belastungsanalyse ist nur realistisch, wenn man die privaten Renten mit hinein packt. Denn dann sieht man sehr schnell, dass die Deckelung der Rentenabgaben nicht das Ziel dieser als Wissenschaft getarnten, Privatrentenwerbung ist. Es geht darum die Leistungen zu senken, damit die Menschen privat vorsorgen und Bertelsmann daran verdient.

Chris

Montag, 2. Oktober 2017

Ideologien zur Rente

Wenn man keine Ahnung hat sollte man schweigen. Vor allem dann, wenn man halbgare Sachen verbreitet. Einen Vorwurf kann man der Autorin eigentlich nicht machen. Schließlich argumentieren viele Ökonomen auf ähnlich niedrigem Niveau. Wir sollen doch bitte den Generationenvertrag aufkündigen und Geld in einen Staatsfond schieben. Die Rendite des Fonds bezahlt dann die Rente. Wenn man den Generationenvertrag aufkündigt, dann zahlen die Jungen keine Rentenbeiträge. Aber die Rendite wäre dann dieser Beitrag. Diese Rendite muss erwirtschaftet werden. D.h. die Kosten für die nächste Generation ist im besten Fall gleich hoch. 
Nehmen wir mal an, ein Fond wäre eine Möglichkeit. Dann müssten Billionen Euro investiert werden. Wohin? Keine Antwort. Das scheint auf magische Weise zu geschehen. Geld arbeitet nicht. Daher ist der Beitrag, der die Sorgen der jungen Journalistengeneration darzustellen scheint auch so besorgniserregend. Keine Recherche, keine Argumente, nur das kleine Norwegen macht das, also ist es gut. Machen wir es doch auch. Woher die Rendite kommt, warum nicht etwa die Löhne steigen sollten, oder man Steuern auf Kapital und Erbschaften zur Finanzierung heranziehen könnte, Fehlanzeige. Das wäre eine differenzierte Art der Analyse. Denn dann hätte die Autorin begriffen, dass es immer nur um eine Verteilungsfrage geht. Die ändert man nicht, indem man einen Staatsfond aufsetzt, sondern indem man Sozialpolitik betreibt.
Immerhin steht der Beitrag unter dem Label Meinung.

Chris

Donnerstag, 31. August 2017

Fragen die bezüglich der Rente nicht gestellt werden

Bei der INSM gibt es mal wieder einen Anlauf die Rente mit 70 schmackhaft zu machen. Dazu nimmt man eine Wissenschaftlerin die eine Analyse durchgeführt hat und sie stellt diese vor. Im Rahmen der Annahmen wird diese Analyse auch richtig sein. Allerdings sind diese Annahmen einseitig und blenden wesentliche Dinge aus.
Hier ein paar Beispiele
1. Geht ein Arbeitsloser in Rente, dann ändert sich die Art der Sozialbezüge, nicht aber das er welche bezieht. Volkswirtschaftlich ist das egal.
2. Wenn es weniger Kinder gibt, dann muss an der Stelle weniger gezahlt werden.
3. Wenn die Renten hoch sind, gibt es einen steigen Konsum der Alten, welcher die Arbeitsplätze der Jüngeren sichert.
4. Ein sinkendes Arbeitskräfteangebot lässt die Einkommen steigen + die Arbeitsplatzsicherheit (vielleicht daraus resultierend die Motivation Kinder zu bekommen).
5. Weniger Arbeitskräfte und daraus resultierend steigende Arbeitskosten lässt die Motivation der Unternehmen steigen, mehr in die Produktivität zu investieren.
6. Die seit 1990 nicht gestiegen Gesamtarbeitsstundenzahl in Deutschland. Es gibt mehr Rentener aber keine größere Nachfrage nach Arbeit. Das ist ein Widerspruch zur Prognose.

Es gibt noch viel mehr Punkte. Es wird immer wieder vergessen, dass die Rente wie alles im ökonomischen Leben eine Verteilungsfrage ist. Beispielsweise stellen andere leistungslose Einkommen, welche von den Erwerbstätigen erbracht werden müssen,  komischerweise kein Problem für die Ökonomen dar (Mieten, Unternehmensgewinne). Dabei sind hohe Mieten auch eine enorme Belastung und müssen erwirtschaftet werden. Hier reden wir von 20-40% des Nettoeinkommens eines Arbeitnehmers. 
Medial wahrgenommene Ökonomen und Politiker blenden diesen Fakt aus. Niemand fragt, ob es sinnvoll ist Superreiche zu alimentieren. Das tun wir alle jeden Tag, indem wir einen Teil des volkswirtschaftlichen Einkommens an diese Gruppe abführen. Das ist kein Naturgesetz, sondern einfach ein vertragsrechtliches Konstrukt, welches vom Staat garantiert wird. Die Belastung wird nicht bestimmt und interessiert auch nicht. Bei den Sozialleistungen sieht es anders aus. Würde man beides, die Rendite der Superreichen und die Sozialleistungen, als Verteilungsfrage diskutieren, wäre viel gewonnen. Dann stellt sich eben nicht mehr die Frage ob wir uns die Rente leisten können, sondern ob wir es wollen. Es stellt sich nicht mehr die Frage ob ein Erwerbstätiger einen Rentner durchfüttern sollte. Es stellt sich die Frage ob ein Erwerbstätiger, einen Rentner, ein viertel Kind, einen halben Arbeitslosen,  einen Superreichen, usw. durchfüttern soll. Das ist es was er / sie tut. Wenn man das offen legt, dann würde viele sagen, alt werde ich irgendwann mal. Das ich Superreich werde ist eher unwahrscheinlich. Man würde also eher eine gute Rente als eine gute Rendite fordern.
Die Schlacht auf irgendwelchen Nebenkriegsschauplätzen lenkt vom eigentlichen Problem ab. Daher wird die Rente mit 70 nichts lösen. Denn das Problem ist nicht das Alter, sondern die Verteilung des Wohlstands.

Chris

Freitag, 16. Juni 2017

Die drei Stufen des neoliberalen Rentenirrsinns.

Es wird propagiert, dass die Rente (Beitragssatz zu hoch!!!) viel zu teuer sei. Wir müssten das Rentenniveau sinken lassen, damit wir überhaupt wirtschaftlich überleben.

Stufe II
Die Renten sinken und reichen nicht mehr zum Leben. Man schiebt das auf die geringe Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente und propagiert, dass wir bitte privat vorsorgen sollen. Der resultierende Beitragssatz wird ignoriert und liegt natürlich deutlich höher als im worst-case Szenarion von Stufe I.

Stufe III
Es wird propagiert, dass alles so bleiben muss wie es ist. Warum wird mit allerlei Zahlen versucht zu argumentieren. Der Fakt, dass es sich letztenendes um eine Verteilungsfrage handelt wird nicht betrachtet. Man muss sich überlegen ob man verteilen will und wo man es herholt. Alles Beiwerk, das man präsentiert, lenkt von diesem simplen Fakt ab.
Natürlich kann man sich eine Rente leisten die deutlich höher ist als heute. Wir diskutieren aktuell ob wir mal eben 2% des BIP für Rüstung ausgeben wollen. Jedes Jahr gibt es 1-2% mehr Wirtschaftsleistung zu verteilen. Die Frage ist also wofür. 

Wenn man bei der Bewertung der Rentenkosten gesamtwirtschaftlich denkt, dann sind die INSM Vorstöße der komplette Irrsinn. In der neoliberalen Denke ist die gezahlte Rente einfach weg. Dort kommt scheinbar niemand auf die Idee, dass das Geld auch an Unternehmen fließt, welche diese Lobbyorganisation vertritt. Die Renten werden ausgeben. Sie stabilisieren die Nachfrage und halten den Wirtschaftskreislauf am Leben. Rentner fahren in Urlaub, sie kaufen Schnickschnack für ihre Enkel, usw. D.h. Renten kosten nicht nur, sie bringen auch Einkommen.
Wieder stellt sich also die Frage, wollen wir diese Nachfrage an diese Personen verteilen oder nicht. Eine Bewertung auf reiner Kostenbasis ist absurd. Man muss den Nutzen entgegenstellen. Klar ist, wenn man schon mit Kosten argumentiert, dann sollte der Privatversicherungsmarkt ebenfalls betrachtet werden. Er ist teuer, wird steuerlich subventioniert und im Zweifelsfall vom Staat gerettet. Alles simple Fakten. Dennoch fallen ständig Politiker darauf rein. Der Grund ist einfach. Es klingt gut, es ist einfach, und es ist bunt.

Chris

Dienstag, 8. November 2016

Rentenmythen

Zehn Mythen zur Rente sollen in der FAZ aufgeklärt werden. Schauen wir uns diese Aufklärungsleistung einfach mal an.

1. Die Renten sinken immer weiter
Widerlegt wird diese Aussage mit dem folgenden Absatz.
Weil die Löhne ständig steigen und das hoffentlich auch in Zukunft tun, sind 41,6 Prozent des Lohns im Jahr 2045 immer noch mehr Geld als 47,8 Prozent im Jahr 2016. Die „Standardrente“ wächst nach den offiziellen Vorausberechnungen von heute 1372 Euro auf dann 2571 Euro. Bleibt die Inflation moderat, wird sogar die Kaufkraft der Rentner weiter steigen.

Im Grunde stimmt die Aussage sogar. Allerdings wird auf das Problem schon hingewiesen. Wenn die Inflation moderat wird, dann steigt die Kaufkraft sogar. Es ist also in absoluten Zahlen gesehen tatsächlich richtig, dass die Rente nicht sinkt. In Kaufkraft gedacht, sieht es nicht so rosig aus. Interessanterweise werden die niedrigen Zinsen von den Medien als Enteignung bezeichnet, weil die Kaufkraft sinkt. Naja konsistentes Denken ist etwas für Wissenschaftler. 

2. Die Riester-Rente ist gescheitert
Die Aussage wird nicht widerlegt. Der Erfolg ist, dass es "Gut 16 Millionen Riester-Verträge gibt". Nur sagt das gar nichts über die Qualität und die Erträge aus. Auch schön die Aussage 

Außerdem ist der Stellenwert der staatlichen Rente durch die Finanzkrise wieder gestiegen. 

Irgendwie passt das nicht, um zu zeigen, dass die Riester Rente ein Erfolgsmodell ist. 

3. Im Alter droht den Menschen Armut
So richtig widerlegt wird nichts. Es werden halbwegs differenziert verschiedene Gruppen dargestellt, welche in die Statistik der niedrigen Rente hereinfallen. Wieviele es sind, wird nicht geschrieben. Es wird nur gezeigt, dass diese existieren.

4. Das Rentenniveau lässt sich mit Steuern halten
Irgendwie kein Mythos, sondern ein Diskussionsansatz. Die Kosten sind mit 40 Milliarden Euro hoch. Das ist richtig. Aber wie subventionieren aktuell privaten Rentenversicherungen mit mehreren Milliarden Euro. Da wird komischerweise niemand unruhig.

5. Ohne Pensionen für Beamte wäre alles besser
Wieder wird der Mythos nicht widerlegt. Es werden nur die Probleme aufgezählt. Man bräuchte eine Übergangszeit und die Einsparungen wären, wenn vorhanden, nur langfristig zu erhalten. Eine gute Analyse sieht anders aus.

6. Die Mütter werden ungerecht behandelt
Keinerlei Aussage darüber ob Mütter ungerecht behandelt werden. Es werden nur die sozialpolitischen Beschlüsse, richtig oder nicht, beschrieben.


7. Die Reichen zahlen zu wenig ein
Diese Aussage wird bestätigt. Richtig ist auch, dass diese Reichen eine höhere Rente bekommen würden. Um die Problematik zu umgehen, könnte man den Rentenbeitrag progressiv steigen lassen. 

8. Die Rente mit 67 ist eine verkappte Rentenkürzung
Die Widerlegung dieses Punkte geht davon aus, dass die Menschen einfach 2 Jahre länger arbeiten. Das ist in der Regel nicht der Fall. D.h. man muss das Renteneintrittsalter anschauen und man erkennt, dass die Erhöhen des Rentenalters tatsächlich eine Rentenkürzung darstellt. Wer keinen Arbeitsplatz mehr findet, geht in Frührente und muss die Abzüge in Kauf nehmen. Genau dieser Punkt wird als Möglichkeit nicht erwähnt.

9. Die Einwanderer lösen alle Probleme
Richtig wird hier geschrieben, dass die Probleme nicht gelöst werden. Denn Einwanderung hilft nur, wenn Einwanderer auch arbeiten können und in die Sozialsysteme einzahlen.

10. Dem Osten geht es schlechter
Tatsächlich einen Mythos differenziert bewertet.

Fazit
Es wird wenig widerlegt. Auf die Punkte wird fast nur beiläufig eingegangen. Irgendwie enttäuschend, da man viele Aussagen prima mit Zahlen untermauern könnte.

Chris

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Finde den Fehler

Besonders Geringverdiener seien betroffen: “Wird in diesem Einkommensbereich nicht zusätzlich für das Alter vorgesorgt, steigt das Risiko der Bedürftigkeit im Alter stark an.”

Einfacher gesagt, wer nichts hat soll doch bitte etwas sparen. Wenn derjenige der nichts hat das nicht tut, dann ist er an seiner Altersarmut selber Schuld. Dumme Aussagen wie das Zitat können so entlarvend sein.

Chris

Freitag, 30. September 2016

Ein schönes Stück Propaganda

Woran macht man das Fest? Zwar steigen die Renten. Aber die Lebenskosten steigen eben auch. Auch als Rentner muss man seine Miete bezahlen. Wenn man privat Krankenversichert ist, dann hat man es mit aktuell steigenden Beitragssätzen zu tun.

Genau das ist eben falsch. Die Entwicklung ist politisch gewollt. Man hätte die steuerliche Förderung der privaten Renten genausogut in die gesetzlichen Renten stecken können. Gleichzeitig hätte man den Betrag, der jetzt in die private Rente fließt in die gesetzliche stecken können. Am Ende wäre die Belastung geringer, die Kosten aber auch. Das Rentenniveau wäre deutlich höher. Das Fazit muss also lauten, dass politische Entscheidungen zu einer Absenkung des Rentenniveaus geführt haben. Gleichzeitig hat man eine instabile Komponente eingeführt. Wenn die privaten Renten nicht zahlen können, bzw. zusammenbrechen, dann springt der Staat ein. Aktuell haben einige massive Probleme, weil es eben geringe Renditen gibt.

Chris

Dienstag, 5. Juli 2016

Wenn aus Durchschnitt Wahrheit wird

Der Jahrgang 1946, der letzte Jahrgang der regulär mit 65 Jahren in Rente gehen darf, hat bei Renteneintritt eine Restlebenserwartung von bereits 18,8 Jahren, also mehr als 2,5 Jahre mehr als sein 20 Jahre älteres Pendant. Im Jahr 2031 wird nun bei aktueller Gesetzeslage in der Regel der Jahrgang 1964 mit 67 Jahren in den Ruhestand wechseln – und erfreut sich dabei immer noch einer Restlebenserwartung von 18,9 Jahren.

So wird aus einem durchschnittlichen Wert eine Empfehlung das Rentenalter zu erhöhen. Warum unterscheidet man dann aber nicht zwischen Männern und Frauen. Frauen werden älter. Warum dürfen also Männer nicht früher in Rente. Wohlhabendere Menschen werden statistisch gesehen ebenfalls älter und bekommen mehr Rente. D.h. wenn wir diese Gruppe später in Rente gehen lassen, dann spart das viel Geld. Man kann natürlich auch argumentieren, dass es nur eine bestimmte Zahl an Rentnern geben darf. Warum koppelt man das Ganze ans Alter? Warum wird nicht nachgerückt, wenn jemand stirbt? Wäre das nicht im Sinne der Ökonomie? 
Man sieht an dem kurzen Abriss, dass diese Argumentationsbasis sehr fehlerhaft ist. Gerade für Menschen mit niedrigen Einkommen ist eine solche Kopplung ein Problem. Statistisch gesehen haben sie eine geringer Lebenserwartung und haben einen Beruf in dem sie nicht bis 67 oder länger arbeiten können. Sie werden also doppelt gestraft. Wenn man allerdings ein Professor bezahlt von dem Verband der Familienunternehmer ist, dann stört das wenig. Dann prostituiert man sich. Der Titel wird missbraucht, um Wissenschaftlichkeit vorzutäuschen und von Tatsachen abzulenken.
Die Tatsachen sind einfach. 
  • Die Erwerbstätigen müssen alle Nichterwerbstätigen mitversorgen. Ein Blick auf die Rentner ist nur ein Teilausschnitt des Ganzen. Arbeitslose, Pflegefälle, Kinder, usw. müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
  • Wir haben Arbeitslose. D.h. es könnten mehr Menschen arbeiten. D.h. wir haben keinen Bedarf an mehr potentiellen Erwerbstätigen.
  • Die Leistungskraft unserer Volkswirtschaft wächst. D.h. es gibt mehr zu verteilen. Wohin wir das Ganze verteilen ist eine gesellschaftspolitische Frage. Professoren wie Herr Hagist glauben scheinbar, dass unser heutiges Wirtschaftssytem mit seinen Umverteilungsmechanismen unabänderbar ist. Es gibt kein Naturgesetz das fordert, dass Kapitaleigentümer einen großen Anteil am volkswirtschaftlichen Ertrag erhalten müssen.
Nimmt man diese Punkte, dann kommt man sehr schnell zu dem Schluss, dass die Rentenproblematik eine reine Verteilungsdiskussion ist. Es geht nicht um ökonomische Zwänge wie uns immer wieder erklärt wird. Durch diese Behauptung würgt man jede Diskussion ab. Das ist das Ziel des Ganzen. Darum holt man sich Professoren und Doktoren die einem den wissenschaftlichen Segen geben. So erzeugt man eine pseudoseriöse Argumentationskette.

Chris

Mittwoch, 29. Juni 2016

Der falsche Fokus

Wenn man den falschen Fokus hat, dann kommt man natürlich zu den falschen Schlussfolgerungen

Zumal alle Sozialversicherungsbeiträge zusammen 2017 ohnehin wohl wieder über die 40-Prozent-Marke steigen werden. Die Belastung ist heute schon – trotz der historisch hohen Rekordbeschäftigung, wohlgemerkt – recht hoch.

Die Belastung durch die Sozialversicherungen sind unabhängig von der Zahl der Beschäftigten. Sie ist abhängig von den Kosten den die Sozialversicherungen erzeugen und der deutschen Lohnquote. Wenn alle Menschen Arbeit haben aber faktisch nichts verdienen, dann gewinnt man nichts. Wenn 90% in Rente sind und die restlichen 10% fürstliche Verdienste haben, dann sieht es anders aus.
Der Autor schreibt das übliche Blabla. Alle müsse länger arbeiten. Das können sie heute schon. Nur will es niemand, oder es gibt keine Nachfrage. Wo ist die Forderung, dass die Unternehmen flexibler werden sollten? Sie existiert nicht. Das die Nachfrage nach Arbeit seit 25 Jahren nicht gestiegen ist, wird auch verschwiegen. Trotz Rekordbeschäftigung steigt die Zahl der Arbeitsstunden nicht wirklich. Heißt also, es arbeiten mehr Menschen kürzer. 
Wenn man jetzt mal kurz nachdenkt und nüchtern analysiert, bedeutet das, dass kein Mangel an Arbeitskräften vorherrscht. Wenn kein Mangel an Arbeitskräften vorherrscht, dann ist alles weitere eine Frage der Verteilung der erwirtschafteten Güter. Auf diesen simplen Zusammenhang kommen die schlauen  Journalisten nicht. Es ist einfacher die übliche neoliberale Ideologie herunterzubeten.  
Dann wird nur auf Beschäftigungszahlen und nicht auf Einkommen geschaut. Wenn Beschäftigung das einzige Ziel wäre, dann könnten wir die Sklaverei wieder einführen. Das Verhältnis der Zahl der Rentner zur Zahl der Erwerbstätigen ist auch so eine Kennzahl. Auf meinen Hinweis, das die Rente in manch afrikanischen Land dann sehr hoch sein sollte, wurde im INSM nur abwertend reagiert. Solch Vergleich sei lächerlich und nicht zulässig, weil viele Dinge vernachlässigt würden. 
Genau das ist der Punkt. Man nimmt sich einzelne Kennzahlen heraus und argumentiert mit ihnen die eigene Ideologie. Dann wirft man noch die Befürchtungen der deutschen Wirtschaft und ihrer Verbände mit in den Topf und schon ist alles super. Diese Wirtschaftsvertreter sind aber auch nicht schlauer als alle anderen. Mit vielen der geforderten Reformen schaden sie sich selbst, weil sie an deren kurzfristen Erfolg glauben.
Ob und wie die Rente der Zukunft aussieht ist zumindest in Deutschland eine reine politische Frage. Es geht um die Verteilung von Wohlstand. Im Moment schaufeln wir viel Wohlstand zur Spitze. Damit haben wir kein Problem. Genausogut können wir es zu Rentnern oder Kindern schaufeln. Es ist nur eine Frage des Wollens, nicht des Könnens.

Chris

Dienstag, 19. Januar 2016

Wie argumentiert man für eine Rentenkürzung

Die INSM hat eine krude Argumentation gegen eine Rente ab 63 Jahren. Die Unternehmen verlieren Know-how. Das ist schlecht für die Wirtschaft. Das die Arbeitnehmer auch länger arbeiten könnten wird ignoriert. Es würde bedeuten, dass die Unternehmen etwas anbieten müssten, damit ihre Angestellten länger arbeiten wollen. So wird in den Kommentaren argumentiert. Die armen Unternehmen verlieren Wissen, also muss der Staat eingreifen.
 
Hallo Dan Chris, wie Sie sicherlich in den letzten Monaten beobachtet haben, machen die Anwärter für die Rente mit 63 von ihrem Recht Gebrauch. Das ist legitim, stößt aber gleichzeitig die Unternehmen in eine Zwickmühle. Viele Betriebe können auf den kurzfristigen Know-how-Verlust nicht mehr adäquat reagieren. Ein Wissenstransfer oder ein geeigneter Nachwuchs kann so schnell nicht gefunden werden

Nur:
  1. Welche Jahrgänge könnten die Rente ab 63 in Anspruch nehmen? Das kommt nicht von heute auf morgen für alle Arbeitnehmer, es würde Übergangsfristen geben. Wenn Unternehmen nicht in der Lage sind das zu planen haben sie Pech.
  2.  Die Menschen können trotzdem Kurzarbeiten oder in Rente gehen, nur bekommen sie weniger Rente. Die Unternehmen hätten dann wieder nichts vom Wissenstransfer.
  3.  Wenn den Unternehmen an dem Wissen gelegen ist, dann müssen sie dem Mitarbeiter etwas bieten, damit er länger arbeitet. So viel Flexibilität kann man von den Unternehmen erwarten, oder?
Eine Anmerkung noch. Ich finde es spannend, dass die INSM nach dem Staat ruft, wenn es den Unternehmen nützt. Nützt es dem Arbeitnehmer, dann soll er sich heraushalten.

Chris

Freitag, 10. Juli 2015

Mal wieder ein grandioser Text von Oswald Metzger

Es geht mal wieder um die Rente, Oswalds "Steckenpferd". Ideologie trifft auf Unwissen. Hier ein paar Beispiele:

Genau die Menschen, die das sinkende Rentenniveau in der gesetzlichen Rentenversicherung am härtesten treffen wird, sorgen am wenigsten vor.

Diejenigen die nicht genug Einkommen haben, um eine vernünftige Rente zu bekommen, sollen privat Vorsorgen. Ist ja klar, wenn ich hungere, dann muss ich einfach mein nicht vorhandenes Brot aufheben für schlechte Zeiten.

Fast die Hälfte der Befragten bezweifle grundsätzlich die Sinnhaftigkeit einer privaten Altersvorsorge.

So langsam erkennen die Menschen, dass die private Vorsorge teuer ist und nicht bringt was versprochen wurde. Die Zinsen sind niedrig. Versprochen wurde, dass es ein robustes zukunftsfestes System ist. Dann sollten die niedrigen Zinsen verkraftbar sein. Schließlich gab es immer mal Niedrigzinsphasen. Stattdessen jammern die Versicherungen und halten nicht was sie versprechen. Man hätte halt nicht behaupten sollen, dass man als Volkwirtschaft sparen kann.

Die Dämpfung der Sparneigung stellt für mich einen der gravierendsten Kollateralschäden der Niedrigzinspolitik dar.

Ich finde das sehr interessant. Was die europäische Wirtschaft braucht sind Menschen die etwas kaufen. Dann verdienen Unternehmen Geld und fragen Kredite für neue Investitionen nach. Genau das ist schlecht... Eine sehr merkwürdige Einschätzung. Geld stellt nur einen potentiellen Wert dar. Erst wenn ich etwas davon kaufe habe ich einen Wert. D.h. Geld anzuhäufen ist gesamtwirtschaftlich gesehen schlecht. Wenn nur gespart wird und nichts gekauft, dann wird die Volkswirtschaft eben nicht wohlhabender. Die Sparquote ist für die Investitionen vollkommen irrelevant. Wenn man das erkannt hat, dann ist der genannte Kollateralschaden keiner.

Chris

Freitag, 2. Januar 2015

Ist schon Neujahr?

Anhand der Forderungen unserer Eliten ist es nicht zu erkennen. Weise fordert, das man freiwillig bis 70 arbeiten können soll. Im Prinzip wäre es mir egal, wenn ich nicht wüsste, dass damit die Rente ab 70 für jeden vorangebracht werden soll. Die Begründung: FACHKRÄFTEMANGEL. Wenn man die Aussagen von Weise verfolgt, dann glaubt man dran, dass an der Spitze der Arbeitsagentur wirklich an Fachkräften mangelt.

Chris

Samstag, 27. Dezember 2014

Raffelhüschen is back

Ich wüsste wie man die Rentenkassen entlastet, lasst alle einzahlen. Dann hätten Professoren auch Interesse daran, dass es der Rente gut geht. Das wir alle länger arbeiten müssen ist ein Märchen, welches Herr Raffelhüschen und andere Ideologen immer wieder erzählen. Es wird dadurch nicht richtiger. Wir haben jetzt schon Millionen Menschen deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt. Davon abgesehen, sinkt die Zahl der potentiellen Arbeitnehmer, steigt die Nachfrage, somit die Löhne und folglich steigen die Einnahmen der Rentenkassen. Wir müssen genau dann länger arbeiten und nur dann, wenn die Produktivität der aktuell arbeitenden Bevölkerung nicht ausreicht um einen definierten Lebensstandard der gesamten Bevölkerung zu erhalten. Darüber schreibt Raffelhüschen nichts. Propaganda darf eben nicht differenzieren. Vor allem wenn sich die wesentlichen Aussagen mit Logik, öffentlichen Statistiken und dem Wissen das sie ein Versicherungslobbyist sind einfach widerlegen lassen.

Chris

Freitag, 28. November 2014

Nun ist die Katze aus dem Sack

El Grandioso Oswald Metzger hat wieder zugeschlagen. Das neoliberale Sprachrohr gegen alles was staatliche Bestimmungen und Sozialversicherungen angeht, hat wieder zugeschlagen. Zum Wohle des deutschen Volkes will er eine private Rentenzwangsversicherung einführen. Da der Bürger zu dumm ist für das Alter zu sparen, muss man ihn halt zwingen.

Damit sollte ein Ausgleich für das sinkende Rentenniveau der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente geschaffen werden

Das Niveau der gesetzliche Pflichtversicherung sinkt, weil es politisch gewollt ist, dass sie sinkt. Metzger will nun eine private Pflichtversicherung einführen. Er ersetzt ein preiswertes krisenfestes System durch ein teures krisenanfälliges. Beide Systeme sind umlagefinanziert. Einmal direkt über Beiträge und einmal indirekt über Zinsen. So oder so, die aktuelle Bevölkerung muss es erwirtschaften. Erschwerend kommt hinzu, dass das Risiko des Totalausfalls der Rente vom Steuerzahler getragen werden muss. Wenn die Allianz insolvent gehen würde, müsste der Staat einspringen. Das solche Dinge passieren können, sah man an der Finanzkrise 2007.

Kostenignoranz
Erstaunlich ist, dass ein Experten wie Metzger regelmäßig behauptet, dass eine Beitragsbelastung von über 22% unhaltbar sei. Jetzt propagiert er, Beitragssätze die höher sind. Der Unterschied zu seinem Vorschlag ist, dass die Nettolöhne stärker sinken. Im Moment wird der Rentenbeitrag auf den Bruttolohn errechnet. Virtuell zahlt 50% der Arbeitnehmer und 50% der Arbeitgeber. Wenn der Arbeitgeberanteil sinkt, sinken dessen Lohnkosten. D.h. mein Nettolohn bleibt gleich, allerdings muss ich noch privat vorsorgen. Da Deutschland schon jetzt unter einer Konsumschwäche leidet. wäre eine solche Versicherung eher kontroproduktiv.
Warum genau die Aufteilung in einen privaten und gesetzlichen Beitragsteil von Vorteil sein soll, verrät Herr Metzger nicht. Er behauptet das es nur so funktionieren könnte. Belegen kann er es nicht. Er vergisst, wie immer die Produktivitätssteigerungen und ignorieren die niedrigen Zinsen.

Angst
Doch genau dieser kollektive Vorsorgeverzicht kann sich für unsere alternde Gesellschaft zum Bumerang entwickeln. 
Das größte Problem was unsere Gesellschaft hat sind Experten wie Oswald Metzger und Menschen die ihm zuhören. Die von ihm vorgeschlagene Pflichtversicherung gibt es schon. Sein Aussage

Haben Sie jemals Beschwerden gehört, dass der Staat uns Kraftfahrzeughalter verpflichtet, eine Zwangshaftpflichtversicherung abzuschließen?

ist absurd. Ich verursache bei niemandem einen Schaden, wenn ich am Ende eine niedrige Rente habe. Metzger kann es nicht begreifen und er will es glaube ich auch gar nicht. In seiner Ideologie sind Staat und Privatwirtschaft komplett getrennt. Menschen können frei wählen, sind rational und können Prognosen bis in 100 Jahren exakt abgeben. So einfach ist die Welt aber nicht. Metzger tut aber so. Nach der Einführung seiner Pflichtversicherung würden die Zinsen sinken, aufgrund der starken Nachfrage nach sicheren Anlageformen. Metzger würde dem Staat die Schuld geben.

Fazit

Metzger widerspricht sich in einem Text von einer A4 mehr als einmal. Ein konsistentes ökonomisches Weltbild, wie falsch es auch immer sein mag, sollte das wenigstens schaffen.


Chris

Mittwoch, 9. Juli 2014

Flaschaussagen in Überschriften zum Leserfang

Ein Titel heute morgen in der Süddeutschen lautete

Rente mit 63 möglicherweise verfassungswidrig

Im Untertitel wird konkretisiert

Doch nun sagen Experten, dass die Ausnahmen bei der Rente mit 63 gegen das Grundgesetz verstoßen könnten.

Sollte man den Autoren sagen, dass es einen Unterschied zwischen dem Renteneintrittsalter und den Ausnahmen gibt. Nicht das Eintrittsalter, sondern die Ausnahmen sind kritisiert worden. Im Artikel steht es richtig. Warum, dann solch eine Aufgeladene unsinnige Überschrift? Wahrscheinlich, weil die Menschen wissen wollen warum die Rente mit 63 verfassungswidrig sein soll. Billiger Leserfang der funktioniert, aber nichts mit Journalismus zu tun hat.

Chris

Freitag, 21. März 2014

Mindestlohn - Ein gefährlicher Weg

Es ist schon sehr gefährlich. Man zittert förmlich. Und jetzt bitte Argumente Herr Paque die dagegen sprechen und keine Emotionen. Die gibt es nach der neuesten Studienlage eher nicht. Klar ist nur, dass der Effekt eines Mindestlohns neutral bis positiv auf den Arbeitsmarkt wirkt. Für den Einzelnen bedeutet er unter Umständen einen höheren Lohn.

Bei der Rente das gleiche Spiel. Professoren sollten eine zu hohe Rente in meinen Augen nur kritisieren, wenn sie es auch bei ihren viel höheren Pensionen tun. Denn Akademiker werden noch älter. Die Bezüge sind noch höher. Alle Argumente gegen eine gute Rente gelten auch dort. Kritisiert wird das freilich von den Wirtschaftsprofessoren in den seltensten Fällen.

Chris