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Mittwoch, 29. Juli 2015

Zur Behauptung wir Deutschen sind doch die Guten

Regelmäßig wird geschrieben, dass die Griechen ihre Schulden zurück zahlen sollten und sich an uns Deutschen ein Beispiel nehmen sollten. Sie sollen sich an die Regeln halten und nicht einfach die Schuld streichen. Das klingt erst einmal schlüssig. Allerdings gibt es für überschuldete Unternehmen und Privatpersonen die Möglichkeit insolvent zu gehen. Von den Privatinsolvenzen gab es bei den guten regelkonformen Deutschen letztes Jahr 120.000 Verfahren. Die Schuld wird dort nur teilweise zurückgezahlt. Das ist keine Kritik an den überschuldeten Personen. Es zeigt, dass man solchen Menschen eine Chance geben muss. Wer Regeltreue einfordert sollte fragen, wer die Regeln macht und ob man sie selbst auch einhält.

Chris

Mittwoch, 1. April 2015

Relativierungen

Die Krise allein durch striktes Sparen und Strukturreformen lösen zu wollen, war demnach zwar ein richtiger Ansatz - allerdings nur für kurze Zeit. Heute, nach fünf Jahren, sei er politisch kaum noch durchzuhalten, zu viele Menschen würden bereits zu lange darunter leiden.

Henrik Enderlein, Ökonom und Chef des Jacques Delors Instituts

Wieviele Warnungen habe ich im Vorfeld gelesen, dass die Sparpolitik scheitern wird und sie tat es. Es war und ist kein richtiger Ansatz. Die Schulden haben sich vermehrt und die Wirtschaft in den Krisenländern wurde zerstört. Daten statt Pauschalfbehauptungen sollten wir alle rufen.

Chris

Montag, 2. März 2015

Es ist eigentlich einfach

Die INSM blässt zum Angriff gegen die Niedrigzinspolitik der EZB. Sie steht damit im Einklang zu den Banken die nun einen Sparanreiz in Form einer Sparprämie vom Staat fordert. Das setzt voraus, dass es ein Recht auf Rendite gibt. In meinen Augen ist das Unsinn. Schließlich ist selbst das Sparen auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern eine Spekulation.

Während sich Finanzminister Wolfgang Schäuble trotz hoher Verschuldung über sinkende Zinsausgaben freut und fast zum Nulltarif neue Schulden aufnehmen kann, leiden die privaten Sparer in Deutschland. Tagesgeldkonten und Sparbücher erzielen keine Rendite mehr, sodass weniger gespart wird. Die Sparkassen, die ebenso leiden, fordern nun zum Lastenausgleich staatliche Sparanreize.

Um die Menschen hinter sich zu wissen wird mal wieder die Mittelschicht aufgerufen. Irgendwie findet sich da ja jeder Deutsche wieder. Das die Mehrheit massiv von den niedrigen Zinsen negativ betroffen wäre, kann man nicht sagen. Schließlich haben knapp 50% der Menschen in diesem Land faktisch kein Geldvermögen. Auch wenn man welches hat, muss man schon relativ viel gespart haben um starke Einbußen zur Kenntnis zu nehmen.
Damit will man den ungerechten Nebeneffekten der europäischen Geldpolitik entgegentreten. Denn die Geldpolitik der EZB trifft nicht alle Sparer gleich, sondern insbesondere die deutsche Mittelschicht, die oft Kunde bei den Sparkassen ist.

Es ist erstaunlich wie schnell die freie Marktwirtschaft von ihren Verteidigern verlassen wird, wenn sie sich negativ auf sie auswirkt. Der folgenden Zusammenhänge sind zwar richtig
 
Erstens wird insbesondere die Verzinsung risikoarmer Anlageformen (Bankeinlagen) durch die Nullzinspolitik gegen Null gedrückt (finanzielle Repression). Dies trifft insbesondere die risikoaverse deutsche Mittelschicht, die in der Vergangenheit aufgrund niedriger Inflationsraten auf das Sparbuch vertraute. Die obersten Einkommensschichten, die große Anteile ihres Vermögens in Form von Aktien- und Immobilien, etc. halten, werden dagegen begünstigt, da die Geldpolitik der EZB diese Vermögenspreise nach oben treibt.

Er ist aber im Zusammenhang der gewünschten neoliberalen Marktwirtschaft vollkommen uninteressant. Als die Spitzen-, Kapitalertragssteuer, Vermögenssteuer und Unternehmenssteuer gesenkt wurde, sah man ähnliche Effekte. Da traf es aber nur die unteren Einkommen massiv. Jetzt können sich nicht einmal Wirtschaftsprofessoren ein Loft in der Innenstadt leisten. Das ist also zu viel des Guten. Der nächste Punkt ist schwer nachzuvollziehen

Zweitens wirkt die Geldpolitik der EZB über den Reallohnkanal negativ auf die Einkommen der Mittelschicht. Das billige Geld der Zentralbanken begünstigt Spekulationsphasen auf den Finanzmärkten, in deren Verlauf kleine privilegierte Bevölkerungsschichten hohe Spekulationsgewinne privatisieren (z.B. in Form von Boni). Platzt die Blase, dann kommt es zu geldpolitischen Rettungsaktionen und die Banken müssen rekapitalisiert werden. Dies hat negative Folgen für das Lohneinkommen breiter Bevölkerungsschichten (Lohnrepression).
Denn die Staatsverschuldung steigt an, was den öffentlichen Sektor zur Zurückhaltung in den Lohnverhandlungen zwingt. Die Lohnpolitik im öffentlichen Sektor hat Signalfunktion für den privaten Sektor, wo in der Krise die Löhne ebenfalls gedrückt werden. Das Lohnniveau der Mittel- und Unterschicht wurde deshalb in den letzten Jahrzehnten allenfalls konstant gehalten. 

Hier wird Ursache und Wirkung etwas vertauscht. Das die Löhne seit 2000 stagnieren, auch in Phasen deutlich höherer Zentralbankzinsen wird ignoriert. Das Staaten sich mit fast Null Prozent Zinsen verschulden können, gleichzeitig keine höheren Löhne zahlen, ist ein Ideologie und kein Logikproblem. Auch das die Rettung der Banken irgendetwas zwangsläufiges hat ist Quatsch. Andere Methoden der Wirtschaftsstabilisierung wären denkbar. Höhere Steuern auf Bonuszahlungen könnten den Staat entlasten und zur Finanzierung der Rettungsaktionen hinzugezogen werden. Das alles ist unabhängig von einer Niedrigzinspolitik. Sie ist nicht ursächlich, sondern ein verstärkender Faktor.
Darum kommt der Herr Wirtschaftsprofessor auch zu folgender Forderung

Die beste Therapie für die Sparkassen wären höhere Leitzinsen der EZB. Das Risiko spekulativer Blasen auf den Finanzmärkten würde reduziert, reale Löhne könnten wieder stärker steigen, Haushaltssparen sowie die Kreditvergabe an den privaten Sektor würden wieder attraktiv. Nur dann wird das Geschäftsmodell der Sparkassen auf lange Frist bestehen bleiben.

Die Logik ist, dass die Wirtschaft stärker wächst wenn die Zinsen höher sind. Das ist in diesem Gedankenspiel so, weil die Höhe der Ersparnisse steigt. Da in diesem Konstrukt Erparnisse = Investitionen sind, ist die Welt wieder in Ordnung. 
Das Problem ist, dass in diesem Gedankengebäude ein Angebot immer eine Nachfrage schafft. Das die Zinsen niedrig sind, weil die Nachfrage fehlt, kommt nicht vor. Obwohl es so mehr Sinn machen würde. Die Unternehmen haben seit einigen Jahren folgende Situation. Der Konsum in Innland stagniert und die Weltwirtschaftsentwicklung ist relativ schwach. Welchen Sinn hat es zu investieren? Welche Firma baut seine Produktion aus, wenn klar ist das nicht mehr verkauft werden kann. Das ist betriebswirtschaftlicher Unsinn. Folglich fragt man keine Kredite nach. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach sicheren Geldanlagen. Die privaten Rentenversicherung sind verpflichtet in sichere Anlagen zu investieren. Da gibt es im Moment nicht mehr so viele. Folglich ist die Nachfrage nach Krediten niedrig und das Angebot von Geld hoch. Das kleine Einmaleins der Wirtschaftslehre sagt voraus, dass der Preis des Geldes (der Zins) sinkt. Einfach oder?

Chris

Mittwoch, 14. Januar 2015

Inflationsangst der neoliberalen Ökonomen

Herr Professor Freytag meint zur Deflationsangst der EZB


Wer diese vielen Ökonomen sind verrät er nicht. In seinem Beitrag bringt er auch keine Argumente die gegen eine Inflation sprechen würden. Dafür schreibt er Modellerkenntnisse auf, die sich leicht als absurd herausstellen lassen.
Sein Argument gegen eine Deflation ist, dass der Ölpreis niedrig ist. Dagegen spricht, dass die Inflationsrate schon vor dem Ölpreiseinsturz sehr niedrig war. D.h. der Effekt ist da, aber er ist einer von vielen. Die Austeritätsprogramme, sieht Freytag auch. Er findet sie aber nicht schlimm. In seiner Welt gibt es eben keine Menschen, sondern nur abstrakte Wirtschaftsmodelle, welche in der Realität nicht standhalten. Vor allem Deutschland unterschreitet in stetiger Regelmäßigkeit die Zielinflationsrate von 2%. Das sollte eigentlich als Widerspruch zu einem angeblich robusten Wachstum gesehen werden. Die Angst der neoklassischen Ökonomen ist, dass die gestiegene Geldmenge die Inflation treibt. Das die Geldmenge die Inflation treibt ist nur bedingt richtig. Die Nachfrage nach Gütern treibt die Preise. D.h. wenn die Geldmenge nicht in Nachfrage umgemünzt wird, dann passiert gar nichts. Kein Unternehmen wird seine Güter teurer verkaufen, weil sich die Geldmenge auf einmal verdoppelt hat. Erst wenn diese Geldmenge in Form von Nachfrage in den Kreislauf kommt, passiert etwas. Da die Löhne als Massennachfrage im Moment nicht wirklich steigen, ist wenig zu befürchten. Folglich ist die Inflationsangst absurd und die Deflationsangst nicht ganz unberechtigt. Freytag versteht die anktuellen Zustände nicht, weil er sie nicht verstehen kann. Er ist wie viele der INSM Schreiberlinge in seiner Modellwelt verfangen. Er erkennt nicht, dass die Modellannahmen, welche ihn zu seinen Erkenntnissen führen, absurd sind. Ein guter Beitrag hierzu ist hier zu finden.

Chris

Montag, 12. Januar 2015

Es sind immer die deutschen Ökonomen

Wenn es um die Euro Stabilisierung geht sind es immer die deutschen Ökonomen die vor zu viel Eingriff der EZB oder ähnlichem warnen. Innerhalb Europas muss es doch noch andere Kritiker geben. Es wäre ein viel stärkeres Bild. Stattdessen zitiert man deutsche Ökonomen aus dem Finanzbereich (keine Volkswirte) oder eben die deutschen EZB Volkswirte (alle auf einer Linie). Gegenstimmen sind fast Fehlanzeige. Dabei wäre es interessant wie hoch die deutsche Volkswirtschaftslehre weltweit im wissenschaftlichen Bereich angesehen ist.
Mein Problem mit den Aussagen der Experten ist, dass sie immer das gleiche erzählen. Nach deren Prognosen vor einigen Jahren hätte Europa eine starke Inflation haben müssen. Stattdessen gibt es eine Deflation. Die ist aber nicht so schlimm, meinen die Experten und fordern Vertrauen in ihre Prognosefähigkeiten.

Chris

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Mobilität soll irgendwie Arbeitslosigkeit senken

Dabei kursieren in Europa längst intelligente Reformvorschläge, die nicht unbedingt Milliarden kosten - etwa für eine bessere Verzahnung der europäischen Arbeitsmärkte, die weiterhin viel weniger Mobilität als etwa in den USA erlauben. 

Für solche nachgeplapperten Vorschläge bekommen Journalisten, oder Leute die sich dafür halten sogar Geld. Der Vergleich der EU mit den USA hinkt insofern, als das man in der EU nicht eine Sprache spricht. Somit wird es immer Probleme bei der Mobilität geben. Bei der Arbeit kann man vielleicht noch Englisch sprechen. Im Privatleben ist das nur bedingt möglich. Mobilität bedeutet, dass man eben mal von einem Land in das nächste ziehen kann. Die Sprache zu lernen braucht aber immer Zeit. Ein weiterer Punkt ist, dass die Ungleichheit in den USA zwar hoch, in Europa aber deutlich größer sein dürfte. Die Lohnunterschiede und die Lebensqualität zwischen Luxemburg und Rumänien dürften sehr stark sein. D.h. kaum ein Luxemburger würde sich in diese Richtung bewegen wollen. 

Das vordergründige Fazit
Selbst wenn man also rechtlich alles möglich machen würde, so würde praktisch wahrscheinlich nicht viel passieren.

Das Fazit zum Nachdenken
Europa hat eine Arbeitslosenquote von mehr als 10%. Jedes Land innerhalb der EU hat eine Arbeitslosigkeit größer Null. Wie soll die Arbeitslosigkeit innerhalb Europas deutlich sinken, wenn die Zahl der freien Stellen deutlich unter der Zahl der Suchenden liegt? Kein Unternehmen wird Arbeitsplätze schaffen, nur weil jetzt mal eben Spanier in Polen arbeiten dürfen, oder umgekehrt. Die Unternehmen werden dort investieren wo es für sie am günstigsten ist (Infrastruktur, Steuern, etc.). Das können sie heute schon. Der gepriesene Effekt ist also wahrscheinlich keiner.

Chris

Montag, 12. Mai 2014

Lambsdorff warnt vor Populisten

Ich weiß es ist kein guter Stil Textfetzen, vielleicht aus dem Zusammenhang gerissen, zu präsentieren. Ich mache es trotzdem. Lambsdorff warnt vor sich selbst. Populismus gegen Russland und gegen Deeskalation. Die Panzer und Paraden feiern das Ende eines Krieges den Deutschland angezettelt hat. Ob solche Kriegssymbolik noch zeitgemäß ist, wage ich zu bezweifeln. Das Europa aus diesem Grund gegen den Russen zusammenstehen müsse, kann ich nicht folgen.

Wenn auf dem Roten Platz in Moskau Panzer und Raketen bei Paraden zu sehen seien, müsse Europa zusammenstehen. "Frieden ist unbezahlbar. Deswegen sagen wir Ja zu Europa.

 Populismus zwei des FDP Manns liegt bei der Wirtschaftspolitik.

"Sich jetzt zurückzulehnen, wäre genau das falsche Signal", sagte Lambsdorff zu Plänen, Reformauflagen für EU-Krisenstaaten zu lockern. 

Für wen wäre, dass das falsche Signal? Wer würde sich zurück lehnen? Das Menschen in Südeuropa sterben, weil sie keine Gesundheitsversorgung mehr haben und gleichzeitig  Milliarden an Euro nicht wissen wo sie hin sollen, zeigen wie billig diese Aussage ist. Populismus ist immer nur das, was die anderen sagen.

Chris

Mittwoch, 26. Februar 2014

Unmeldung: Gute Nachrichten für Spanien und Griechenland


Das sind aber gute Neuigkeiten. Die Erwartungen wurden nach oben korrigiert. Vielleicht sollte ich meinem Chef auch ab und zu sagen, dass ich zwar keine Ergebnisse habe, meine Erwartungen das ich sie erreiche, habe ich aber nach oben korrigiert. Vor dem Hintergrund, dass die Prognosen der EU Kommission ständig daneben lagen, sollte man keine Feierstimmung verbreiten. 

Chris

Sonntag, 22. Dezember 2013

Das Problem mit relativen Größen

Die Krise wandert langsam vom Süden in den Norden. Die Länder, die vermeintlich alles richtig gemacht haben, müssen sich nun dem Deflationswettkampf anschließen, um nicht abgehängt zu werden. Wie sinnlos die Steigerung der Wettbwerbsfähigkeit aller ist, sieht man daran, dass alle Staaten die gleichen Rezepte verfolgen. Wenn Finnland, Schweden und Dänemark die Unternehmensteuern auf einen ähnlichen Wert bringen, bringt das relativ zueinander keinen Vorteil. Die Wettbewerbsfähigkeit nicht gegeneinander nicht verändert. Die Unternehmen brauchen weniger versteuern und können, ohne jedes Zutun ihrerseits, höhere Gewinne einstreichen. Gegenfinanziert wird es über den Binnenmarkt. Die Investitionen werden zurück gehen und man fordert wieder Strukturreformen. Ein leidiger Teufelskreis, der leider nicht funktionieren wird. Wären nicht so viele Menschen betroffen, könnte man sagen - lasst sie (die Elite) doch spielen -. Aber so muss man sie fragen, ob sie noch ganz klar im Kopf sind.

Chris

Dienstag, 10. Dezember 2013

Schere zwischen Import und Export schließt sich

Die Einfuhren legten im Vergleich zum September um 2,9 Prozent zu - hier hatten Analysten nur mit einem Plus von 1,6 Prozent gerechnet. "Das ist eine gute Nachricht für die Euro-Zone", sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Die steigenden Importe dürften den Krisenländern helfen, ihre exportgetriebene Erholung fortzusetzen." Im Vergleich zum Oktober des vergangenen Jahres nahmen die Importe allerdings um 1,6 Prozent ab. (via Tagesschau)

Wie denn nun. Im Bezug zum Vorjahresmonat nehmen die Importe stärker ab als die Exporte (vom schließen der Schere keine Spur), bezüglich des Vormonats sieht es etwas besser aus. Interessanter als solche Vergleiche wäre Durchschnittswerte über einen längeren Zeitraum. Vor allem, wenn man sich die Zahlen des statistischen Bundesamtes ansieht. Dort lagen die Überschüsse vom September letzten Jahres ebenfalls höher als im Oktober. Von einer Schließung der Lücke zwischen Import und Export ist aber keine Spur zu sehen. Es ist schon spannend wie Probleme klein geredet werden. Wir sind auf einem guten Weg. Warum dieses falsche Bild vermittelt wird, obwohl gerade kein Wahlkampf ist, weiß ich nicht.

Chris

Montag, 18. November 2013

Oswald Metzger zum Exportüberschuss

Herr Oswald Metzger kann es nicht lassen. Sein kurzsichtiger, ideologische Blick ist einfach nur peinlich. Das schlägt sich in seinem aktuellen Traktakt nieder. Ich frage mich wie viel Geld er für einen solchen Text bekommt.  
Es war nur eine Frage der Zeit, bis das “Frühwarnsystem für übermäßige makroökonomische Ungleichgewichte” aus der sogenannte Six-Pack-Regelung der EU vom Dezember 2011 erstmals greift. Nicht nur Haushaltsdefizit-Sünderländer, sondern auch Leistungsbilanzüberschußländer sollen in den Fokus von Sanktionsmechanismen geraten. 

Metzger ignoriert hier, dass Schäuble himself diese Sanktionsmechanismen zuließ. Er setzte sie so deutschlandfreundlichwie möglich durch. Er konnte ja nicht erwarten, dass nur einige Jahre die viel zu hoch gesteckte Grenze gleich zwei mal gerissen wird.
Jetzt stehen also wir Deutschen in der Kritik, weil wir zu leistungsstark sind und unsere Güter und Dienstleistungen in Europa und global so stark nachgefragt werden. Wir verkaufen seit Jahren deutlich mehr an unsere Handelspartner als sie im Saldo bei uns einkaufen. 

Metzger ignoriert, dass wir Deutschen schon lange in der Kritik stehen. Das würde er wissen, wenn er statt der deutschen Mainstreamökonomen und -presse, in die Welt schauen würde. Krugmann, Flassbeck und auch Stiglitz sprachen Probleme mit der Exportfixiertheit an. Nicht alles war und ist auch Deutschland bezogen, aber der Tenor ist gleich. Außenhandelsschulden können nur durch Exporte beglichen werden. Wenn Deutschland seinen Überschuss abbauen will, muss es mehr importieren als exportieren. Auch wenn "Experten" wie Oswald Metzger meinen, das sei Ideologie, es ist eine logische Konsequenz der Handelsbilanzierung. 
Doch unser Land erlebte auch schon andere Zeiten. Deutschland galt zu Beginn des letzten Jahrzehnts als der kranke Mann Europas, mit deutlich zu hohen Arbeitskosten und einer exorbitant gestiegenen Staatsverschuldung. Als Folge der Wiedervereinigung stiegen in kürzester Zeit die staatlich induzierten Lohnzusatzkosten um 7 Prozentpunkte. Ein satter Anteil der Wende-Kosten wurde auf den Faktor Arbeit abgewälzt. Die Folge waren über viele Jahre hinweg stagnierende, wenn nicht gar sinkende Reallöhne.

Freitag, 8. November 2013

Der Bund der Versicherten glaubt an heiße Luft

Leitzins auf Rekordtief: Verbraucherschützer werfen EZB Bestrafung der Sparer vor

wird  Stimmung gegen die Leitzinssenkung der EZB gemacht. Denn
der Bund der Versicherten sieht das Modell der Altersvorsorge in Gefahr

Die Angst ist sicherlich berechtigt. Allerdings zeigt sie auch das krude ökonomische Verständnis der Verteidiger des Sparens. Die Wirtschaft in der Eurozone wächst faktisch nicht. D.h. die Nachfrage nach Krediten ist niedrig. Ist die Nachfrage niedrig, dann sinkt der Preis für Geld, sprich der Zins.

Weiterhin zeigt die Überschrift, dass die Verbraucherschützer auf ein Recht auf hohe Zinsen pochen. Alles Sparen ist eine Spekulation. Ich verzichte auf heutigen Konsum und hoffe dafür später mehr konsumieren zu können. Ein Recht auf Vermögensvermehrung durch Verzicht gibt es nicht. Die Güter und Werte die durch Geld gekauft werden können, müssen produziert werden. Genau deshalb funktionieren die kapitalgedeckten Versicherungen auch nicht anders als die umlagefinanzierten. Man isst ja kein Geld, sondern Lebensmittel. Die müssen zum Zeitpunkt des Konsumbedürfnisses vorhanden sein. Die Verteilung der Güter geschieht über Geld, welches man zu diesem Zeitpunkt besitzt. Ob dieses über abstrakte Zinszahlungen oder aus prozentualen Verzicht von Einkommen der arbeitenden Bevölkerung generiert wird ist egal. Denn so oder so werden Güter, welche die arbeitende Bevölkerung zum Zeitpunkt x produziert hat verteilt. Diese Verzichtet auf einen Teil ihrer Erträge. Wenn man das begriffen hat, sind Anfeindungen wie die des Bundes der Versicherten einfach nur lächerlich und gehören nicht in die Medien, sondern auf den Müll. 

Chris

Mittwoch, 6. November 2013

6% werden wohl reichen

So dachte man vor einiger Zeit. 6% Überschuss pro Jahr und das zwei Jahre lang darf ein Land innerhalb der Eurozone haben, damit es nicht getadelt wird. Nun ist es für Deutschland doch so weit. Deutschland ist ein Sünder. Es verletzt mitentwickeltes EU Recht. Die deutsche Regierung und viele Forumskommentatoren sehen das Problem nicht. Dabei sind selbst die 6% je nach Volkswirschaft absurd. Nehmen wir an, dass es zwei Länder gibt, Deutschland und Griechenland. Deutschland hat ein vielfaches an Wirtschaftskraft und hat einen Überschuss von 5%. In Griechenland, welches nun ein Defizit haben muss, sind die Defizite höher als 5%, da die Basis zur Berechnung deutlich niedriger ist. Zwar ist die Summe aller Exporte und Importe Null, für die Prozente der Exporte und Importe, bezogen auf die Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes, muss das nicht gelten. Nur das Vorzeichen bleibt gleich. Das ist einfachste Mathematik. Wer also innerhalb der Eurozone zulässt, dass das wirtschaftlich stärkste Land die höchsten Überschüsse (eben jene 6%) haben darf, gleichzeitig die Defizite der schwächeren Ländern nur um die 3% erreichen dürfen, führt unnütze Spannungen herbei. 

Chris

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Kontrolle der EZB bei Krisenhilfe

Bei der INSM wird eine Kontrolle der EZB gefordert, für den Fall das sie Krisenländern in der Eurozone hilft. Diese Hilfe soll nur gewährt werden, wenn die geforderten Reformvorgaben eingehalten werden. Eine Kontrolle der Reformvorschläge wird natürlich nicht gefordert. 

Fun Fact
Haftung und Kontrolle müssen in einer Hand liegen.

Die übliche Forderung der neoliberalen Elfenbeinbewohner.  Man spiele folgende zwei Beispiele durch. Malta ist in der Krise und braucht dringend Geld. Die EZB sagt, dass sie gegen Reformleistungen Geld locker macht. Malta sagt nein und kriegt kein Geld.
Man nehme das gleiche Szenario und tausche Malta gegen Deutschland. Falls sich die EZB weigert, bricht die Eurozone zusammen. Das Drohpotential der EZB ist abhängig vom Schaden den ein Land beim Zahlungsausfall anrichten kann. Auch bei Staaten gilt "to big to fail". Diese Möglichkeit wird von den beiden INSM Autoren nicht in betracht gezogen. Sie leben in ihrer Welt des Marktes, wo alle Teilnehmer gleich sind. Weltfremder kann man nicht sein.

Chris

Freitag, 11. Oktober 2013

Hunger in Europa, oder wie ich lernte was Merkels Europaliebe ist

Der größte Wirtschaftsraum der Welt, mit den reichsten Ländern der Welt und das Rote Kreuz muss Essen sammeln und austeilen. Was sagt das über unsere Gesellschaft aus, wenn ein paar Leute über zu hohe Belastungen durch den Staat jammern und nicht wissen wohin sie mit ihrem Geld sollen, gleichzeitig Menschen hungern müssen. Noch dreister ist, dass die Jammerer die Schuld an der Misere den Hungernden geben. Sie sind Schuld an der Krise, da sie zu viele Kredite aufgenommen haben, aber auch Schuld an ihrer Lage, weil sie eben keinen Spitzenverdienst haben. In Deutschland, zum Beispiel, wird die Idee einer Spitzensteuer verdammt, zu hohe Hartz 4 Sätze sind des Teufels und niedrigen Zinsen werden angemahnt. Viele können und wollen diesen Irrsinn nicht erkennen. Das Leben ohne Arbeit darf nicht lebenswert sein. Leistung wird dem Einkommen gleich gesetzt. Wer hat dem wird zur Belohnung weiter gegeben. Mit dieser Strategie sorgt man dafür, dass die Wirtschaft kollabiert und keine Zinsen generiert werden können. Man sägt den Ast ab auf dem man sitzt und wundert sich, dass man fällt.
Interessanterweise kommt der Spiegel in seinem Artikel nicht einmal auf die Idee, dass die deutsche Außenpolitik maßgeblich an der Misere mit Schuld trägt. Mutti ist keine Mutti für ganz Europa. Den Linken wird Europafeindlichkeit vorgeworfen, während Angela Merkel arme Menschen in die Suppenküchen des Roten Kreuzes treibt. Man kann nicht so viel Essen wie man kotzen müsste.

Chris

Montag, 30. September 2013

Euro-Krisenstaat: Portugal verfehlt Defizitziel deutlich

Woran das wohl liegt? Portugal verfehlt das Ziel nicht trotz, sondern aufgrund der Sparanstrengungen.Die Neuverschuldung bezieht sich auf das BIP. Das ist von 251 Milliarden Euro auf 212 Milliarden gesunken. Selbst bei gleichbleibenden absoluten Schulden steigen die relativen. 
Man muss nur ein wenig nachdenken, um zu erkennen das die Überraschung die uns die deutschen Medien verkaufen keine sind. Wenn ich meine Wirtschaft systematisch zerstört, wenn ich Löhne sinken lasse, wer soll dann Steuern zahlen? Die ganze Austeritätspolitik ist absurd. Jeder mit Verstand erkennt das. Jeder Wirtschaftsberater der Bundesregierung ignoriert es und die meisten deutschen Wirtschaftsjournalisten auch. Bei der Wahl hatten wir die Chance etwas zu ändern. Stattdessen bestätigten wir eine Regierung, welche weiter den direkten Kurs auf den Eisberg nimmt.
Dabei erkennt der Spiegel richtig

Die Polit-Kapriole erinnert auch an eine der größten Unwägbarkeiten dieser Euro-Krise: politische Torheiten in den Mitgliedstaaten

Nur, dass diese Torheit aus Deutschland kommen könnte, darauf kommt die Speerspitze des Journalismus nicht.

Chris

Mittwoch, 10. Juli 2013

Indirekt prangert die INSM die Wettbewerbsstärke Deutschlands an

Noch vor einigen Jahren feierte man bei der INSM, niedrige Löhne und deren positive Auswirkung auf den Arbeitsmarkt. In einem Artikel über die Probleme bei einer Rückkehr zu DM wird indirekt beschrieben warum diese positiven Auswirkungen existent sind. Interessant ist weniger was geschrieben wird, das ist soweit bekannt.Interessant ist eher, dass die Professoren die daraus resultierenden Probleme innerhalb der Euro Zone nicht erkennen können oder wollen. 
Die Wiedereinführung der DM führt zu einer massiven Währungsaufwertung der Selbigen, bzw. einer Abwertung des restlichen Euros gegenüber der restlichen Welt. Was bedeutet das innerhalb der Eurozone? Es heißt, dass Deutschland zu billig, sprich unterbewertet ist. Weiterhin zeigt es, dass die Eurozone für fast alle Mitglieder gegenüber der restlichen Welt überwertet ist. Unter den wenigen Mitglieder auf die dies nicht zutrifft ist Deutschland. Das heißt Deutschland profitiert und schadet doppelt. Nicht nur das es billig innerhalb der Eurozone exportieren kann, nein es kann es auch nach außen. Gleichzeit haben die schwächeren Staaten kaum eine Möglichkeit sich innerhalb des Währungsverbundes zu wehren. Andererseits können sie auch nicht in den Rest der Welt exportieren, da der Euro für sie zu hoch bewertet ist, obwohl er für die deutsche Wirtschaft zu niedrig angesiedelt ist. 
Dadurch, dass der Eurokurs durch die Wirtschaftskraft aller Länder bestimmt wird sorgt es für den Stärksten für einen positiven Effekt während die Schwächsten zusätzlich bestraft werden. Mit jeder Wirtschaftsschwächung durch die Troika profitiert Deutschland durch den schwächeren Euro. Krisenpolitik nach Maß also. Das beschriebene kann man aus dem INSM Beitrag herauslesen, wenn man etwas weiterdenkt. Das würde aber bedeuten die eigene Lobbyideologie zu verraten.

Chris

Montag, 17. Juni 2013

Studie zum Freihandel mit den USA


Kann stimmen, oder auch nicht. Es ist schon erstaunlich, dass Wirtschaftsforschungsinstitute die in Griechenland nicht einmal die Wirtschaftsleistung des nächsten Jahres voraussagen können, Arbeitsplatzgewinne, bzw. -verluste bis auf 1000 Personen genau vorhersagen können. Die Glaskugel scheint etwas sauberer zu sein als sonst, oder wie man soll man sich das sonst erklären?
Im besten Fall kann man Tendenzen erkennen, wahrscheinlich aber eher nichts. Die Modelle sind geprägt von Annahmen. Je nachdem wie man den Einfluss der Zölle auf den Handel wertet, kommen massiv andere Ergebnisse heraus. Das ist nur ein Faktor von vielen. Eine solche Studie ist eine Summe von Annahmen. Die Ergebnisse sind immer mit vorsicht zu genießen. Vor allem dann, wenn es sich um exportwirtschaftsnahe Forschungsinstitute handelt. Hier haben die Auftraggeber natürlich ein großes Interesse daran, dass das Abkommen zustande kommt.

Update: Heiner Flassbeck ist deutlich qualifizierter als ich und weißt ebenfalls darauf hin, dass Freihandelslobgesänge objektiv beurteilt werden müssen.

Update 2: Auch Jens Berger von den Nachdenkseiten zeigt methodische "Schwächen" der Studie.

Chris

Dienstag, 30. April 2013

Ab wann ist es fahrlässige Tötung?

Wenn man Länder eine Austeritätspolitik aufzwingt, wider besseren Wissens behauptet diese sei alternativlos und Menschen aus diesem Grund sterben, wie kann man die Verantwortlichen verantworten? Es sterben Menschen in Griechenland, weil ihnen die Gesundheitsversorgung weggenommen wird. Falls sich irgendein eingeBILDeter BILDleser fragt, warum es Merkel mit einem Hitlerbart auf Titelseiten griechischer Zeitungen gibt, dann sollte es spätestens jetzt wissen.

Chris

Freitag, 26. April 2013

Aus dem Elfenbeinturm: Austerität ist richtig

Egal wie falsch die Modelle sind, egal wie oft sich verrechnet wird, es wird weiter gemacht wie bisher. So auch Herr Prof. Freytag aus Jena. Seiner Ansicht nach ist es egal wie falsch die Hypothese war, dass ab 90% Staatsverschuldung ein signifikanten Einfluss auf das Wirtschaftswachstum hätte. Mit Logik lässt sich halt eine Menge im Elfenbeinturm erklären. So auch hier.


Wieso ist diese Erklärung plausibel? Aktuell hohe Schulden sollen heute für ein geringeres Wachstum sorgen, weil in der Zukunft die Steuern erhöht werden? Kausalität kommt im Logikmodell eines Herrn Freytag nicht vor.
Bei der schwachen Korrelation zwischen Schuldenstand und Wachstum stellt sich die Frage, ob die Schulden Folge oder Ursache der Wachstumsschwäche sind.
Weiterhin stellt sich die Frage, warum gleichbleibende Steuern und weniger Staatsausgaben besser sein sollen als höhere Steuern und gleichbleibende Ausgaben. In einem Fall hat man als Unternehmen weniger Nachfrage und verkauft weniger. Im anderen Fall zahlt man höhere Steuern auf den Gewinn. In beiden Fällen sinken die Einnahmen des Unternehmens.
Das heißt für Herr Professor Freytag sind Steuern auf potentielle Gewinne für einen Unternehmer schlimmer, d.h. er muss unbedingt sparen, als der Wegfall der Aufträge. Nur zahlt er in diesem Fall keine Steuern, da er keinen Umsatz und keine Gewinne hat.

Anmerkung:
Man achte auf das Bild. Es stellt dar, dass die Eurostaaten sich höher Verschulden als geplant. Ursache ist aber die Wachstumsschwäche in Folge der Austerität und nicht die hohe Verschuldung. Im Grunde widerlegt Professor Freytag seine Fürsprache für die Austeritätspolitik.
Anmerkung 2:
Vielleicht sollte man bei mancher Wirtschaftprofessur die Beamtenbesoldung ähnlich wie in Griechenland "anpassen". Mal sehen wie lange diese Professoren noch der Meinung sind, das sei eine gute Idee.

Chris