Dienstag, 8. November 2016

Rentenmythen

Zehn Mythen zur Rente sollen in der FAZ aufgeklärt werden. Schauen wir uns diese Aufklärungsleistung einfach mal an.

1. Die Renten sinken immer weiter
Widerlegt wird diese Aussage mit dem folgenden Absatz.
Weil die Löhne ständig steigen und das hoffentlich auch in Zukunft tun, sind 41,6 Prozent des Lohns im Jahr 2045 immer noch mehr Geld als 47,8 Prozent im Jahr 2016. Die „Standardrente“ wächst nach den offiziellen Vorausberechnungen von heute 1372 Euro auf dann 2571 Euro. Bleibt die Inflation moderat, wird sogar die Kaufkraft der Rentner weiter steigen.

Im Grunde stimmt die Aussage sogar. Allerdings wird auf das Problem schon hingewiesen. Wenn die Inflation moderat wird, dann steigt die Kaufkraft sogar. Es ist also in absoluten Zahlen gesehen tatsächlich richtig, dass die Rente nicht sinkt. In Kaufkraft gedacht, sieht es nicht so rosig aus. Interessanterweise werden die niedrigen Zinsen von den Medien als Enteignung bezeichnet, weil die Kaufkraft sinkt. Naja konsistentes Denken ist etwas für Wissenschaftler. 

2. Die Riester-Rente ist gescheitert
Die Aussage wird nicht widerlegt. Der Erfolg ist, dass es "Gut 16 Millionen Riester-Verträge gibt". Nur sagt das gar nichts über die Qualität und die Erträge aus. Auch schön die Aussage 

Außerdem ist der Stellenwert der staatlichen Rente durch die Finanzkrise wieder gestiegen. 

Irgendwie passt das nicht, um zu zeigen, dass die Riester Rente ein Erfolgsmodell ist. 

3. Im Alter droht den Menschen Armut
So richtig widerlegt wird nichts. Es werden halbwegs differenziert verschiedene Gruppen dargestellt, welche in die Statistik der niedrigen Rente hereinfallen. Wieviele es sind, wird nicht geschrieben. Es wird nur gezeigt, dass diese existieren.

4. Das Rentenniveau lässt sich mit Steuern halten
Irgendwie kein Mythos, sondern ein Diskussionsansatz. Die Kosten sind mit 40 Milliarden Euro hoch. Das ist richtig. Aber wie subventionieren aktuell privaten Rentenversicherungen mit mehreren Milliarden Euro. Da wird komischerweise niemand unruhig.

5. Ohne Pensionen für Beamte wäre alles besser
Wieder wird der Mythos nicht widerlegt. Es werden nur die Probleme aufgezählt. Man bräuchte eine Übergangszeit und die Einsparungen wären, wenn vorhanden, nur langfristig zu erhalten. Eine gute Analyse sieht anders aus.

6. Die Mütter werden ungerecht behandelt
Keinerlei Aussage darüber ob Mütter ungerecht behandelt werden. Es werden nur die sozialpolitischen Beschlüsse, richtig oder nicht, beschrieben.


7. Die Reichen zahlen zu wenig ein
Diese Aussage wird bestätigt. Richtig ist auch, dass diese Reichen eine höhere Rente bekommen würden. Um die Problematik zu umgehen, könnte man den Rentenbeitrag progressiv steigen lassen. 

8. Die Rente mit 67 ist eine verkappte Rentenkürzung
Die Widerlegung dieses Punkte geht davon aus, dass die Menschen einfach 2 Jahre länger arbeiten. Das ist in der Regel nicht der Fall. D.h. man muss das Renteneintrittsalter anschauen und man erkennt, dass die Erhöhen des Rentenalters tatsächlich eine Rentenkürzung darstellt. Wer keinen Arbeitsplatz mehr findet, geht in Frührente und muss die Abzüge in Kauf nehmen. Genau dieser Punkt wird als Möglichkeit nicht erwähnt.

9. Die Einwanderer lösen alle Probleme
Richtig wird hier geschrieben, dass die Probleme nicht gelöst werden. Denn Einwanderung hilft nur, wenn Einwanderer auch arbeiten können und in die Sozialsysteme einzahlen.

10. Dem Osten geht es schlechter
Tatsächlich einen Mythos differenziert bewertet.

Fazit
Es wird wenig widerlegt. Auf die Punkte wird fast nur beiläufig eingegangen. Irgendwie enttäuschend, da man viele Aussagen prima mit Zahlen untermauern könnte.

Chris

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