Freitag, 24. April 2015

Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass die Forderungen der Neoliberalen "etwas" widersprüchlich sind. Wenn Linke argumentieren, man müsse die Löhne erhöhen und die Ausbeutung verringern, dann kommt von den Neoliberalen das Argument, solche Untriebe regelt der Markt. Schlechte Firmen werden scheitern und wir landen auf der Sonnenseite des Lebens. Nur nicht eingreifen. Andererseits könnte man das Argument vorbringen, wenn die sozialen Wohltaten so schlecht sind, lasst sie uns trotzdem machen; der Markt wird es regeln. Dann wäre die Ideologie konsistent zu Ende gedacht. Ich denke die Angst der Neoliberalen ist, dass es funktionieren könnte. Das die sozialen Wohltaten zu mehr Wohlstand in der breiten Bevölkerungsschicht führt. Das die Menschen sich nicht mehr ausbeuten lassen, der Wohlstand zwar steigt, sich aber nicht in steigenden Gewinnen widerspiegelt. Die Menschen hätten Zeit nachzudenken, wären vielleicht nicht mehr einem ganz so starken Konkurrenzdruck ausgesetzt. Sie wären vielleicht wieder etwas empathischer und vielleicht bereit zu teilen. Wenn es einem selbst gut geht und man keine Angst vor dem Abstieg hat, dann braucht man keine Schuldigen auf die man eintrampeln muss.

Chris

Mittwoch, 22. April 2015

Was soll uns dieser Kommentar sagen

Wahrscheinlich soll er uns gar nichts sagen. Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis und der "deutsche Oberlokführer" (schön herablassend) Claus Weselsky als wichtig für die Demokratie vorgestellt. Schließlich sind es Rebellen die gegen ein System aufbegehren. So etwas ist wichtig, aber... 
Das Aber besteht nun daraus zu behaupten, dass beide "unberechtigten Anliegen" vorbringen und beleidigt wären, wenn diese dann abgelehnt würden. Wo sind die Anliegen unberechtigt. Weselsky fordert, dass er für seine Mitglieder verhandeln darf, Plus eine Verbesserung der Löhne und Arbeitsverhältnisse. Das ist also unberechtigt. Varoufakis fordert eine vernünftige Schuldenverhandlung und kein Geld, welches sinnlos in ein Loch geworfen wird. Auch das scheint unvernünftig zu sein. Was auch immer Sven Böll mit seinem Kommentar aussagen wollte es greift nicht. Er drischt noch ein wenig auf die Bundesregierung und ihren Bürgerdialog ein, fordert ein neues Denken, bietet aber nichts an. Er kritisiert die Kritiker, zählt sich vielleicht selbst zu denen. Er versagt aber völlig. Bezahlte heiße Luft.

Chris

Die Welt kennt die Wahrheit

Die Wahrheit über Minijobs, Befristung und Teilzeit hat die Welt herausgefunden. Zwei Jahre werden herausgenommen und verglichen. Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass alles gut ist. Dabei werden folgende Punkte ausgeblendet.
2003 - 2013 ist die Zahl der atypischen Beschäftigung von 6 177 auf 7 638 tausend gestiegen mit einem Maximum bei 7 945 tausend 2010.
Die Zahl der normalabhängig Beschäftigten ist tatsächlich gestiegen. Hier lohnt sich allerdings ein Blick in die 90er. Dort gab es deutlich weniger Erwerbstätige, dafür aber mehr sozialpflichtige Beschäftigung. D.h. die "Wahrheit" sollte in einen gewissen Kontext gestellt werden. Eine Verbesserung oder eine gute Entwicklung wäre es, wenn man mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte hätte als in den 90ern. Das würde auf eine vernünftige Bezahlung hinweisen. So viel zur "Wahrheit".
Das alles kann man schnell nachlesen, wenn man sich bemüht. Je nachdem ob man einen Erfolg oder Misserfolg präsentieren möchte kann man auf Basis identische Daten unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Das Fazit der Welt ist: "alles nicht so schlimm". Mein Fazit ist, dass man sehr stark differenzieren muss.

Chris

Freitag, 17. April 2015

INSM Leiharbeit ist super

Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass man widersprüchlich argumentieren kann. So tut es Herr Schäfer. Sein Argument ist folgendes

Zeitarbeit hilft Unternehmen, auch bei schwankendem Auftragseingang wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies hat in der Vergangenheit zu einem starken Wachstum der Branche geführt. Seit einigen Jahren stagniert jedoch die Beschäftigung. Ein Grund dafür ist die zunehmende Regulierung.

Natürlich ist der Staat Schuld. Zwar bringt er später das Argument, dass Leiharbeit Langzeitarbeitslose auf den ersten Arbeitsmarkt bringen soll, was zu einem Absinken der Zahl der Leute im Leiharbeitsmarkt führen würde, aber wen interessiert schon ein konsistentes Bild. Leiharbeit ist gut, weil sie gut ist.
Das Argument, dass konjunkturell bedingte Spitzen abgefangen werden können halte ich für ein Argument. Aber wieso sollte dann der Trend der Leiharbeit nach oben zeigen soll ist mir nicht klar.
Brummt die Konjunktur, dann sollte es einen kleinen Peak geben und danach sollten die Leute in die reguläre Beschäftigung überführt werden. Schwächelt die Konjunktur, dann sinkt die Zahl der Leiharbeiter. Somit ist die Schlussfolgerung, dass es einen Trend geben sollte etwas merkwürdig. Im Grunde müssten Leiharbeiter deutlich mehr verdienen als festangestellte Mitarbeiter. Schließlich gebe ich als Arbeitnehmer den "Luxus" einer Festanstellung auf. Das muss etwas Wert sein. 
In der Praxis wird Leiharbeit zum Senken der Löhne verwendet und gehört aus diesem Grund reguliert. 
Den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit vorzubringen (ein Standardangstschrei der neoliberalen Gläubigen) ist aus zwei Gründen kein Argument. Unternehmen die auf dem Binnenmarkt tätig sind, hebeln sich den Vorteil durch gleichzeitige Nutzung von Leiharbeit aus. Senkt Unternehmen A seine Löhne und B auch, dann zahlen beide weniger Löhne, aber keines von beiden hat einen Vorteil. Bei den Exportmärkte ist Deutschland bereits sehr wettbewerbsfähig und man braucht nicht zu fürchten zu viel zu verlieren. Eher sollten wir etwas teurer werden, um endlich unsere Überschüsse zu reduzieren.
Mich erstaunt im übrigen wie einfach Ökonomen gestrickt sind. Es zählen nur die Löhne und Kosten. Niemals sind die Erträge interessant. Es wird stillschweigend davon ausgegangen das diese konstant bleiben. Wenn ich allerdings Leute jederzeit entlassen kann, sinkt deren Motivation. Sie werden das Unternehmen schnellst möglich verlassen, wenn sie können. D.h. eine Weiterbildung ist ein hohes Risiko für den Unternehmer. Am Ende verlieren alle. Das Argument, dass Langzeitarbeitslose leichter auf den regulären Arbeitsmarkt kommen, müsste sich doch nachweisen lassen. Es ist aber auffällig, dass Behauptungen die sich nicht beweisen lassen, selten durch Statistiken belegt werden.
Die Schlussfolgerung

Statt die Branche weiter einzuschränken, wäre das Gegenteil nötig

ist billiger Propaganda. Man schreibt etwas wohl klingendes und das ist es dann.  Warum müssen eigentlich immer die Arbeitnehmer flexibel sein? Wo ist die Forderung nach flexiblen Unternehmen. Leben wir um zu arbeiten, oder arbeiten wir um zu leben? Die Wirtschaft ist kein Selbstzweck und soll den Menschen dienen. 

Anmerkung
Man sollte diese Lobbygruppe lieber in INASM umbenennen (A=anti). Dann wäre klar wofür sie steht. Wer sich hinter Worten verstecken muss, um seine Ideen als Arbeitgeberverband zu verbreiten, hat sehr wahrscheinlich schlechte Ideen. Gute Ideen könnte man auch unter eigenem Namen erzählen.

Chris

Donnerstag, 16. April 2015

Es kommt wie es kommen musste

Es war ja zu erwarten. Sobald die Steuereinnahmen etwas mehr steigen als erwartet kommt die Forderung nach einer Steuersenkung auf

Frühjahrsgutachten: Ökonomen wollen Steuerzahler um Milliarden entlasten

Schauen wir uns mal den Irrsinn in der Ökonomenwelt an. Der typische Maintstreamökonom meint, dass die Staatsverschuldung etwas schlechtes sei, sie gehört abgebaut. Steigen die Steuereinnahmen und hat der Staat einen Überschuss (sinnvoll oder nicht) fordern eben jene Ökonomen eine Steuersenkung. D.h. die Forderung besteht darin, ohne Überschüsse, Defizite abzubauen. Da fragt man sich, was für Drogen man nehmen muss, um solche Ideen zu verbreiten. In der Gesamtheit wird es noch schlimmer. Wenn eine Krise vorhanden ist, dann fordern diese Ökonomen die Kürzung des Haushalts. Wenn die Krise vorbei ist, wollen sie Steuersenkungen. Wenn man diese Forderungen zu Ende denkt, fordern diese Ökonomen die Abschaffung des Staates. Es geht nur nach unten und nie nach oben.

Chris

Mittwoch, 15. April 2015

Nullmeldung: Ein Tanker und ein Versorgungsschiff auf dem Rückweg aus dem Mittelmeer

Das ist die Meldung die SPON bringt. Daraus gemacht wird 
Russische Kriegsschiffe und Kampfjets haben sich erneut dem Hoheitsgebiet Großbritanniens genähert. Am Nachmittag stiegen Kampfjets der Royal Air Force auf, nachdem russische Kampfflugzeuge dem britischen Luftraum nahegekommen waren.

Beides im gleichen Text. Noch absurder ist, dass die Meldung "Schiffe fahren durch den Ärmelkanal" und "Flugzeuge nähern sich Großbritannien" nicht zusammen gehören. Beides geschah im Abstand von mehreren Monaten. Wenn sich unsere Leitmedien fragen wie die Menschen auf die Idee kommen könnten, von ihnen verarscht zu werden, dieser Artikel ist ein gutes Beispiel. Im Text ist alles sachlich dargestellt. Eine Meldung die interessant wäre ist es nicht. Um es spannender zu machen, wird die Überschrift und die Zusammenfassung etwas dramatischer dargestellt. Selbst die Briten meinen (ebenfalls im Text)

Solange keine Hoheitsrechte verletzt werden, ist das Verhalten Moskaus kein Rechtsbruch.

Um Unglaubwürdigkeit der eigenen Medien zu generieren braucht man diese Trolle von Putin gar nicht. Das schafft unser "Journalismus" ganz allein. Aber irgendwie wird man Putin auch an solchen Meldungen die Schuld geben können.

Chris

Dienstag, 14. April 2015

Wenn es nicht mehr weiter geht, dann versuchen sie es mit Moral

Die schlimmsten Gegner des Neoliberalismus kommen heutzutage weder von links- noch rechtsaußen. Sie sitzen in Chefetagen. Niemand hat in den letzten Jahren dem Neoliberalismus mehr geschadet als eine Reihe von Unternehmensleitungen, die im Streben nach Gewinnmaximierung Moral und Anstand, Regeln und Gesetze missachtet und damit die Freiheiten missbraucht haben, die ihnen gerade der Neoliberalismus bietet.

Thomas Straubhaar (Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität Hamburg. Bis Ende August 2014 war er Direktor und Sprecher der Geschäftsführung des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI).)

Jetzt kann man sich zurücklehnen und sagen: Ich hab es ja schon immer gewusst. Im blinden glauben an Moral und Freiheit haben die neoliberalen Dogmatiker vergessen, dass es unternehmerisch  sinnvoll ist den Staat und die Bevölkerung auszubeuten (kurzfristig gedacht). Diese Möglichkeit wurde nicht einmal in betracht gezogen. Der Markt würde es schon regeln, meinten die Gläubigen. Sie vergaßen die Zielgröße des "Marktes". Die besteht darin möglichst hohe Gewinne einzufahren. Dabei sind Moral, Umwelt, Soziales, Verantwortung, etc. Dinge die durch Unternehmen erfüllt werden können. Die Gläubigen machten aus dem KÖNNEN ein "DAS IST IMMER SO". Somit war die Welt wieder in Ordnung. 
Vielleicht setzt jetzt langsam ein Aufwachen ein. Ich bezweifle es allerdings. Es würde bedeuten viel von der eigenen Ideologie abzulegen und sich generell zu hinterfragen. Hoffen wir das Straubhaar es ernst meint und seine Stimme nutzt.

Chris