Montag, 27. April 2015

So lässt sich die Wissenschaft missbrauchen

Die INSM will "nachweisen", dass der Mindestlohn schlecht ist. Was liegt näher als ein Gutachten in Auftrag zu geben. Ein Gutachten sollte die Auswirkung von verschiedenen Rand- und Rahmenbedingungen auf ein Ergebnis darstellen. Hierzu wird eine Bestandsaufnahme und eine Prognose geliefert. Die Analyse ist in Teilen sehr interessant, auch wenn die Gründe warum die Arbeitslosigkeit in Deutschland gesunken ist (Stichwort Exportüberschüsse + Lohndumping innerhalb der Eurozone) unerwähnt bleibt.
Bei der Prognose wird das Elend der neoklassischen Ökonomie klar. Für einen komplexen Prozess wie den Arbeitsmarkt und dessen Preisbildung wird ein zwei Parameter Modell angesetzt, wobei ein Parameter noch gewählt wird,

Für die Arbeitsnachfrageelastizität wird ein Wert von -0,75 unterstellt. Das bedeutet, dass eine Lohnsteigerung um ein Prozent zu einem Rückgang der Beschäftigung um 0,75 Prozent in der jeweiligen Lohngruppe führt.
Es wird also implizit angenommen, dass Modell 1 automatisch zu Arbeitslosigkeit führt. Insgesamt zeigt die Studie wie man mit der richtigen Wahl der Parameter seine Annahmen belegt. Ohne eine Validierung ist diese Studie sinnlos und sagt gar nichts aus, außer das mit den gewählten Parametern, das erzeugte Ergebnis entsteht.
 Die Rückkopplung der Lohnerhöhung wird ebensowenig berücksichtigt? Ökonomie ist immer ein Kreisprozess mit Rückkopplung. Nach den dargestellten Gleichungen kann man anführen, dass jede Lohnsteigerung zu Arbeitslosigkeit führen muss. Die Möglichkeit, dass der Gleichgewichtslohn (wenn es ihn denn gibt) steigt, existiert nicht.
Ohne Modellvalidierung ist eine solche Annahme im besten Fall fragwürdig. Dabei könnte man die Annahmen an Ländern testen wo bereits ein Mindestlohn existiert. Das wäre dann Wissenschaft. So ist es ein Missbrauch von Wissenschaft, um den Auftrageber INSM "Belege" in die Hand zu geben, um den Mindestlohn anzugreifen. Haltbar sind diese Belege nicht. Vor einigen Jahren hat Hans Werner Sinn ähnlich argumentiert. Alle Menschen unterhalb der 8.50 EUR Stundenlohn würden sofort arbeitslos.  Dann zählte er wie viele das waren und prognostizierte mehrere Millionen Arbeitslose. Wo sind sie? Der Schock der Steigerung müsste doch ein Treiber sein. Nach der Anpassungsphase, müsste sich der Markt wieder einpendeln. Die Massenarbeitslosigkeit habe ich nicht wahrgenommen. Darum gibt es wahrscheinlich auch diese kruden Prognosen. Die Realität will einfach nicht so wie die Ideologen es wollen.

Chris

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