Mittwoch, 28. Oktober 2020

Die Verschwörung geht weiter, meinen die Nachdenkseiten

Die Fallzahlen steigen, die Zahl der Intensivpatienten auch, die Sterberate in den USA ist weiter hoch. Aber die Nachdenkseiten publiziert munter "Corona und gekaufte Wissenschaft – Wie falsche Wissenschaft die Welt in einen Abgrund stürzt". Der Text strotzt nur so von Selbstgerechtigkeit. Ein VWL Professor maßt sich an, in einem anderen wissenschaftlichen Bereich alles besser zu wissen. Die Studie die er kritisiert ist von Anfang März. Wenig war von Corona bekannt. Die Pandemie stand am Anfang. Entscheidungen mussten getroffen werden. Als VWL Professor versteht man so etwas wahrscheinlich nicht. Aber Krankheiten sind schwer zu verstehen. Was soll Politik machen. Abwarten? Dieses Abwarten brachte in Italien nachweislich Probleme. Das in China ein Lockdown durchgeführt wurde, vor der Studie wird nicht erwähnt. Nein es ist die gekaufte Wissenschaft (die es sicher gibt). Sorry, aber Nachdenken sieht anders aus. 

Die Fragen die man sich stellen muss sind nicht, ob und wie im März reagiert wurde. Dort war die Pandemie noch relativ unbekannt. Man musste handeln. Aber seitdem? Warum wurden Schulen nicht vorbereitet (Raumluftreiniger, Schutzwände, etc.). Warum weiß man nicht wo eigentlich wesentliche Übertragungen stattfinden. Wo ist die Analyse zur Wirkung der Einzelmaßnahmen, um die jetzigen besser zu koordinieren.

Das zur Pandemie. Nachdenken und sinnvoll kritisieren kann man die Hilfsprogramme für viele Kleinunternehmer. Warum müssen diese Hartz 4 beantragen und kriegen kein Kurzarbeitergeld? Warum wird dieses nicht deutlich erhöht. Warum koppelt man das Kurzarbeitergeld nicht an ein massives Weiterbildungs- und Forschungsprogramm. Einfach mal die Zeit sinnvoll nutzen, wenn wenig zu tun ist? Warum wurden ältere Menschen in den Heimen quasi eingesperrt? Warum, warum. Das sind die wesentlichen Fragen und Versäumnisse. 

Das schlimme ist, dass eben jene ach so kritischen Nachdenkseiten die ersten sind, wenn das Gesundheitssystem kollabiert. Ich habe nichts gegen kritische Stimmen, auch nicht von einem VWL Professor, der sicherlich zu Recht die Forschungsförderung kritisiert. Nur ist es keine Wahrheit, wie suggeriert wird. Das wesentliche Problem der Nachdenkseiten ist, dass sie mehr und mehr zu einer Verschwörungsplattform verkommt. Das erkennt man an einigen Punkten

  • selektive Wahl der Quellen
  • Absolutheitsanspruch der Aussagen der Quellen oder Autoren (Tobias Riegel steht da ziemlich weit vorne)
  • unkritischer Umgang mit Quellen (wer schrieb den Text, besitzt die Person die notwendige Qualifikation, usw.)
  • Titelgeilheit (Professoren und Doktoren sind gerne gesehen, wenn sie nur die Meinung bestätigen)
  • Arroganz
  • keine Gegenüberstellung von Meinungen
Chris

Montag, 19. Oktober 2020

Klimawandel und Anreize

Ich habe neulich ein interessantes Interview mit Ottmar Eddenhofer gehört. Ich konnte seinen Argumenten folgen und sie auch sehr gut nachvollziehen. Ein Problem habe ich dennoch mit seinem CO2 Preis. Er ist der Meinung, dass ein CO2 Preis alles lösen wird. Die Kosten sind hoch und fertig. Mein Problem damit ist das Folgende. Alle Unternehmen eines Sektors sehen die Kostenwelle auf sie zurollen. Zwei Strategien können gefahren werden. Man macht erst einmal nichts und kauft Zertifikate. Die Hoffnung ist, dass neuere CO2 Vermeidungstechnologien billiger werden. Die andere Strategie ist, man rüstet um. Hier kommt mein Problem. Um eine Wirtschaft umzurüsten, muss viel produziert werden. Nehmen wir den eneuerbaren Strom. Die Planung und der Bau von Windenergieanlagen dauert 3-6 Jahre. Um in 10-20 Jahren die notwendigen Kapazitäten zu haben, müssten die Produktionskapazitäten der Windenergieanlagen dramatisch steigen. In Deutschland werden sie aktuell ins Ausland verlagert, weil faktisch kein Zubau passiert. Der CO2 Preis kommt, der Ausbau stockt. Eddenhofer bedenkt meiner Ansicht nicht, dass das Produktionsvolumen für die CO2 neutrale Technologie vorhanden sein muss. Und zwar weltweit. Das sehe ich persönlich nicht. Es sind nicht nur Maschinen, sondern auch Personal. Man braucht Planer, Ingenieure, Techniker, usw. Wo bekommt man die mal eben her? Was passiert, wenn ein Unternehmen zwar CO2 neutral werden will, aber die Technologie nicht kaufen kann? Irgendwann ist es billiger die Strafe zu zahlen, anstatt in überteuerte Maschinen zu investieren. Dem Klima ist dabei nicht geholfen. Ich glaube Eddenhofer hat Recht, dass ein CO2 Preis die Wirtschaftsstruktur verändert. Ich bezweifle, dass es schnell genug gehen wird. Wie geschrieben, allein im Energiesektor müssten zehntausende Windenergieanlagen zugebaut werden. Dazu noch Photovoltaik, lokale Speicher, Trassen. Es müssen 60 Millionen PKW getauscht oder zumindest die gefahrenen Kilometer dramatisch reduziert werden. Dazu bedarf es alternativer Mobilitätskonzepte und Pop-up Radfahrwege sind keine. Es ist ein sehr komplexes Thema. Ich fürchte der Preis allein reicht nicht.

Chris

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Mal was zu Steuern

Ganz am Ende eines FAZ Beitrag steht folgender Abschnitt

Die überwiegende Mehrheit von zwei Dritteln der Deutschen interessiert sich hingegen „kaum oder gar nicht“ für Steuern. Das ist überaus schade, denn wem Steuerthemen egal sind, der interessiert sich nicht dafür, wie viel Geld von seinem Lohn an den Staat geht, wie viel andere zahlen – und ob es dabei gerecht zugeht.
Das wurmt den Author und manch Ökonomen. Uns wird ständig erzählt, dass die Menschen niedrigste Steuern wollen, sonst arbeiten sie nicht. Logischerweise ist dem nicht so. Vielen Menschen in diesem Land ist sehr wohl bewusst, dass 10 Euro Steuerersparniss nicht die Treibstoffkosten aufwiegt, wenn man dafür im Sommer 10 km weiter ins nächste Freibad fahren muss.


Chris

Dienstag, 6. Oktober 2020

Streiks im öffentlichen Dienst

Es ist mal wieder soweit und das Narrativ ist klar. Für mehr Lohn zu kämpfen ist schon okay, aber soll bitte niemanden stören und nichts kosten.

Dieses Jahr kommt ein weiteres hinzu. Zwar gibt es neuerdings Helden im öffentlichen Dienst, aber dort wird das Narrativ auf die Pflege (Krankenhaus und Altenpflege) und Kindererziehung gedrückt. Vergessen sind die Gesundheitsämter, die Arbeitsagenturen, welche die staatlichen Hilfsleistungen verteilt haben, die Finanzämter, welche kurzfristig Unternehmen mit ihren Steueranpassungen geholfen haben, Müllfrauen und -männer, die die Straßen weiterhin sauber hielten, WasserwerkerInnen die in Quarantäne waren, um sicherzustellen, dass wir fließendes Wasser haben, Leher die neue Konzepte entwickelt haben, um die Schulen irgendwie am Laufen zu halten, Ämter die sich um Hygeneregeln bemühen, welche einen geringen Einfluss auf das Leben haben, Forscher, die die Krise von A bis Z Analysieren, um Entscheidungshilfen zu geben, usw. Die Liste ist sehr lang. 

Was präsentieren uns die Medien. Die Menschen im öffentlichen Dienst sollen sich nicht so haben, schließlich haben sie noch einen Job und außerdem sind die Kassen leer. Das von den Arbeitgebern, dem Staat der Milliarden raushaut, die Aussage kommt "Wir haben kein Geld" kann kaum gelesen werden, bzw. ist kaum sichtbar.

Ich finde die Analyse, dass die Schreiberlinge der deutschen Zeitungslandschaft erkennen wie unwichtig ihre Berufe eigentlich sind. Würden sie streiken würde es niemand wahrnehmen. Ähnlich geht es vielen, die sich jetzt aufregen, wie der öffentliche Dienst denn in einer solchen Krise Forderungens stellen kann. Komisch, dass es die gleichen sind, die in jeder Krise Forderungen stellen, wenn es um Unternehmensrettungen, Steuererleichterungen und vieles mehr geht. Fordert der Pöbel vor allem wenn er vom Staat finanziert wird, dann kriegen diese Personen Schappatmung. Sie wollen einfach nicht akzeptieren, dass die Sinnhaftigkeit vieler Berufe im öffentlichen Dienst deutlich höher ist, als bei ihrem eigenen.

Darum STREIKEN, STREIKEN, STREIKEN. Es ist Zeit. Wenn nicht jetzt wann dann?

Chris

Mittwoch, 23. September 2020

Gold ist ein Relikt

Goldhandel in die Tonne schreibt die Zeit. Recht hat sie. Gold als industrielles Basismaterial ist wichtig. Als sichere Rücklage oder Investment nicht. Das wird zwar immer wieder behauptet, aber eine Frage muss erlaubt sein. Was passiert denn mit dem Goldpreis, wenn alle Staaten der Welt ihre Goldreserven auf den Markt schmeißen. Die Reserven kosten Geld. Sie müssen in Tresoren bewacht werden, ohne das sie eine hohe Rendite abwerfen. Die im Beitrag angesprochenen Umweltbelastungen bei der Förderung kommen hinzu. Die Umwelt wird vergiftet, damit ein Barren Gold in einem Schrank liegt und nichts macht als da zu sein. Wie absurd. Das Gold krisensicher sei, stimmt halt auch nicht. In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts musste Gold an die US Regierung abgetreten werden. Im Zweifel hilft es eben gar nichts. Gold ist ein Relikt. Mehr nicht. Ich finde den Beitrag sehr gut, weil er einige wesentlichen Punkte endlich anspricht.

Chris

Dienstag, 15. September 2020

Warnung vor der Diskursverschiebung

Warnung vor der Diskursverschiebung ist wichtiger Beitrag. Er kritisiert zu Recht, die Aussage man solle keine Flüchtlinge aus Moria aufnehmen, weil diese eventuell selbst das Feuer gelegt hätte. Wer eine solche Aussage tätigt ist ein Arschloch. Da gibt es nichts weiter zu sagen. Selbst wenn es so wäre, ist diese Person ein Arschloch. Warum? Weil alle Menschen die dort leben mussten in Sippenhaft genommen werden. Nehmen wir an es gab Menschen in Moria die Brandstiftung begangen haben. Wie wahrscheinlich ist es, dass alle Menschen auch die Säuglinge und Kinder involviert waren? Mir wäre neu, dass alle Menschen in Deutschland ins Gefängnis müssen, wenn ein Deutscher ein rassistischen Mord durchführt. Oder, dass alle Deutschlandfunk Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren, weil Silke Hasselmann einen rassistischen Kommentar durchgeführt hat. Und ja er ist rassistisch. Sie fasst alle Menschen zusammen und gibt ihnen implizit die Schuld und will diese Menschen hier nicht haben. Sollen sie doch auf Straßen leben. Immer noch besser als in leeren Flüchtlingsunterkünften. Wo kommen wir da hin?

Chris

Freitag, 28. August 2020

Wer Übergewicht hat und abnehmen will sollte das lesen

Gut kuratierte, schön eingepackte, wohlklingende Menschenfeindlichkeit, äh Freiheit. Lesen und übergeben. Es ist bezeichnend, dass unter den Bearbeitern und Schreibern nicht eine Person ist, die kein Akademiker(in) ist. Dafür aber Größen wie Philipp Amthor, der für die Freiheit eintritt Korrupt zu sein. 

Das ist im Grunde der Kern des Ganzen Prometheus Projekts. Steuern runter und Regeln weg, dann gibt es auch keine Korruption mehr. Wie auch, wenn Bestechung legal ist. Steuernhinterziehung gibt es nicht mehr. Wie auch, wenn es kaum noch Steuern gibt. Aber das alles Freiheit zu nennen, ist schon bitter. Was ist denn frei daran, für andere Menschen arbeiten zu MÜSSEN? Was ist frei daran alles und jedes unter der Marktbrille zu sehen. Was ist frei daran, Reiche, reicher zu machen? Keine Ahnung, aber ich glaube die Mitglieder dieser "Elite" glaubt daran. Bezeichnend an den Menschen die Meinen der Staat ist zu groß und die Renten sollten gekürzt und/oder privatisiert werden ist folgendes:

Alle Kuratoren Prof. Dr. Mayer, Haucap, Hoffman und Kooths werden vom Staat bezahlt und erhalten später eine staatliche Pension

Unter den Gästen und Gesprächspartnern der Promotheus-Instituts sind jede Menge Mitglieder des Bundestags 

Was komplett fehlt sind die Opfer der Forderungen der Zeitungsverleger, Familienunternehmern und Start Up Gründern.

 Chris