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Mittwoch, 19. Februar 2014

Hinter den Schlagzeilen: Fit for Fun

Menschen werden zu nicht selbstbestimmter Arbeit gezwungen – für einen Lohn, der gerade so reicht, um die Arbeitskraft arbeitgeberfreundlich zu regenerieren. Das geschieht tausendfach in Deutschland, vor allem unter der Knute von Hartz IV-Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Nur “Sklaverei” wagte man dergleichen bisher nicht zu nennen. Vielleicht aus falscher Rücksichtnahme auf die Gemüter der verwöhnten Nachkriegsdeutschen. In Georg Rammers Satire ist es mit dieser Tarnung jetzt vorbei. Ein Arbeitsvermittler sagt, was Sache ist: “Sklavenmarkt” lautete seine Geschäftsidee.

• Guten Morgen! Darf ich Sie mal kurz sprechen?
• Geht jetzt nicht! Siehst doch, dass ich beschäftigt bin. Stell dich einfach hinten in die Schlange. Vielleicht hast heute auch noch Aussicht auf einen Job.
• Ich hab schon einen Job. Ich bin von der Gewerbeaufsicht.
• Sagen Sies doch gleich! Dachte, Sie wollen sich auch für einen Job anbieten wie alle hier. Also womit kann ich Ihnen helfen? Meine Papiere sind in Ordnung und die Standfläche hab ich ordnungsgemäß angemeldet.
• Aber das Schild hier…
• Was ist damit? Gibts was auszusetzen dran?
• Da steht … „Sklavenmarkt“.
• Oho, da liegt der Hund begraben! Also raus mit der Sprache. Wo ist das Problem?
• Also Sklavenmarkt, das geht nicht.
• Wieso? Verstehen Sie keinen Spaß? Das ist zielgerichtetes, offensives Marketing. Und es steht doch extra in Anführungszeichen. Da weiß doch jeder gleich, was gemeint ist. Seien Sie doch nicht so bürokratisch.
• Aber das ist geschmacklos.
• Werter Herr Kollege, über Geschmack lässt sich streiten. Also ich finde „Jobcenter“ auch nicht geschmackvoll. Und „Agentur für Arbeit“ raubt mir auch nicht grad den Atem. Da ist doch mein augenzwinkernder „Sklavenmarkt“ doch treffender, oder? Und ehrlicher.
• Aber das verstößt gegen die Menschenwürde.
• Ach jetzt kommen Sie damit! Machen Sie sich doch nicht lächerlich. Menschenwürde! Verstößt etwa „Fördern und Fordern“ nicht gegen Menschenwürde – und guten Geschmack sowieso? Schauen Sie sich doch mal in der Realität um: Da können Sie die Menschenrechte alle im Clo runterspülen! Sie stören sich am Wort? O.k., ich kann es auch anders nennen. Wie wärs mit „Fit for Fun“? Oder „Job macht frei“? Also nehmen Sies mir nicht übel, aber diese Meckerei und Miesmacherei ist doch typisch deutsch. Hauptsache, die Form stimmt. Das ist wie mit der Demokratie.
• Jetzt werfen Sie aber alles durcheinander. Was hat der Arbeitsmarkt mit Demokratie zu tun? Sklaverei ist einfach verboten.
• Ja, sag ich doch! Typisch deutsch. Wenn sie nicht weiterwissen, greifen sie halt einfach nach dem Verbot. Wissen Sie was? Unter den jungen Leuten hat nur noch jeder Vierte einen regulären Job, Vollzeit mit Vertrag. Alle andere: Leiharbeit, Minijob, Werkvertrag, Praktikum. Dort haben Sie Ihren Sklavenmarkt!
• Ich weiß schon. Das ist der neue Boom. Wir kommen deshalb mit den ganzen Personal Service Agenturen kaum hinterher. Zwei von drei neuen Jobs sind Leiharbeit. Die Leute kriegen die Hälfte von Festangestellten, meist unter dem Existenzminimum und schlafen am Arbeitsplatz. Aber Sie machen es hier ganz offen, ich weiß nicht, ob man das so deutlich sagen sollte.
• Doch, genau. Ich helfe den Menschen. Die knapp 200, die hier stehen, die sind alle freiwillig gekommen. Oder denken Sie, ich hab sie gezwungen? Die kommen, weil sie arbeiten wollen. Sie sind fleißig und billig. Die wollen sich verkaufen, also ihre Arbeitskraft. Oder glauben Sies etwa nicht? Wollen wir doch mal schauen und den Beweis antreten. – Hey, Leute, alle mal herhören! Wir machen jetzt eine demokratische Abstimmung: Wer von euch ist freiwillig gekommen, um hier eine Arbeit zu kriegen, he? … Da sehen Sie! Alle haben gestreckt, oder etwa nicht. Das ist halt direkte Demokratie.
• Also ich weiß nicht. Diese Menschen hier verkaufen sich ja mit Haut und Haar an jemand ohne alle Rechte…
• Ja, weil sie es so wollen! Und wieso eigentlich ohne alle Rechte? Wissen Sie was? Sie sollten mal das Grundgesetz studieren. Da steht: Eigentum verpflichtet. Und die Zweihundert, die hier Schlange stehen, die sind kräftig und einsatzbereit, sie sind fest entschlossen zu arbeiten. Egal was. Das ist ihr Kapital, ihr Eigentum. So. Und im Grundgesetz, da lesen wir weiter: Der Gebrauch von dem Eigentum soll auch der Allgemeinheit dienen. Genau das passiert hier, wir lassen dieses Humankapital nicht verkommen, sondern stellen es der Allgemeinheit zur Verfügung. Warten Sie noch ein wenig, bis halb neun, wenn dann der Markt beginnt und die Käufer und die Käuferinnen kommen: Da ist was los, sag ich! Da suchen sich Mittelständische ein paar Helfer, Firmen holen sie gleich im Paket und Hausfrauen wollen eine nette Putzhilfe. Der Mensch ist halt unser Kerngeschäft. Wir haben dank Schröder und Rot-Grün den besten Niedriglohnsektor!
• A propos: Kriegen die Leute hier eine ehrliche Bezahlung?
• Herr Gewerbeaufsichtsbeamter, jetzt kommen Sie mir bitte nicht komisch. Ist das etwa meine Sache? Wollen Sie die Vertragsfreiheit aushöhlen? Ich bin Unternehmer. Subunternehmer genauer gesagt, Subunternehmer von einem großen Leiharbeitskonzern. Ich arbeite auf eigene Rechnung, da fragt auch niemand. Ich nehme meine Provision, wo und wie ich sie kriege. Alles andere ist Sache der Käufer. Die Schlange hier, das sind die Anbieter. Und die, die sie kaufen, machen mit ihnen einen Preis aus. Fertig. Was ist falsch dran?
• Da sind auch Frauen dabei.
• Na und? Wir gehen mit der Zeit: Wir achten eben auf Gender. So heißt es doch, nicht? Und wir helfen den Alleinerziehenden. Sagen Sie mal, lesen Sie eigentlich nicht die Berichte vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung? Die sagen, die Mütter mit Kindern und ohne Mann, die wollen um jeden Preis was schaffen! Egal was, egal wie belastend, egal was sie dabei verdienen. Hauptsache Arbeit! Und da kommen Sie und wollen es ihnen wegnehmen?
• Können Sie gewährleisten, dass die Menschen hier nicht ausgebeutet werden?
• Jetzt werden Sie schon wieder päpstlicher als der Papst. Können Sie das bei Amazon oder Schlecker oder BMW? Hey, jedes erfolgreiche Unternehmen muss mit Billiglohn arbeiten, muss aus den Leuten rausholen, was geht. Tarifvertrag? Betriebsrat? Das wissen Sie doch besser als ich: Das war mal, das ist graue Vorzeit. Längst überholt! O.k., die Leute werden krank, halten sich mit Zweit- und Drittjobs über Wasser, ihre Lebenserwartung sinkt auf Vorkriegsniveau. Na und? Schon mal was von Kapitalismus gehört? Oder von Agenda 2010? Kennen Sie noch den alten Schröder Gerhard? Der hatte mal verkündet und er wusste, was er wollte: Wir werden Leistungen des Staates kürzen, Eigenverantwortung fördern und mehr Eigenleistung von jedem Einzelnen abfordern müssen. Genau das mach ich. Ich habe das beharzigt, ha ha ha! Mann, ich bin staatstragend!
• Ich sehe da sogar Kinder. Die sind sicher nicht älter als 12, 13.
• Ja, die kommen alle, um ein bisschen was zu verdienen. Mit Einwilligung ihrer Eltern. Die wollen halt auch ein bisschen was vom Leben. Wissen Sie was? Die Kids sind unsere Zukunft, unser Humankapital. Soll ich Ihnen was verraten? Die Experten von der Werbebranche sagen: Wir müssen die Kids verstehen, ihre emotionalen Bedürfnisse, ihre Fantasien, ihre Träume. Dieses Wissen ist dann die mächtigste Waffe im Arsenal des Vermarkters, der das Herz der Kinder gewinnen und vermarkten will. Das ist auch meine Devise. Ich hab halt ein Herz für Kinder.
• Haben die vielen Ausländer hier eigentlich eine Arbeitserlaubnis?
• Haben Sie was gegen Ausländer? Kommen Sie mir doch nicht so. Ich weiß es nicht! Ist auch nicht meine Sache. Ich bin Vermittler. Fair-Mittler, wie ich gern sage, ha ha! Ich will niemand diskriminieren, keine Schwule, keine Migranten. Ich bin eben ein Menschenfreund. Wussten Sie, dass die Hälfte aller Migrantenkinder arm ist? Die Hälfte! Ich geb ihnen jedenfalls eine Chance und dafür sind sie mir dankbar. Also bitte: Keine Bevormundung!
• Also ich weiß nicht. Ich muss mich mal bei meinen Vorgesetzten absichern, ob das alles so richtig ist.
• Ja, machen Sie das ruhig. Sie werden ja sehen. Heutzutage achtet niemand mehr auf jeden Mückenschiss. Das ist halt die Grundlage für unser Jobwunder! Woher soll es sonst kommen?
• Aber bestimmte Regeln müssen halt einfach beachtet werden, nicht wahr.
• Tu ich ja, tu ich ja. Ich hab das Recht ganz auf meiner Seite, da können Sie ruhig einen drauf lassen! Ich verfolge durchaus die Entwicklung, ich bin im Bilde. Bin sozusagen eins mit dem Weltgeist. Soll ich Ihnen was erzählen? Der Europäische Gerichtshof, ja, der EGH selbst bewertet die Freiheit des Handels und Warenverkehrs eindeutig höher als unsere kleinlichen nationalen Grundrechte. Oder als die Menschenrechte. Marktfreiheit über alles! Ha!
• Ja gut, das seh ich schon auch so, wie Sie es sagen. Ich tu halt auch nur meine Pflicht. Nichts für Ungut. Aber seien Sie vorsichtig, sonst haben wir hier demnächst mal einen Sklavenaufstand.
• Ha, das sollen die mal versuchen! Also das freut mich, dass wir uns einig sind. Kommen Sie ruhig mal wieder vorbei. Aber jetzt muss ich wirklich Schluss machen. Gleich kommt RTL, die wollen eine Sendung machen über vorbildliche und erfolgreiche Initiativen für Arbeitslose. Mann, die Leiharbeit verzeichnet Rekordwachstum! Das ist ein Jobwunder! Und jedem, der es wagt, uns zu kritisieren, kann ich jetzt schon in aller Deutlichkeit sagen: Wir haben das Recht und wir haben die Macht und auch die Staatsgewalt auf unserer Seite! (Hinter den Schlagzeilen)

Chris

Sonntag, 10. November 2013

Warum man Arbeitgeberpräsident Hundt verachten sollte

Aktueller Anlass sind die Mindestlöhne. Statt vernünftig bezahlter Arbeit zuzulassen meint Hundt folgendes:

Bei Hundt klingt das so, als ob Arbeitslose und Arme gerne wenig arbeiten und wenig verdienen. Hundt will den Ansporn an eine Vollzeitstelle erhöhen. Diese darf dann natürlich nicht viel einbringen. 200 Euro voll angerechnet auf einen Monat Vollzeitarbeit. Das sind bei einer 40 Stundenwoche ein Lohn von unter 1.20 Euro. Klar warum Hundt meint, dass der Mindestlohn gerade die Ärmsten betrifft und ihnen nicht gut tut. Denn sie könnten anfangen wählerisch zu werden. Sie könnten anfangen mündige Sklaven zu werden. Das kann nicht sein, denn Arbeit ist der Luxus unserer Gesellschaft und nicht was man für diese Arbeit bekommt. Mich erinnern Leute wie Hundt an die Nazis die Kraft durch Freude über Konzentrationslager aufhängten. Ja der Nazivergleich muss sein. Hundt ist ein gefühlslehrer Erfüllungsgehilfe der Eliten dieses Systems. Er schlägt Dinge vor, für die man ihn nur verachten kann und sollte. Wenn das die Speerspitze der deutschen Arbeitgeber ist, dann gute Nacht.

Chris

Samstag, 23. Oktober 2010

Nun ist es raus

Nachdem immer wieder vom Fachkräftemangel geredet wird ist das Ziel dieser Kampagne zu erkennen. Es soll wieder Mehrarbeit geben. Zwar sinkt die Gesamtarbeitszeit (in Stunden) seit Jahren, aber dennoch sollen alle mehr arbeiten. Nach meiner Rechnung macht das wenig Sinn aber gut.

Chris

Montag, 20. September 2010

Horrormeldungen aus Deutschland

An einem Tag zwei (1/2) Horrormeldungen der Unternehmen und Ökonomen. Deutschland gehen die Arbeitskräfte aus und kaum jemand möchte ein technisches Fach studieren, bzw. sich darin ausbilden lassen. Meine Frage an die Ökonomenzunft ist, warum die Löhne nicht steigen. Warum werden Menschen nicht ausgebildet und viele Fachkräfte in Leiharbeitsfirmen gebunden? Wäre es nicht einfacher sie einzustellen und spezifisch weiterzubilden? Sicher kostet das Geld, aber es wäre eine Investition in die Zukunft. Die Überschriften des Spiegels malen den Untergang an die Wand und sind dabei nur billiger Populismus. Das Problem, wenn es denn existiert, ist hausgemacht. Es wurde viel Personal entlassen und zurück geliehen. Dabei blieben Weiter- und Ausbildungen auf der Strecke. Nun jammert man und will möglichst billige Kräfte aus dem Ausland heranziehen. So lange in Deutschland Millionen für Niedrigstlöhne schuften haben wir keine Probleme mit der Arbeitskraft, sondern mit der Qualifizierung. Wenn schon Fachkräfte fehlen, dann sollen die Unternehmen diese Menschen weiterbilden und zu einem besseren Lohn einstellen. Aber dann gäbe es ja keine billigen Pförtner und Putzfrauen mehr.

Chris

Dienstag, 14. September 2010

Ein kurzer Abriss über Hartz 4

Es ist gesetzlich verankert das JEDER Bürger das Recht auf Vertragsfreiheit hat, JEDER Bürger hat das Recht Arbeit, Beruf und Ausführung selbst zu wählen und zu bestimmen, JEDER Bürger hat das Recht auf Reisefreiheit. Zwangs- arbeit ist verboten. Hier werden Menschen jedoch unter Androhung von Strafe zu Arbeiten gezwungen, hier werden Menschen unter Androhung von Strafe zu Unterschriften gezwungen und genötigt und hier werden Menschen unter Androhung von Strafe ortsgebunden festgesetzt.

Anmerkung: Wo ist denn die vielgelobte Freiheit der Liberalen. Arbeit als Zwang ist in Ordnung, soziale Teilhabe und Steuern sind nicht in Ordnung. Wieso ist eine Seite besser als die andere. Sagte nicht Hayek schon, es solle keine Seite bevorzugt werden. Die Hartz Gesetze zeigen aber sehr deutlich den Denkfehler des Urliberalen. Er meinte, wenn nur Gesetze geschaffen werden (als Rahmen) dann ist alles fair und liberal. Das Problem ist aber, dass man auch mit Gesetzen bevorzugen kann. Umweltgesetze sind schlecht für Umweltverschmutzer, aber gut die Ökoindustrie. Eine Herabsetzung des Arbeitschutzes ist gut für die Unternehmen, aber schlecht für die Arbeitnehmer und das Gesundheitssystem. Endlos kann man diese Reihe fortsetzen. Die Frage ist wie man die Gesetze fair gestaltet. Da sollte klar gelten, dass der Mensch immer das höchste gut ist. Danach kommen in etlichem Abstand die Unternehmen. Menschen gibt es auch ohne Unternehmen, Unternehmen aber nicht ohne Menschen. Diesen Fakt müssen unserer Herrn und Frauen Politiker und Unternehmer begreifen. Nicht zum ersten mal in der Geschichte lebten Eliten in anderen Sphären. Sind sie zu radikal gegenüber der Bevölkerung, dann werden sie die Probleme haben und nicht die Menschen, welche sie regieren.

Chris

Dienstag, 10. August 2010

Jobcenter-Chronologie

Ein erschreckender Artikel über Praktiken aus den Job Centern. Selbst wenn nur die Hälfte stimmen würde, wäre es es erschreckend. In meinen Augen wird es aber dadurch glaubhaft, da in Magdeburg eine Arbeitslose als Behindert eingestuft wurde um Leistungen zu sparen. Es wird klar wieso sich etliche in den Alkohol flüchten.

Chris

Wiederholung macht anschaulich

Die aktuelle Diskussionskultur basiert auf endlosen Wiederholungen von Phrasen und Personen. Argumente bleiben häufig auf der Strecke. Ein Beispiel ist die Finanzberatung. Die private Rente soll Schmackhaft gemacht werden. Aus diesem Grund wird von Bert Rürup die Aussage "Mindestens 10% des Bruttos sollte man privat Vorsorgen" bemüht. Das dies im Interesse des Herrn Rürup zu diesem Zeitpunkt lag, da er Chef bei der AWD war wird verschwiegen. Auch wird immer wieder die Versorgungslücke im Alter bemüht. Zwar sind alle Zahlen die verwendet werden blinde Spekulation, aber dennoch werden sie als bestmögliche Vorhersage dargelegt. Der Rentenzuwachs aus öffentlicher Hand liegt bei diesen Rechnungen bei 0%. Das wird selbst bei den härtesten Bundesregierungen eher unwahrscheinlich sein. Auch die Durchschnittsrendite von 8% ist nur so lange realistisch, so lange nur wenige Menschen privat Vorsorgen. Machen es alle ist so viel Geld im Umlauf, dass im optimalen Fall die Zuwächse des Wirtschaftswachstums als Rendite rauskommt. Durch die Wiederholung der Zahlen wird sich daran nichts ändern.
Politik wird ebenso betrieben wie der Verkauf einer Versicherungspolice. Kritische Fragen (auch im Bundestag) werden ignoriert. Ab und an sollten die Führer unseres Landes hinhören. Es würde ihnen Helfen die Menschen zu verstehen. Vielleicht sollte man einen Mythos diesbezüglich wieder aufleben lassen. Auf Kuba nach der Revolution soll Che Guevara angeblich zu den Bauern gegangen sein. Er hat dort mit ihnen so lange gearbeitet bis er ihre Leistung erbracht hat und ihre Nöte verstand. Das sollten in meinen Augen alle Ärzte, Ingenieure, Manager, Politiker, ... machen. All jene die ihre Nase nicht aus dem Himmel kriegen. Dann würde so mancher verstehen wo die wirklichen Probleme der Welt liegen und probieren sie zu lösen anstatt mit Wiederholungen von schwammigen Aussagen seine eigene egoistische Zielstellung zu verfolgen.

Chris

Dienstag, 1. Juni 2010

Propaganda des Spiegels

Ein hervorragend düsteres Bild vom Spiegel über die Sozialsysteme. Da wird als Expertin Waltraut Peter vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln befragt (immerhin wird mal geschrieben von wem diese Expertin bezahlt wird). Sie glaubt, dass nur harte Reformen das System retten können. Ließt man sich die Vorschläge an kann man nur lachen. Die Arbeitslosenversicherung soll auf 3% erhöht werden (nein nicht um, auf). Bis zur Senkung 2009 lag er die Jahre zuvor sogar höher. Natürlich ist so etwas unfinanzierbar. Das sich Deutschland in einer Wirtschaftskrise befindet, Kurzarbeitergeld zahlt und die steigenden Arbeitslosenzahlen finanziert wird einfach ignoriert. Auch wird kaum bedacht, dass eine Steigerung der Versicherungsbeiträge um 1% bei einem Arbeitnehmer mit 2000 Euro brutto gerade mal 10 Euro (0.5%) Mehrbeitrag ankommen. Eine sehr hohe Belastung, welche kaum zu bewältigen ist.
Mit den Renten ein ebenso düsteres, wie falsches Bild. Bis 70 Jahre soll man arbeiten. Wieso eigentlich. Arbeiten jetzt schon alle Menschen hier im Land. Offensichtlich nicht, denn sonst gäbe es keine Probleme mit der Arbeitslosenversicherung. Da nicht alle Menschen arbeiten enstpricht eine Rentenaltererhöhung fast zwangsläufig eine Rentensenkung. Denn die letzten Jahre im Erwerbsleben werden wohl oder übel Arbeitslosigkeit bedeuten. Somit lagert man die Kosten aus dem einen System in ein anderes. Das sind Sparmaßnahmen die Spaß machen. Die Versicherer werden sich auf jedem Fall freuen. Denn private Versicherungen können jetzt argumentieren, dass man bei ihnen eher in Rente gehen darf. Dafür darf dann die Versicherung auch mal etwas teuerer sein.
Auch die Berechnung "2030 bei 24 Prozent oder mehr liegen müssen" ist milde gesagt unseriös. Hätte jemand so etwas 1933 geschrieben, hätte er mal eben einen Weltkrieg unterschlagen. Selbst wenn man als Arbeitnehmer mehr zahlen müsste, hängt dies doch an der Lohnsteigerung. Steigt der Lohn hinreichend mit kann der Mehrbeitrag locker finanziert werden und man hat noch mehr Netto in der Tasche. Das, dies nicht gewollt ist von den Arbeitgebern liegt auf der Hand.
Zum Schluss kommt noch die Kopfpauschale. Alleine die Einleitung "Wenn immer weniger Menschen Beiträge zahlen, aber vor allem Ältere häufig ihren Arzt aufsuchen, reicht das bisherige Geld nicht aus." zeigt wohin es gehen soll. Alle sollen die gleichen Beiträge zahlen. Kosten werden definitiv nicht gesenkt. Denn Arme, chronisch Kranke, Rentner, etc. sollen einen Steuerausgleich erhalten. Diesen sollen die höheren Einkommen zahlen. Wieso man die Sozialabgaben in diesem Bereich nicht gleich erhöht, um die Lücken zu schließen wird verschwiegen. Es ist einfacher über die Kopfpauschale, eine Kurzzeitige Steuererhöhung und dann schrittweise Senkung die Krankenkassen in den privaten Bereich abzuschieben. Dazu muss man kein Hellseher sein. Wenn ich x Kosten habe, brauche ich x Einnahmen. Wie ich mit der Änderung der Farbe des Gleichheitszeichens die Kosten senke müssen mir Herr Rösler und die FDP erst einmal erklären.
Was der Spiegel nicht bedenkt ist folgendes, dass System ist nicht unfinanzierbar. Ebenso die anderen Sozialsysteme sind es nicht. Sie wollen nur nicht finanziert werden. So sollte man es schreiben. Habe ich ein Auto mit vollem Tank und fahre nicht um Sprit zu sparen liegt es sicher nicht daran, dass ich kein Benzin habe. In Deutschland steigt jährlich das Gesamtvermögen. Das heißt es gibt jährlich deutlich mehr zu verteilen. Dennoch sollen Sozialsysteme nicht finanzierbar sein? Wäre es politisch gewollt könnte man sie finanzieren. Nur es ist eben nicht gewollt. Warum der Artikel geschrieben wurde ist klar. Die unbedingte Notwendigkeit der Sozialkürzungen im Haushalt sollen nahegebracht werden. Die Kosten der Bankenrettung werden verschwiegen, aber das ist ein anderes Thema.

Chris

Dienstag, 6. April 2010

Polemik

Andere Politiker reihen sich in die Polemik des Guido Westerwelle ein. Claudia Hämmerling meint, dass Arbeitslose doch bitte schön als Kontrolleure gegen den Hundekot in Berlin eingesetzt werden sollen. Als erstes sollte man dieser Frau sagen, dass dies gegen eine Bezahlung bereits geschehen würde. Ich denke aber sie will dies unentgeldlich durchdrücken. Ich frage mich wo die Ideale in dieser Gesellschaft geblieben sind. Wo sich Berufspolitiker, welche seit Jahrzehnten nicht gearbeitet haben sich eine Meinung bilden über Arbeitslose. Dabei wird doch nur über die eigene Hilflosigkeit hinweg gepöbelt. Wo sind denn die Forderungen, welche die Menschen betreffen? Ich vergaß Arbeitslose sind keine Menschen, sondern Schmarotzer. Wieso sonst arbeiten sie nicht? Eine Arbeitspflicht wie Roland Koch und andere sie fordern ist eigentlich nur die logische Konsequenz. Wohin diese neuen Ideen führen können sieht man, wenn man realisiert wie alt sie eigentlich sind [1],[2]. Politik mit Hilfe des Geschichtsbuchs.

Chris

Freitag, 5. Februar 2010

Bild widerlegt die Hartz-Hetzer

Ein sehr schöner Artikel von Kunst und Kritik. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung. Vor allem für all jene die gerne auf die ach so faulen Sozialschmarotzer schimpfen. Pro Person wurden gerade mal 153 Euro fehlgeleistet. 72.2 Millionen im Jahr insgesamt. Das ist doch lachhaft, wenn man bedenkt wie viel Geld sonst so verloren geht. (HRE, A400M, Afghanistan, Steuerpolitik allgemein,...)

Chris

Mittwoch, 3. Februar 2010

Sozialschmarotzer und andere Kampfbegriffe

  • Den Asozialen wird alles gegeben und die, die den Staat nach vorne bringen sind die Deppen!
  • Wenn er doch ein einfaches Leben haben will, dann kann dieser Sozialschmarotzer unter der Brücke wohnen. Bei diesen Temperaturen hat sich dieser binnen einer Woche von alleine erledigt und Deutschland ist befreit von diesem Gesindel.
  • Seit er achtzehn ist, ist dieses faule Schwein nicht arbeiten gegangen. Heute oder morgen wird das Sozialsystem zusammenbrechen.
  • Doch es kann jeder Arbeit bekommen. Man muss um Hartz IV zu bekommen, einfach eine Leistung erbringen, ansonsten wird das Geld komplett gestrichen. Ob die Arbeit nützlich ist oder nicht, ist ja egal. Dann würde das System auch wieder funktionieren.
  • Pfui Teufel mit solchen. In der Natur hätte sich so ein Verhalten von selbst erledigt.
  • [Er] verarscht alle Deutschen.#

Eine Zusammenstellung vom ad sinistram Blog. Er stellt eine kurze Übersicht der Kommentare über Arbeitslose in der Bild "Zeitung" dar. Diese Stammtischbrüder, wie Volker Pispers sie nennt, halten sich für den Nabel der Welt und sind im Sozialdarwinismus der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts angekommen. Man ist ja so zivilisiert. Da wird halt Ausländer und Jude durch Arbeitsloser ersetzt und schon sind wir ein Volk das für die Gerechtigkeit streitet. Wie scheinheilig dieser Kampf geführt wird sieht man auf ettlichen freiheitlichen Blogs. Dort wird zwar die Arbeitslosenhetzkampange als halbwegs in Ordnung angesehen, die der Steuerverfolgung gleich durch ettliche Artikel abgelehnt und verurteilt. Dies im Namen der Freiheit und des Rechtsstaates. Dabei gibt es einige Möglichkeiten, welche durchaus erlaubt sind und seit Jahren praktiziert werden. Das Angela Merkel jetzt die Segel in den Wind des Volkswillen dreht hat dann weniger mit dieser Tatsache zu tun, als vielmehr das die Wahlen in NRW demnächst anstehen. Die Kanzlerin glaubt vermutlich nicht, dass "ihr" Volk bis dahin vergessen hat. Somit sagt sie den Steuerhinterziehern den Kampf an und hoft, dass sich die Verfahren bis nach der Wahl hinziehen. Dann kann man ohne Probleme Gesetze schaffen die den Schaden für ihr Klientel klein hält. Aber wir werden sehen. Warum unsere Stammtischbrüder der Bild "Zeitung" nicht gegen die wahren Schmarotzer schreien verstehe ich nicht. Das vierte Zitat zeigt das Niveau der Diskussion "ob die Arbeit nützlich ist oder nicht ist egal". Also alle Arbeitslosen in die Investmentbanken.

Chris