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Montag, 10. Oktober 2016

Angst vor der Finanzbranche

Sind die Leitzinsen niedrig beschweren sich die Wirtschaftsjournalisten. Steigen sie vermutlich, dann ist es auch nicht richtig, bzw. gefährlich. Dabei wird das Problem indirekt dargestellt.

Die Finanzmärkte jedenfalls sind darauf eingestellt, dass die Fed sehr, sehr langsam vorgehen wird. Die Wetten an den Börsen gehen davon aus, dass die US-Zinsen noch im Sommer 2019 bei nur einem Prozent liegen werden. 
Die Finanzwirtschaft spekuliert mit dem billigen Geld und freut sich. Das ist auch in Ordnung, aber wenn folgende Angst:

Wenn die Inflationsraten aber stärker steigen als bislang erwartet, müsste auch die Fed rascher reagieren. Das wiederum dürfte die Finanzmärkte erschüttern. Anleihen von Staaten und Unternehmen sind derzeit extrem hoch bewertet, eine Folge des superexpansiven Kurses der Notenbanken. Westliche Staatsanleihen werfen inzwischen großteils negative Renditen ab. Die Verschuldung der Weltwirtschaft hat Rekordhöhen erreicht, und sie steigt immer noch weiter an. In dieser Situation könnte auch ein scheinbar geringer Anstieg der Leitzinsen enorme Verwerfungen auslösen.

existiert, dann ist etwas systemisch falsch. Die Banken und Finanzkonstrukte sind zu groß und zu mächtig. Wenn meine Kreditzinsen um einen Prozentpunkt steigen, dann macht mir das gar nichts. Wenn in der Realität ein Zusammenbruch der Weltwirtschaft prognostiziert wird, dann ist etwas komplett verkehrt. Es geht gar nicht darum die Wirtschaftspolitik zu nutzen, um Wohlstand zu generieren. Die Instrumente der Wirtschaftspolitik werden genutzt, um den Zusammenbruch zu verhindern. Es bleibt also nur die Möglichkeit das Risiko zu verringern. Da die Finanzinstitutionen nicht dazu in der Lage sind, müssen sie verkleinert werden. Erst dann können sie pleite gehen. Aber auch dann brauchen sie strenge Regeln und wenig Spielraum. Sie sollen nämlich einfach nur Geld verleihen. Mehr nicht. Alles andere ist eine große Ressourcenumverteilung die wenigen nutzt und vielen schadet. 
So simpel die Analyse, so offensichtlich ist sie eigentlich. Die Umsetzung ist natürlich schwierig, da viel Geld, viel Macht bedeutet. Im Endeffekt wird es darauf hinauslaufen müssen, da sonst das System irgendwann auseinanderbrechen wird. Es ist im Moment, meiner Ansicht nach, nicht die Frage ob, sondern wann und wie blutig. Leider lernen die Menschen nicht aus der Vergangenheit.

Chris

Freitag, 11. März 2016

Jetzt sind es also 0%

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit. Die Bildzeitung beim Bäcker wirbt gleich mal mit neuen Geldanlageformen und jammert für die privaten Versicherer. Was lernt man aus der Geschichte?

  1. Es wird jetzt doch keine 600 Golderden geben. Der prognostizierte Zinseszinseffekt mit konstanten Zinsen über 2000 Jahren ist ein Märchen. Das war zwar schon vorher klar, aber nun kann man diese absurde Annahme nicht mehr leugnen
  2. Die Zinsen sind niedrig und die Inflation ist es auch. Die Gewinn - Kaufkraftverlustbilanz dürfte sich für den normalen Kleinsparer die Waage halten.
  3. Obwohl die Zinsen niedrig sind, wird sich wirtschaftlich nichts ändern. Irgendwer muss das Geld verwenden. Wird das nicht gemacht, dann ist es eine fiktive Zahl ohne Wert. Erst wenn diese Zahl in Form von Güterkäufen (als Konsum oder Investition) verwendet wird, bewegt sich wirtschaftlich etwas. 

Und investieren könnte man. Hier mal eine Liste an Dingen die mir sofort in den Sinn kommen würden. Sie ist nicht vollständig, würde aber den Menschen helfen.

  1. Sanierung der Bahnstrecken und Züge.
  2. Reparatur von Brücken und Straßen.
  3. Aufbau von Flüchtlingsheimen.
  4. Erhöhung der Zahl der Polizisten.
  5. Erhöhung der Zahl der Lehrer (vor allem jene die Deutsch als Fremdsprache unterrichten können).
  6. Sanierung der Schulen und Aufrüstung mit modernen Medien.
  7. Breitbandinternetausbau.
  8. Aufstockung der Gelder für die Sozialarbeit (u.a. Arbeit gegen Nazis).
  9.  Sanierung des Nord- Ostsee Kanals
  10. Investitionen für eine Ökologische Landwirtschaft, welche Bodenerosion reduziert.
  11. Förderung der Grundlagenforschung (Fusion, Materialwissenschaften, Medizin,...)
  12. ...
Dafür braucht man nicht lange nachdenken. Man muss es nur als Vision verkaufen. Die Vision ist, dass wir Flüchtlinge als neue Mitglieder der Gesellschaft haben wollen. Hierfür legen wir die Basis indem wir sie und uns besser ausbilden. Am Ende können wir gemeinsam mit Hilfe einer soliden Grundlagenforschung unter Nutzung einer soliden Infrastruktur den Wohlstand gemeinsam erarbeiten und erleben. Auf solche Standpunkte wartet man leider vergebens.

Chris

Montag, 16. November 2015

Die EZB, die EZB, die ist immer Schuld

Sie ist Schuld an den niedrigen Zinsen. Die Begründung kommt hier.

Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank macht das Aufnehmen neuer Schulden für den deutschen Staat nach wie vor sehr günstig. Doch die künstlich gedrückten Zinsen führen dazu, dass sich private Geldgeber zunehmend aus dem Staatsanleihenmarkt verabschieden. Das bedeutet laut Thorsten Polleit: Es kommt zu Preisverzerrungen auf anderen Märkten

Die normale Preisbildung ist also eine Preisverzerrung, denn der detusche Staat nimmt keinen Kredit bei der EZB auf. Die Zinsen auf Staatsanleihen sind niedrig, die Nachfrage sinkt, dann sollten die Zinsen wieder steigen. Tun sie es nicht, dann ist die Nachfrage hoch genug. Die Nachfrage nach Krediten ist niedrig. Der deutsche Staat feiert die schwarze Null (nein ich meine nicht Schäuble). Wofür also neue Kredite aufnehmen? Die alten Kredite werden einfach refinanziert. Das alles ist vollkommen unabhängig von der EZB. Die deutschen Staatsanleihen wären auch bei höheren Zentralbankzinsen niedrig, da Deutschland eines der letzten Länder mit AAA+ Rating ist. Diese sicheren Anlagen sind bei Pensionsfonds begehrt.
D.h. das Angebot an Geld ist hoch, die Nachfrage niedrig und der Preis (Zins) sinkt. Wenn dadurch die Sparer betroffen sind, dann ist das eine Preisverzerrung im neoliberalen Ökonomensinne.

Chris

Dienstag, 2. Juni 2015

Was interessieren die Fakten

Max Otte jammert in der Wirtschaftswoche, dass die Zinsen zu niedrig sind. Die niedrigen Zinsen sagen aber gar nichts aus. Diese müssen in Relation zur Inflation gesehen werden. Macht man das, dann sieht man, dass positive Realzinsen alles andere als normal sind.
Weiterhin sieht man, dass die Sparzinsen und der Leitzins nur sehr bedingt etwas miteinander zu tun haben. Es wäre schön, wenn es mehr um Zahlen und weniger auf Glauben gehen würde.
Die Logik der niedrigen Zinsen ist eigentlich klar. Diese sind niedrig, da die Nachfrage nach Geld niedrig ist. Um die Nachfrage anzuregen, senkt die EZB den Leitzins, um das Angebot billiger zu machen. Eingentlich ganz einfach.

Chris

Montag, 5. August 2013

Das böse Zinstief

Immer wieder dieses leidige Thema. Die Zinsen sind niedrig und das kostet die Sparer Milliarden Euro. Was kostet es die Sparer? Verlieren sie Geld? Nein sie verlieren Kaufkraft. Kaufkraft ist eine abstrakte Größe. Sie zu bestimmen ist schwierig. Selbst wenn man es kann, dann verlieren die Sparer immer noch nicht an Geld, sondern an Waren die sie potentiell kaufen könnten. Es wird suggeriert, dass man als Sparer ein Recht auf Zinsen über dem Inflationsniveau hat. Dabei geht man als Sparer einfach nur eine Wette ein. Man verzichtet auf den Konsum und wettet, dass man später mehr konsumieren kann. Wetten bedeuten, dass man auch verlieren kann. Das müssen alle Sparer begreifen. Davon abgesehen sollte es die meisten Menschen nicht groß tangieren. Die Gebühren für Sparpläne, privater Vorsoge und vielem mehr sind so hoch, dass die niedrigen Zinsen nur das Fass zum überlaufen bringen. Wirklich viel spart (so das es schmerzt wenn die Zinsen niedrig sind) nur ein kleiner Teil der Gesellschaft. Bei den Gebühren ist der Aufschrei deutlich kleiner, obwohl der Einfluss meist deutlich größer ist.

Die andere Seite
Neben dieser Jammerei sind andere Absurditäten viel interessanter. Die Sparer (ich meine hiermit den Bild lesenden Deutschen, sowie einem Großteil der deutschen Presse + Politik) wollen einerseits hohe Zinsen, andererseits sind Schulden etwas schlechtes. Der Staat soll sich nicht verschulden (und tut es im Moment nicht). Privatpersonen sollen sich nicht verschulden (sie sollen Vorsorgen). Ein solides schwäbisches  (Merkel) Unternehmen hat keine Schulden. Das Ausland ist faul und soll bitte seine Schulden zurück zahlen. Man erkennt sehr einfach den Widerspruch. Sparen bedeutet einen Verzicht auf Konsum. Meinen Verzicht gebe ich an jemanden anderes weiter und bekomme als Bezahlung einen Zins. Wenn wenige Geld haben wollen, aber viele sparen sinkt der Preis. Das nennt man dann Marktwirtschaft. In Deutschland ist das im Moment der Fall.
Das Schulden und Guthaben immer eine ausgeglichene Bilanz haben müssen, wird ignoriert. Vielen Menschen wissen gar nicht, dass das aus Bilanzsicht sein muss.

Der Leitzins
Wer also darf oder soll Schulden machen? Das verrät uns niemand. Denn die Masse der Menschen glaubt scheinbar daran, dass Zinsen in der Bank "produziert" werden und nur die EZB entscheidet wie viel es davon gibt. Das ist natürlich Unsinn. Die EZB legt einen Mindestzins fest. Wenn die Nachfrage nach Krediten steigen würde, dann wären die Zinsen hoch. Die Zinsen in Griechenland sind auch nicht sehr niedrig nur weil der Leitzins niedrig ist. D.h. der Verweis, dass der Leitzins ursächlich ist für die niedrigen Sparzinsen verkürzt das Problem dramatisch. Es vernachlässigt, dass Europa seit Jahren in der Krise ist und die Menschen eher sparen als konsumieren, da sie Zukunftsängste haben. Wenn es aber keine Intention zum investieren gibt (in Deutschland -5.3% (2012)), die Menschen keine Arbeit haben (siehe Griechenland oder Spanien) oder Angst haben sie zu verlieren, wer verschuldet sich dann? Die Antwort auf diese Frage bleiben uns Politiker und Journalisten schuldig.

Fazit
Die Menschen müssen endlich begreifen, dass Geld immer eine Spekulation bedeutet. Ich spekuliere, dass ich für einen Euro heute Gut A bekomme und morgen auch. Geld ist dabei nicht gleichzusetzen mit Gut A und man hat auch einen gesetzlichen Anspruch auf Gut A. Genau das wird von unseren Leitmedien angenommen. 

Chris

Montag, 6. Mai 2013

Kalte Enteignung

Worüber sich nun viele Sparer und Kunden kapitalgedeckter Altersvorsorgeprodukte – angstachelt von SPIEGEL, WELT, Handelsblatt, Focus und Co. – aufregen, ist die vermeintliche „kalte Enteignung“ ihrer Ersparnisse. Auch wenn sich das für Betroffenen hart anhört: Es gibt kein Recht auf Zinsgewinne, auch wenn die politische und mediale Diskussion der letzten zwei Jahrzehnte etwas anderes suggeriert haben.

Jens Berger bringt es auf den Punkt. Wenn Menschen sparen, dann verleihen sie Geld gegen Zinsen. Ist viel Geld vorhanden sind die Zinsen eben niedrig. Reicht einem die Höhe nicht, dann muss man eben das Risiko erhöhen. Wenn jemand eine Zinsgarantie haben will, die über der Inflationsrate liegt, dann könnte er das Selbige auch für Güterpreise, Löhne, Renten und ähnliches fordern. Steigende Löhne sind aber per se schlecht, auch steigende Güterpreise und Renten sowieso, da sie die Lohnnebenkosten steigen lassen. Warum sind Zinsen etwas besonderes? Vor allem da die meisten Menschen kaum Zinsen bekommen. Das sollte man wahrscheinlich mal die Politiker fragen, welche Kapitalerträge nicht als Einkommen sehen, oder die Zeitungen die sich aufregen, dass es eine kalte Enteignung der Ersparnisse gibt.

Chris

Freitag, 3. Mai 2013

Inflation und Geldpolitik

In einem aktuellen Vortrag weißt Heiner Flassbeck darauf hin, dass wenn die reine Geldpolitik für die Inflationsrate verantwortlich wäre, dann dürfte es keine Diskrepanz zwischen den Euromitgliedsländern geben. Die Geldpolitik ist in allen Ländern die Gleiche und nur Nachfrage unterscheidet sich in den jeweiligen Ländern.
Auch die aktuelle Erfahrung in der gesamten Eurozone belegt dies. Zwar will Frau Merkel gerne steigende Zinsen der EZB, allerdings wurde der Leitzins gestern weiter gesenkt. Da der Inflationsdurchschnitt unter dem Inflationsziel von 2% liegt und das trotz bereits niedriger Zinsen ist nicht zu erwarten, dass sich die Inflation erhöhen wird. Interessant sind einige Schlagzeilen der deutschen Presse

Diese Medien können zwar rumjammern. Wenn die Wirtschaft im Euroraum zusammenbricht, dann ist das Ersparte auch weg.

Chris

Donnerstag, 24. Mai 2012

Gedanken zu Null Prozent Zinsen

Niedrige Zinsen sollen Unternehmen dazu bringen mehr zu investieren. Für Staaten scheint dies nicht zu gelten. Wenn nicht jetzt wann dann, sollte man fragen. Wäre es nicht jetzt ein guter Zeitpunkt seine Staatsgebäude zu sanieren, um später von den Energieeinsparungen zu profitieren? Wäre es jetzt kein guter Zeitpunkt in Bildung zu investieren und später von den höheren Steuern zu profitieren? 
Scheinbar nicht.

Chris