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Montag, 20. Juni 2022

Kampfradler

Immer wenn es um mehr Infrastruktur für Fahrradfahrer geht, kommt die alte Leier. Die braucht man nicht. Radfahrer brauchen keinen Schutz, sie seien selbst Schuld und sollen sich mal an die Verkehrregeln halten. Denn sie fahren ständig bei rot, fahren viel zu schnell und erschrecken Fußgänger.

Wer schreibt so etwas? Meistens Autofahrer die Angst haben, dass ihnen Straßen weggenommen werden. Nun ist es müßig dagegen zu argumentieren. Aber versuche es trotzdem. Bei uns in den Stadtteilen wurden Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Es sollte geprüft werden, ob zu schnell gefahren wird und ob Maßnahmen nötig seien. Das Fazit war, dass in den 4 gemessenen 50km/h Zonen 10 - 15 % aller Autofahrer zu schnell waren. Davon einige deutlich. In der einen gemessenen 30 km/h waren es ca. 25%. Die Stadt ist der Meinung es bestünde kein Handlungsgrund. Zwar würden knapp 20 % der Personen durch die Führerscheinprüfung fallen, aber wen juckt das schon.

Worauf ich hinaus will ist folgendes. Verkehrsvergehen bei Autofahrenden sind Kavaliersdelikte. Sie werden nicht als dramatisch wahrgenommen. Fahrradfahrer die bei einer leeren Straße bei rot fahren, das ist wirklich schlimm. Die Frage warum Fahrradfahrer bei rot an einer leeren Straße stehen müssen und es keine Ampelschaltung gibt, die dann automatisch auf grün schaltet wird nicht gestellt. Es dreht sich eben alles ums Auto.

Hier meine Erkenntnisse der letzen Monate.

  • Wenn man als Fahrradfahrer nach links abbiegen will, dann muss man in aller Regel 2 Ampeln nehmen.
  • Wenn ich auf einem Radweg parke passiert nichts. Wenn ich mein Fahrrad auf der Straße abstelle, dann kriege ich Probleme
  • Automobile sind in den letzten 15 Jahren um ca. 15% größer geworden. D.h. bei gleicher Anzahl brauchen sie noch mehr Platz. Dann schieben die Autofahrer den Fahrradfahrern die Schuld zu, weil diese einen Radweg bekommen.
  • Radwege fast immer zu schmal
  • Baustellen denken nicht an Fahrradfahrer (irgendwelche behelfsbrücken sind so schmal, dass Fahrradhänger nicht passen. Die Ausschielderung kommt zu spät und Schilder werden in den Weg gestellt).

So das musste mal raus aus meinem Kopf. Mein Fazit ist, dass Autos aus der Stadt raus müssen soweit es geht. Der Platzbedarf und der Lärm sind absurd. Daran ändern auch Elektrofahrzeuge nichts.

Kurze Anmerkung. Es gibt auch den Verweis, dass Radfahrer bitte auch für ihre Infrastruktur zahlen sollen. Das fände ich gut, denn die 2 - 5 Euro im Jahr kann ich mir leisten. Mehr ist es nicht. Die Fahrradwege kosten ein 100 mal weniger als eine Straße und der Unterhalt kostet 1000 mal weniger. Autofahrer machen sich oft nicht bewusst, dass die KFZ Steuer nicht im Ansatz ausreicht die Infrastruktur zu erhalten.

Chris

Dienstag, 27. Juli 2021

Geringe Vorstellungskraft

Wer mal sehen möchte wie gegen Fahrradfahren agitiert wird, sollte sich in die Kommentare verirren. Der kommentierte Beitrag argumentiert, dass Fahrradfahren billiger ist als Autofahren. Und zwar gesellschaftlich wie privat. Das ist ein ziemlich simpler Zusammenhang. Wenn man sich die Kosten für einen Kilometer Autobahn nimmt und dann mit einem Kilometer Fahrradweg abgleicht, dann erkennt man das sofort. Autos sind gerade in Städten teuer. Wenn dann noch die meisten Wege unter 10 km gefahren werden, fehlt mir das Verständnis, wenn gegen Fahrräder argumentiert wird. Es gibt sehr viele Beispiele in den Niederlanden oder Dänemark wo eine fahrradzentrische Stadt sehr gut funktioniert. Dem besitzstandswahrenden Boomer interessiert das nicht. Der steht lieber freiheitsliebend im Stau. Dabei sollte jeder der gerne Auto fährt die Fahrradfreundlichkeit steigern. Viele Menschen wollen einfach nur entspannt und schnell von A nach B. Mehr Radfahrer bedeutet im Umkehrschluss weniger Autos also relativ gesehen mehr freie Parkplätze, weniger Verkehr und weniger Stau. D.h. selbst als Autofahrer kann man entspannter fahren. Soweit denken diese Personen nicht. Nein Autofahren ist Wohlstand. Dass wachsende Städte gar keine andere Möglichkeit haben die Menge der Autos zu reduzieren wird ignoriert. Wieiviele Parkflächen wollen wir noch, wenn wir gleichzeitig über einen Mangel an Wohnraum jammern? Klar sind Autos teurer. Das heißt noch lange nicht, dass es dieses Mobilitätskonzept nicht mehr geben soll. Allerdings muss es reduziert werden, da zu viele Ressourcen in eine Richtung gehen, wo 1.5t einen Person bewegen, dabei Lärm und Feinstaub produzieren. Das macht selbst die Menschen krank die kein Auto haben. Wofür? Damit einige wenige die es sich leisten können, ihre Bequemlichkeit nicht aufgeben müssen. 

Chris

Montag, 30. Juli 2018

Es dauert 4 Kommentare

Wenn es um sicheres Radfahren geht, dann kommen schnell die Besserwisser auf den Plan. Langsam erkennt die Politik, dass man Radfahrer eigene Spuren geben muss, um sie und andere zu schützen. Nach 4 Kommentaren kommt im fünften die Aussage 
Radfahren wird auch ohne solchen teuren Firlefanz plötzlich ganz von alleine sicherer, wenn sich die Radfahrer endlich mal an die Verkehrsregeln halten. Kaum einer zeigt Abbiegevorhaben an. Es wird quer über alle Fahrstreifen gefahren, mit dem Queren bis zur Ampel warten kommt nicht in Frage. Und so weiter. Radfahrer gefährden sich selbst.
So oder so ähnlich schreiben es Menschen, die selten bis nie Fahrrad und meistens Auto fahren. Eine ähnliche Diskussion hatte ich an anderer Stelle. Dort wurde den Fahrradfahrern vorgeworfen eine Gefahr zu sein, weil ihr langsames Fahren zu gefährlichen Überholmanövern führe. 
Was sagt diese Aussage aber aus. Sie sagt aus, dass Fahrradfahrer durch den Autoverkehr und Fußgänger nicht gefährdet sein. Jeder der Notbremsungen durchführen muss, weil Passanten zwar schauen ob Autos kommen, aber es bei Fahrradwegen nicht so genau nehmen weiß wovon ich rede. Geschnitten werden beim Rechtabbiegen oder viel zu enges überholen sind im Repertoire von Autofahrern vorhanden. 
Es geht also sehr wohl eine Gefährdung von den anderen Verkehrsteilnehmern aus. Umgekehrt sorgt die Durchmischung zu Frust bei Passanten, weil Fahrradfahrer sich noch irgendwie durchmogeln und bei Autofahrer, weil sie hinter den Radfahrern bleiben müss(t)en.
Die Einführung von einer vernünftigen Radinfrastruktur führt zu mehr Radfahrern oder -fahrten. Wenn ich schnell von A nach B ohne Parkplatzsuche komme, ist das bei kürzeren Strecken attraktiv.  Jeder Autofahrer sollte sich viele Radfahrer wünschen, denn dann fahren weniger Autos. Kommentare wie der Obere helfen nicht weiter. Auf der Argumentation brauche ich keine Autobahnen, da Autofahrer sich selbst in die Quere kommen?! Bzw. ich bräuchte überhaupt keine Fahrbahn für Autos...

Chris