Donnerstag, 29. September 2011

Diskussionsbeitrag

Mit dem Euro, so erläutert Morici seine Kritik, sei eine Währung geschaffen worden, die an internationalen Währungsmärkten frei gegen z.B. den US-Dollar und den Yen flottierte. Der Kurs reflektiere das Gesamt der Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone, sei ein Mittelwert, der für arme Länder wie Griechenland oder Portugal zu hoch, für reiche Länder wie Deutschland und Frankreich zu tief sei: „Germany“, so erklärt Morici im BBC World Service, „profits greatly from an undervalued currency“, denke aber nicht daran, einen Teil des Profits, der auf Kosten der armen Länder der Eurozone erzielt werde, an diese Länder zurückzugeben: „Germany seems to think it can drink from the well without putting any more water in it“ [In Deutschland scheint man zu denken, man könne endlos aus der Quelle trinken, ohne Wasser nachzufüllen].

Entsprechend sieht Morici Deutschland nicht nur im Hinblick darauf in der Pflicht, einen Teil des auf Kosten der Nachbarn erwirtschaftetet Überschusses an diese zurückzugeben, sondern darüber hinaus im eigenen Land Privilegien in ähnlicher Weise abzubauen, wie dies gerade von den Griechen verlangt wird: 

So richtig die erste Aussage ist, so wenig verstehe ich die Zweite. Wenn Deutschland seine Privilegien wie hohe Renten (wird aktiv seit Jahren betrieben), Arbeitsplatzsicherheit (auch davon existiert nicht mehr viel), Urlaubzeit streicht, dann ist dies sicher kein Vorteil für die Griechen. Genau dieses Programm wurde in den letzten 10 Jahren gefahren. Die Lohnkosten wurden sukzessive gesenkt. Da Deutschland schon vor der Euroeinführung produktiver war, waren die Produkte nun noch billiger. Wie soll eine Verschärfung dieser Politik den Griechen helfen?

Chris

Kommentare:

  1. Der Herr Morici meint, Deutschland könne seine hohen Renten nur deshalb zahlen, weil wir in einer Währungsunion mit Griechenland, wovon unsere Wirtschaft profitiert, da sie so mehr exportieren kann.
    Von den hohen Gewinnen der Unternehmen wiederum profitiere der deutsche Staat durch hohe Steuereinnahmen, die er nutze, um dem deutschen Volk Vergünstigungen zukommenzulassen.
    Seiner Meinung nach sei Deutschland aber verpflichtet, diese hohen Steuereinnahmen Griechenland zu geben. Ohne Währungsunion hätte Deutschland schließlich die gleichen Probleme wie die Schweiz, deren Wirtschaft auch unter dem hohen Wechselkurs leidet.

    Einmal von der Tatsache abgesehen, daß der Kerl sich in seinem Interview ja wohl *übelst* im Ton vergriffen hat, vergißt er auch, daß die deutschen Konsumenten die griechischen Konsumenten und die deutsche Wirtschaft bereits subventionieren. Schließlich müssen sie "dank" der Währungsunion viel mehr für Importe bezahlen. Warum sollte man ihnen Kompensationen für den schlechten Wechselkurs auch noch wegnehmen?

    Ich frage mich sowieso, was das für ein Typ ist. Normalerweise gilt unter Ökonomen Konsum als das einzig Wichtige. Produktion, und folglich auch Export, ist lediglich Mittel zum Zweck, um sich Konsum leisten zukönnen. Er vertritt da eine typische merkantilischte Meinung: Exporte gut - Importe schlecht.
    Die ist aber schon einige Jahrhunderte aus der Mode gekommen. Ich frage mich, ob diese Erkenntnis eines Tages auch bei ihm ankommen wird.

    AntwortenLöschen
  2. "Die ist aber schon einige Jahrhunderte aus der Mode gekommen."

    Trotzdem werden solche Typen auch von vermeintlich Liberalen herausgebuddelt, um ihre Thesen zu untermauern. Man kann sich halt die "Experten" suchen, um die eigene Welt zu beschreiben.

    AntwortenLöschen