Dienstag, 13. September 2011

Bildung in Deutschland wird schlechter

Ich habe das Gefühl, dass die OECD die Bundesrepublik fast ausschließlich rügt. Zuerst ist es die akute Zunahme von Armut und Ungleichheit. Nun ist es die Kritik, dass das "Bildungsrepublik" Deutschland bei seiner Ausbildung hinterher hinkt. Nun ist dies einfach zu erklären. Schließlich versucht man seit Jahrzehnten ohne Konzepte, mit sinkenden Ausgaben einen höheren Standard zu erreichen. An den Universitäten gibt es kaum noch Langzeitstellen.
Ohne Doktoranden und andere Drittmittelbeschäftigte wäre vielerorts die Lehre nicht durchführbar. Budgeterhöhungen werden durch Umbuchungen realisiert. So wurden die Energiekosten der Hochschulen in den Bildungshaushalt gebucht. Der Vorteil lag nur darin, dass man höhere Ausgaben propagieren konnte. Effektiv bekamen die Hochschulen nichts dazu. Auch im Ausbildungsbereich scheint es nicht besser zu laufen. Unternehmen investieren wenig in Aus- und Weiterbildung. Vor allem tun sie es nicht, da Lohnkosten eben nur Kosten sind und keine Bezahlung für Qualität. Wie soll man ein echter Experte auf seinem Gebiet werden, wenn man als Leiharbeiter einige Monate im Unternehmen ist. Wie sollen innovative Ideen in den Firmen entstehen, wenn die Belegschaft ständig wechselt? Bildung, Ausbildung und Innovation entwickeln sich langsam und die Resultate erhält man erst nach Jahren. Da heute die tagtäglichen wirtschaftlichen oder börslichen Schwankungen deutlich wichtiger sind als langfristige Entwicklungen braucht man sich über die Rüge nicht zu wundern. Man nimmt was man kriegt heute und nicht erst in einigen Jahren. Lieber den Fisch nehmen, als das Angeln lernen. Das ist dinanzmarktdomonierte Wirtschaftspolitik.

Chris

Kommentare:

  1. In Sachen Ausbildung sind die Fluglotsen ja ein gutes Beispiel. Seit Jahren wird nicht ausgebildet, die Beschäftigten müssen den Mangel an Nachwuchs durch obligatorische Überstunden ausgleichen, streiken und zum Dank wird ihnen dann vom Arbeitgeber der schwarze Peter zugeschoben und seinerseits moniert, dass die Lotsen den Tarifstreit auf dem Rücken der armen Kunden austragen...

    Pervers, wie sich die Schuldigen immer im Hintergrund halten...

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  2. "Pervers, wie sich die Schuldigen immer im Hintergrund halten"
    Die kommen nur nach vorne, wenn es Quartalszahlen zu feiern gibt. Dann werden die Effizienz und Großartigkeiten der freien Marktwirtschaft gepriesen. Die Opfer und Kosten werden selten beleuchtet.

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