Freitag, 2. August 2013

Die INSM fordert: Helft den Schwachen

Michael Hüther meint man solle die Armen stärken. Natürlich sollen dafür keine neuen Steuern verlangt, oder die Reichen belastet werden. Denn seiner Meinung nach gibt es das Phänomen,  dass die Reichen reicher und die Armen ärmer werden nicht. Das versucht er mit folgendem Schaubild zu belegen. Leider widerlegt dieses Schaubild gar nichts. Wenn der Median gleich bleibt, und die unteren 14.6% die Hälfte ihres Einkommens verlieren würden und es auf die oberen 3.5% aufgeschlagen wird, dann ändert sich am Schaubild nichts. Dennoch sind die Reichen reicher geworden.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Median eben nicht gleich geblieben ist. Er ist von Anfang der 90er - 2000er gestiegen und dann leicht gesunken. Eine Umverteilung von Arm zu reich ist also durchaus möglich. Nach ein wenig Hetze gegen eine Vermögenssteuer kommt er zum Kern.
Das geeignetste Mittel gegen Armut ist ohnehin ein anderes: Bildung! Schulische Ausbildung und berufliche Qualifikation sind die Grundlagen, um Teil des Arbeitsmarktes zu werden und damit der beste Schutz gegen Armut.

Das ist das zentrale Lei(d)tthema der Armutsbekämpfung neoliberaler Professoren. Diese Aussage ist leider ist nur teilweise richtig. Bildung ist eine relative Größe. Wenn alle Abitur machen, dann sind alle gebildeter, aber die Arbeits- und Lohnverteilung wird sich nicht viel ändern. Wenn dann alle studieren, dann putzt ein Arzt die Häuser, da es bspw. zu viele Ärzte gibt. Er wird aber nicht mehr Geld fürs putzen bekommen. Bildung hilft also nur partiell. Denn wenn das Angebot hochgebildeter Personen steigt, dann sinken auch die Löhne der Berufe die diese Qualifikation benötigen. Als Wirtschaftsprofessor sollte man das eigentlich wissen. Da sich Herr Hüther nur in den Chor einreiht soll ihm verziehen sein. Die Folgerung ist dann wie immer:
Gleiche Startchancen für alle: das ist gerecht!

Eine nette aber absurde Forderung. Nehmen wir an alle Kinder erhalten die gleiche Bildung. Sie leben dennoch nicht in gleichartigen Stadtteilen, sie erhalten nicht die gleich gute Ernährung, außerschulische Bildungs- und Sportangebote sind ungleich verteilt. Die Netzwerke der Eltern sind auch nicht gerade unwichtig. Die Startchancen sind also nicht gleich. Man wird sie auch nicht gleich bekommen in einer ungleichen Gesellschaft. 
Wie soll das gehen, wenn die wohlhabendsten Personen ihre Kinder in private Schulen schicken und gleichzeitig Steuerzahlungen vermeiden? Wieso sollten diese Menschen ein Interesse daran haben, dass öffentliche Schulen gut funktionieren. Selbst wenn man annimmt, dass die Spendenbereitschaft steigt, so würden diese Menschen eher in Bereichen Spenden, welche interessant für den Spender sind (Ausbildungsstätte der Kinder, eigener Sportverein, kulturelle Einrichtungen die man besucht, etc.). Eine etwas gleichere Gesellschaft führt zu mehr Chancengleichheit. Die Stadtteile sind deutlich durchmischter (keine Trennung zwischen Arbeitlosen und Akademikern). Man lebt wieder miteinander und nicht nebeneinander. Solche Dinge werden aber komplett ausgeblendet. Das gesellschaftliche Umfeld eines Menschen ist nicht besonders groß. Ist die soziale Mischung klein, dann entwickeln sich Parallelwelten. Die Sorgen und Nöte der anderen interessieren nicht, oder man kann sie nicht begreifen. 
Ein Manager, der Millionen verdient sieht in seinem Umfeld, dass nur diejenigen die viel Arbeiten viel Geld verdienen. Sein Umkehrschluss ist natürlich, dass Arbeitslose zu faul sind. Er kann nicht begreifen, dass es nicht nur die Arbeit ist die ihn in seine Position gebracht hat und dieser Weg für viele Menschen fast vollständig verschlossen ist. Aus diesem Grund akzeptiert er nicht, dass man armen Menschen hilft. Sie sind ja selber Schuld an ihrer Misere. Da der Staat es trotzdem tut, weicht man aus und zahlt keine Steuern mehr und fühlt sich im Recht. Denn schließlich sind Steuern Diebstahl. Hüther bedenkt das alles nicht. Ein bisschen Bildung und die Forderung nach gleichen Startchancen, das reicht einem neoliberalen Professor schon.

Chris

Kommentare:

  1. Dieses "Chancengeichheits-Gequatsche" führt vor allem auch dazu, dass man am Ende behaupten kann, dass die Armen selbst für ihre Armut verantwortlich sind. Schließlich hatten sie alle die gleichen Startchancen und sie haben sie nicht genutzt.

    Und Hüther ist ein bezahltes Mietmaul. der kann und will gar nichts anderes sagen. Selbst wenn die gesamte Realität um ihn herum völlig anders ist als seine "Wirtschafts-Theorien", dann irrt die Realität, aber nicht er.

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    1. Stimmt genau. Man muss besonders vorsichtig sein, wenn einer wie Hüther für die Armen spricht.

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