Dienstag, 26. Juli 2011

Kochrezepte für einen lobbyismustauglichen Artikel

Man nehme einen Professor der Wirtschaftswissenschaften, eine Steuerschätzungsstatistik und deren Mehreinnahmenprognosen. Dazu vernachlässige man den parteipolitischen Hintergrund des Professors und Tatsache der Unsicherheit der Steuerschätzungen.

Schon hat man einen Artikel an dem man scheinbar seriös die unbedingte Senkung der Steuern argumentieren kann. Dabei ist die Sache furchtbar einfach. Es werden die Eurokrise und die Nichtvorhersagung der Finanzkrise nicht berücksichtigt. Obwohl Deutschland einige andere Euroländer, letztendlich seine eigenen Banken, mit Hilfe eines Rettungsfonds stützt, werden diese Mehrausgaben nicht betrachtet. Auch das Exportmärkte in der Eurozone aufgrund der Sparpakete wegbrechen ist uninteressant. Da wird lieber Dauerwachstum propagiert. Das die Steuereinnahmen 2012 vorraussichtlich diejenigen von 2008 erstmalig überschreiten, obwohl die Kaufkraft sehr wohl abgenommen hat interessiert ebensowenig. Solche Dinge passieren natürlich immer dann, wenn man absolute, relative und reale Zahlen je nach Notwendigkeit vermischt. In realen inflationsbereinigten Einnahmen sieht es sicher nicht so rosig aus, wie es präsentiert wird. Ich wäre gespannt, wie der Herr Professor bei solch offensichtlicher Vermischungen bei einer Diplom oder Masterarbeit reagieren würde. Der Student hätte nichts zu lachen. Als Professor darf man unscharf bleiben, um seine Interessen zu vertreten.

Chris

Kommentare:

  1. Äh ja, wenn der Prof die Einnahmen nicht deflationiert, ist das also völlig inakzeptabel. Wenn dieser gute Kerl die Löhne völlig willkürlich deflationiert, um die Zahlen zu manipulieren und so zu apokalyptischen Aussagen kommen zu können, wird das kritiklos verlinkt. http://endlessgoodnews.blogspot.com/2011/06/truth-about-economy.html
    Das verstehe wer will.

    Im Übrigen ist es auch völlig egal, ob die Steuereinnahmen nun deflationiert werden oder nicht. Das Problem ist, daß der deutsche Staat zu viel Geld verpraßt, das er seinen Bürgern erst wegnehmen mußte. Länder wie die Schweiz kommen mit wesentlich weniger aus. Das ist eine Folge der Dezentralisierung der Schweiz, weswegen viele Liberale auch so sehr für einen Wettbewerbsföderalismus eintreten.

    Der parteipolitische Hintergrund des Profs ist glaube ich auch egal. Die allermeisten VWLer sind liberal. Ausnahmen wie Bofinger, der sich von den Gewerkschaften hat kaufen lassen, bestätigen die Regel.

    AntwortenLöschen
  2. "Im Übrigen ist es auch völlig egal, ob die Steuereinnahmen nun deflationiert werden oder nicht."

    Warum? Steigen die Löhne,Energie- und Materialkosten im öffentlichem Bereich nicht an?

    "Wenn dieser gute Kerl die Löhne völlig willkürlich deflationiert, um die Zahlen zu manipulieren und so zu apokalyptischen Aussagen kommen zu können"

    Werten sie die Einkommensentwicklung der USA inflationsbereinigt aus und zeigen sie mir die Willkür.

    "Das Problem ist, daß der deutsche Staat zu viel Geld verpraßt"
    Ich gebe ihnen recht. Die Bankenrettung, Bankensubvention, Subvention der Billiglohnanbieter, das ist eine Riesenverschwendung. So etwas gibt es tatsächlich in der Schweiz nicht.

    "Das ist eine Folge der Dezentralisierung der Schweiz"
    Die Dezentralisierung ist in Deutschland in einigen Bereichen ein großes Problem. So werden die Steuern nicht vernünftig von hohen Einkommen und großen Unternehmen geprüft, da Mehreinnahmen nicht zu hundert Prozent dem Landeshaushalt (welcher sie prüfen muss) zu gute kommen. Bei einer zentralen Prüfung wäre die Steuergerechtigkeit deutlich besser gewährleistet. Zahlen die Spitzeneinkommen nicht ihren Anteil wird dieser auf den Rest umgelagert.

    "Der parteipolitische Hintergrund des Profs ist glaube ich auch egal."
    Die FDP ist aber nicht liberal. Mit seinem Artikel wird "wissenschaftlich" die Forderung einer Steuersenkung untermauert und zwar von einer Partei die sehr wohl die Bankenrettung, als auch den Griechenlandfond und die Schuldenbremse befürwortet. Ziemlich schizophren.

    "Bofinger, der sich von den Gewerkschaften hat kaufen lassen"
    Weil jemand eine andere Meinung vertritt ist er gekauft? Von wem ist Krugman gekauft, oder Flassbeck, oder Stieglitz. Sie alle vertreten deutlich andere Meinungen als Paque und Co.

    AntwortenLöschen
  3. "Weil jemand eine andere Meinung vertritt ist er gekauft?"
    Natürlich hat Bofinger sich kaufen lassen. Vier der fünf Wirtschaftsweisen sind ständig einer Meinung. Nur derjenige, der nicht nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten berufen wurde, sondern von den Gewerkschaften vorgeschlagen, kann sich der Meinung nicht anschließen. Und das soll Zufall sein?
    Die gleiche Logik hast *du* vor Kurzem zum Thema Klimawandel verwerndet. Erinnerst du dich?
    So extreme Ansichten hat Krugman übrigens auch nicht. Er äußert sie nur sehr viel lauter als die meisten Anderen.


    "Die FDP ist aber nicht liberal."
    Nun ist die FDP wirklich nicht sehr liberal. Aber sie ist von allen deutschen Parteien noch die am wenigsten Schlechte (wenn auch arg bonzig). Banken- und Griechenland-Rettung sind doch in der FDP so *überhaupt* nicht populär. Das wurde nur gemacht, weil die CDU das will. Wie kommst du darauf, daß sie das toll findet?

    "Bei einer zentralen Prüfung wäre die Steuergerechtigkeit deutlich besser gewährleistet."
    Steuergerechtigkeit ist gegeben, wenn jeder die gleiche Summe zshlt. Die Kopfsteuer ist schon lange abgeschafft.

    "Ich gebe ihnen recht. Die Bankenrettung, Bankensubvention, Subvention der Billiglohnanbieter, das ist eine Riesenverschwendung."
    Schön, daß du dich für den Machesterkapitalismus ohne Bankenrettung einsetzt. Weiter so!

    "Werten sie die Einkommensentwicklung der USA inflationsbereinigt aus und zeigen sie mir die Willkür."
    Der Kerl hat den *Anteil* der Löhne am BIP verglichen. Aber nur die Löhne, nicht das BIP deflationiert. Wenn es nur um den Anteil geht, braucht man überhaupt nicht zu deflationieren. Das hat er nur getan, weil dann der *Anteil* der Löhne am BIP deutlich sinkt und er dann behaupten dann Die-Armen-werden-immer-ärmer-und-die-Reichen-immer-reicher, obwohl das gar nicht stimmt.
    Was er da getan hat, ist extrem unehrlich. Viel, viel schlimmer als Paqués Nicht-Deflationieren.

    AntwortenLöschen
  4. "Vier der fünf Wirtschaftsweisen sind ständig einer Meinung."
    Schauen sie sich die Berufungskriterien an. 3 werden von der Bundesregierung gestellt und je einer aus Wirtschaft und von den Gewerkschaften. Steht die Bundesregierung nah bei der Wirtschaft, dann legitmiert sie sich "wissenschaftlich" ihre Sozialkürzungen, Steuersenkungen, Arbeitsmarktliberalisierungen, etc.
    Nur weil 4 Ökonomen einer Meinung sind heißt das noch lange nicht, dass sie wissen wovon sie reden. Die Trefferquote bei den Wirtschaftsvorhersagen der Weisen war unglaublich schlecht so weit ich mich erinnere.

    "Aber sie ist von allen deutschen Parteien noch die am wenigsten Schlechte"
    Was hat diese Partei wirklich erreicht? Röslers Gesundheitsreform war mehr als ein Flop. Er begünstigte massiv die Pharmaindustrie zu ungunsten der Krankenkassen. Der Gesundheitsfond ist ein Witz und seine Personalpolitik zeigt, dass er sehr nah an den privaten Kassen steht. Über die Mehrwertsteuersenkung will ich gar nicht schreiben.

    "Steuergerechtigkeit ist gegeben, wenn jeder die gleiche Summe zshlt."
    Dann sollte auch jeder nur die gleiche Leistung erhalten. Das heißt xx Euro an Eigentum sind garantiert. Der Rest muss selbst geschützt und rechtlich legitimiert werden. Die Profiteure unseres Staatssystems sollen sich natürlich mehr beteiligen als die Verlierer. Einige Millionäre verstehen das. Gerade die mittlere bis obere Mittelschicht versteht das meistens nicht, obwohl sie streng genommen zu den verlierern zählen.

    "Aber nur die Löhne, nicht das BIP deflationiert. "
    Er sagt das BIP habe sich verdoppelt. Das hat es sich auch und zwar inflationbereinigt. Und er sagt die Löhne sind inflationsbereinigt gesunken und das stimmt ebenfalls.

    http://www.pdwb.de/nd23.htm

    "obwohl das gar nicht stimmt."
    Ist das so? Die Zahl der Lebensmittelkartenbezieher steigt und die Vermögen der Superreichen sind wieder auf dem Stand von 2007. Wie geht das?
    http://www.querschuesse.de/food-stamps-mit-neuem-rekord/

    AntwortenLöschen
  5. Natürlich betreibt die FDP Klientelpolitik und will die Apotheker nicht vergraulen. Und natürlich ist das schlecht. Aber, was bspw. Ulla Schmidt so getrieben hat, war doch noch viel schlimmer. So läuft das eben in der Politik. Die SPD macht das genauso. Sie hat eben nur eine andere Klientel.

    Und was die fünf "Weisen" angeht. Vier davon sind wirklich normalerweiser einer Meinung, ganz gleich, von welcher Regierung sie berufen wurden.
    Das an sich beweist natürlich noch lange nicht, daß sie auch Recht haben. Aber mit der Logik kann man auch behaupten, Klimawandel gibt es nicht. Schließlich behaupten das einige von der Industrie bezahlte Studien.

    Der Sachverständigenrat ist auch nicht nur damit beschäftig eine Prognose zur wirtschaftlichen Entwicklung abzugeben, sondern gibt auch ganz allgemein Empfehlungen zu allen möglichen Politikbereichen ab, bspw. Gesundheitsreform oder Arbeitsmarkpolitik. An diese Empfehlungen hält sich die Politik nur nie, oder folgt lieber dem, was Bofinger sagt. Was natürlich zu Arbeitslosigkeit führt...

    Im langjährigen Mittel ist deren Prognose auch gar nicht schlecht. Linke behaupten das gerne und "beweisen" das, indem sie nur die letzten Jahre betrachten, als es dem Rat nicht gelungen ist die Wirtschaftskrise vorherzusagen und sie stattdessen Wirtschaftswachstum prognostizierten.
    Vom statistischen Standpunkt aus ist das aber falsch. Man muß alle Daten betrachten und nicht nur die paar, die die eigene, vorgefaßte Meinung bestätigen.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Cherry_picking_%28fallacy%29

    AntwortenLöschen
  6. Der Unterschied ist, dass Ulla Schmidt nicht gesagt hat, dass sie bei einer schlechten Reform das Ministerium verlässt. Rösler tat es und ist nicht gegangen.

    "Aber mit der Logik kann man auch behaupten, Klimawandel gibt es nicht."
    Ein neoliberaler Professor wird keine Konjunkturprogramme fordern. Nicht weil er weiß, dass diese nicht funktionieren, sondern weil er es meint zu wissen. Die Änderung der Temperatur und des Klimas ist messbar.

    "Was natürlich zu Arbeitslosigkeit führt..."
    Ich kann mich nicht erinnern, dass Bofinger eine Ausweitung des Niedriglohnsektors gefordert hat, welcher maßgeblich in den letzten Jahren zu einer Schwächung des Binnenkonsums führte. davon abgesehen behaupten alle Ökonomen nur sie verstünden warum es zu Arbeitslosigkeit kommt. Wissen tut es eigentlich keiner.

    Das die Politik den Vorschlägen nicht folgen soll stimmt so auch nicht ganz. Man siehe hier den 20 Punkte Masterplan zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation. Sieht man sich die Ergebnisse an, dann darf man zu Recht über diese Weisen lachen.

    http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/download/gutachten/02_ges.pdf


    "Im langjährigen Mittel ist deren Prognose auch gar nicht schlecht."
    Dazu habe ich keine Quelle gefunden und würde mich gerne belehren lassen.

    Das die Krise nicht vorhergesagt wurde ist in meinen Augen schwerwiegend. Selbst mir als Nichtweise war klar, dass bei einer Finanzkrise in den USA Deutschland Probleme bekommen wird. So kam es dann auch.

    AntwortenLöschen
  7. Nun dort kann man z. B. eine Zeitreihe der Prognosefehler sehen. GIYF: sachverständigenrat prognose wirtschaftswachstum
    http://www.econstor.eu/dspace/bitstream/10419/41326/1/358506042.pdf
    Der Artikel ist zwar kritisch, mein Punkt ist aber auch nur, daß die Prognosen des Rates besser sind als eine naive Nächstes-Jahr-Wächst-Die-Wirtschaft-Wie-Dieses-Jahr-Prognose.

    Ansonsten glaube ich weiter an den Grundsatz: Prediction is very difficult, especially about the future.

    Auch einem Wolfgang Franz war wohl klar, daß die deutsche Wirtschaft leidet, wenn die amerikanische schrumpft. Die Frage ist nur, ob man im Vorfeld so genau sagen kann, wann das passieren wird.

    Welche der zwanzig Punkte wurden denn bitteschön umgesetzt? In Deutschland herrscht strukturelle Arbeitslosigkeit. Nachfragelücken können höchstens in einer Wirtschaftskrise zu Arbeitslosigkeit führen. In Deutschland ist das Problem, daß es sich für schlecht Ausgebildete nicht lohnt eine Arbeit anzunehmen. Oder anders ausgedrückt, es lohnt sich für Arbeitgeber nicht, solchen Leuten eine Stelle anzubieten. Das steht auch so explizit in dem Gutachten. Wir haben kein Problem mit der Binnennachfrage.
    Die ganze Logik kann überhaupt nicht funktionieren. Im internationalen Wettbewerb führen höhere Löhne bei uns nur dazu, daß Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden. Selbst wenn wir einen abgeschotteten Markt hätten, würden höhere Löhne nur zu Inflation führen, da die Produktionskosten steigen. In keinem Fall führen sie zu höherer Nachfrage. Das ist logisch unmöglich.

    Warum weiß man nicht, wie Arbeitslosigkeit entsteht? Absolute Gewißheit gibt es natürlich in keiner wissenschaftlichen Disziplin. Aber darum geht es doch hier nicht oder?

    Auch ein Neoliberaler kann Konjunkturprogramme fordern. So groß sind die Unterschiede unter den meisten VWLern nicht. Und daß viele Leute Dogmatiker sind und Probleme haben von ihren alten Denkmustern abzuweichen, will ich doch gar nicht leugnen. Ich streute mich doch die ganze Zeit mit so jemandem. ;-)

    AntwortenLöschen
  8. Der Prognosefehler für das nächste Jahr liegt bei über 20%. Das liegt wahrscheinlich noch im Rahmen, wird für langfristige Berechnungen aber sicher nicht besser. Somit sind die Vorschläge für eine langfristige Wirtschaftspolitik beim Sachverständigenrat wahrscheinlich nicht besser als irgendwo sonst. Interessant ist, dass die Qualität der Vorhersagen abnimmt.

    "Welche der zwanzig Punkte wurden denn bitteschön umgesetzt?"
    Zusammenlegung der Sozialhilfe mit dem Arbeitslosenhilfe. Reduzierung des Erhalts des Arbeitslosengeldes auf 12 Monate. Flexiblilisierung des Arbeitsmarktes. Sicherlich wurde nicht alles verwirklicht, aber schon ein Teil.

    "Nachfragelücken können höchstens in einer Wirtschaftskrise zu Arbeitslosigkeit führen."
    Damit gehen sie von idealen Märkten aus. Das ist eine sehr harte Annahme. Vor allem beim Arbeitsmarkt. Menschen kann man nicht einfach wie Güter hin- und herschieben. Wenn sie ein Haus in München haben, dann werden sie nicht nach Hamburg ziehen und ihr Partner nach Köln weil es da Arbeit gibt. Zwei Mieten + die Hypothek fürs Haus lohnt sich nicht. Somit ist es dann günstiger einen Job anzunehmen und der andere bleibt Arbeitslos.


    "In Deutschland ist das Problem, daß es sich für schlecht Ausgebildete nicht lohnt eine Arbeit anzunehmen."
    Das ist Unsinn. Sie müssen die Arbeit annehmen ob sie wollen oder nicht. Wenn es 400 tausend freie Stellen gibt, aber 4 Millionen Arbeitslose, dann erklären sie mir wie alle Arbeit finden sollen.

    "Wir haben kein Problem mit der Binnennachfrage."
    Haben wir nicht. Wieso ist der Einzelhandelsumsatz beim Stand von 2000 trotz Wachstum?

    "Im internationalen Wettbewerb führen höhere Löhne bei uns nur dazu, daß Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden"
    Jaein. Es werden aber auch welche auf dem Binnenmarkt geschaffen.

    "würden höhere Löhne nur zu Inflation führen, da die Produktionskosten steigen. "
    Jaein. Höhere Löhne führen erst dann zu Inflation, wenn die Produktion ausgelastet ist.
    Denn es wird ja auch mehr verkauft, da die Kaufkraft steigt. Das heißt man kann durchaus durch höhere Lohnkosten und mehr verkauften Produkten mehr Gewinn machen, da die Stückpreise aufgrund der größeren Auslastung sinken.

    "In keinem Fall führen sie zu höherer Nachfrage"
    Was führt denn dann zu einer höheren Nachfrage? Löhne sind es nicht. Da man Gewinne als eben solche für die Aktionäre ansehen kann, sind diese es auch nicht. Warum soll man investieren, wenn nicht mehr konsumiert wird aus diesem Bereich? Also fallen auch die Investitionen weg. Wer zaubert denn die Kaufkraftsteigerung herbei. Irgendwo muss sie herkommen, denn Wachstum wird in manchen Ländern nicht nur über den Export generiert, sondern über den Binnenmarkt mir deutlichen Lohnsteigerungen.

    "Warum weiß man nicht, wie Arbeitslosigkeit entsteht?"
    Nun warum entsteht sie denn strukturell? Das Standardargument ist, dass die Löhne zu hoch sind. Das halte ich für etwas zu einfach, da Löhne nur ein Faktor von vielen ist. In einer Volkswirtschaft sind die Ausgaben des Einen, die Einnahmen des Anderen. Somit können hohe Löhne nicht nur ein Problem darstellen.
    Es gibt da zum Beispiel auch die Finanzmarktlogik. Führt man Entlassungen durch, dann steigen die Aktienpreise und dies ist sehr gut für die Aktionäre und Manager. Somit waren nicht die Löhne zu hoch, denn eventuell hätten die Fähigkeiten der Mitarbeiter mittelfristig viel mehr Gewinn erbracht, sondern der kurzfristige Gewinngedanke lag im Fordergrund. Mangelnde Ausbildung wird auch oft vorgebracht. Aber in Deutschland gibt es sehr viele Facharbeiter die arbeitslos sind.

    AntwortenLöschen
  9. "ihren alten Denkmustern"
    Dito. Ihre Annahmen sind einfach zu hart. Ideale Märkte, Löhne die automatisch Inflation bewirken. Das alles ist ein kann aber kein muss. Sie glauben bestimmt auch an das Märchen der höheren Investitionsrate bei niedrigeren Zinsen. Die Welt ist nicht ganz so einfach. Gute Ökonomen sagen, dass sie Tendenzen zu erkennen glauben. Schlechte Ökonomen sagen, dass sie wissen.

    AntwortenLöschen