Donnerstag, 9. Februar 2012

Irrsinn mit Methode?

Kann mir einer diesen Irrsinn erklären. Die Mindestlöhne sollen um 22 Prozent gesenkt werden. Das entlastet den Staatshaushalt inwiefern?  Die Löhne der Privatwirtschaft werden eingefroren bis die Arbeitslosenquote auf 10 Prozent gefallen ist. Gleichzeitig wundert man sich über wegbrechende Steuereinnahmen und eine Rezession.  Wenn ich die Löhne eines Landes senke, senke ich die Einnahmen aus der Lohnsteuer. Gleichzeitig hackt der Konsum. Somit bricht auch die Mehrwertsteuer ein. Da weniger konsumiert wird, werden Menschen entlassen, die Arbeitslosigkeit steigt und die Sozialsysteme werden zusätzlich belastet. Somit steigen die Ausgaben und die Einnahmen sinken. Das Rezept gegen diesen Irrsinn ist eine weitere Senkung der Löhne, weitere Entlassungen im öffentlichen Dienst und weitere Kürzungen bei den Investitionen. Wer sind diese "Experten", woher kommen sie und warum zerstören sie Griechenland in einer Form wie es nur eine Naturkatastrophe gekonnt hätte? Warum müssen Menschen leiden nur, weil ein von Mensch gemachtes Dogma erfüllt werden muss? 
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Griechen sich diese Politik auf Dauer gefallen lassen. Die Deutschen taten es in den 1930ern auch nicht. Die sogannten "Experten" sind wahrscheinlich gut im Ökonomiemodellanwenden, aber sehr schlecht in Geschichte. 

Chris

Kommentare:

  1. Diesen "Irrsinn" verstündest Du auch, wenn Du Ahnung von VWL besäßest.
    Arbeitslosigkeit entsteht mittelfristig (über kurzfriste Gründe werden Dir Keynesianer sicher Auskunft geben können), weil die Löhne im Verhältnis zur Produktivität zu hoch sind oder der Arbeitsmarkt andere strukturelle Probleme hat, wie bspw. mangelnde Felixibilität. Genau das ist in Griechenland der Fall.

    Deiner merkwürdigen Logik nach, reicht es ja völlig aus, den Mindestlohn einfach auf 8 Fantastilliarden zu setzen und alle Probleme wären gelöst. Der Staat hätte unglaubliche Stuereinnahmen aus der Lohnsteuer und die Menschen könnten so viel konsumieren wie noch nie. Gleichzeitig könnten sie auch noch unglaublich viel sparen und damit für langfristiges Wirtschaftswachstum sorgen. Da würde die Wirtschaft aber brummen! ,-)

    Ist es nicht merkwürdig, daß noch nie jemand so eine einfache und so tolle Lösung ausprobiert hat? Könnte es vielleicht damit zusammenhängen, daß das Problem in Wirklichkeit viel komplizierter ist?

    Ein Mindestlohn funktioniert nämlich sowieso nicht. Entweder er ist niedrig und dann hat er überhaupt keinen Einfluß oder er ist hoch und dann führt er zu Arbeitslosigkeit. Selbst wenn er wirklich einen Einfluß hätte und die Arbeitgeber gezwungen wären, die höheren Löhne zu zahlen (und nicht die Leute entließen), würde das auch nur zu Inflation führen und nicht zu höheren Reallöhnen. Dann hätten die Arbeitgeber nämlich plötzlich viel höhere Produktionskosten, die sie an die Konsumenten weitergeben müßten.

    Studier doch mal VWL. Dann müßte ich das nicht erklären!

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  2. @Egge

    "Ein Mindestlohn funktioniert nämlich sowieso nicht."

    Nur weil VWL Modelle, welche im übrigen nicht besonders gut funktionieren und unter Annahmen nur so platzen, das behaupten stimmt das noch lange nicht. Empirisch Studien konnte bisher keine klare Aussage treffen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mindestlohn#Internationale_Befunde

    "oder der Arbeitsmarkt andere strukturelle Probleme hat"
    Könnte ein strukturelles Problem nicht einfach darin bestehen, dass die Nachfrage zu gering ist? Dies könnte an dem drastischen Sparprogramm liegen, oder etwa nicht.

    Die Senkung der Mindestlöhne kann nicht funktionieren. Die Nachfrage auf dem griechischen Binnenmarkt wird noch geringer und kein Unternehmen wird einstellen oder investieren. Somit entsteht keine Arbeit.

    Bleibt also nur der Export. Da muss man sich nur die Frage stellen wie realistisch es ist, dass Deutschland mehr importiert als exportiert. So lange wir in der Ideologie leben, dass nur postive Exportbilanzen gut sind wird es nicht passieren. Wie sollen aber die Griechen ihre Schulden zurückzahlen, wenn sie nicht mehr nach Deutschland exportieren dürfen?

    Zielführender als die griechische Wirtschaft mit Hilfe eines Brünnning 2.0 Plans zu zerstören, könnte Deutschland auch einfach seine Löhne erhöhen und den Import zulassen. Das würde aber bedeuten, dass die Euroländer kooperieren anstatt zu konkurieren. Eine scheinbar nicht tragbare Vorstellung.

    "Genau das ist in Griechenland der Fall."
    In Griechenland ist der Fall, dass dort die Löhne stärker gestiegen sind als die Produktivität. In Deutschland sind sie zu schwach gestiegen. Beide haben gegen die Vorgaben verstoßen. Nun könnte man langfristig einen Angleich durchführen. Stattdessen treibt man Millionen Griechen in die Armut. Wo ist das Ökonomisch sinnvoll?

    "würde das auch nur zu Inflation führen und nicht zu höheren Reallöhnen"
    Warum? Das ist nicht zwingend. Die Preise steigen erst wenn die Kosten steigen. Steigen die Löhne, steigen nicht zwangsläufig die Kosten. Das gilt nur, wenn 100% Kapazitätsauslastung herrscht und 100% der produzierten Güter verkauft werden. Ist dies nicht der Fall, dann kann ein höherer Lohn dafür sorgen, dass mehr verkauft wird somit die Auslastung der Produktionsstätten steigt und in der Summe die Lohnstückkosten sogar sinken, da die Produktivität stärker steigt. VWL ist immer vollgestopft mir Annahmen. Sie setzen einen relativ idealen Zustand vorraus. In Deutschland sind wir weit von einer optimalen Auslastung entfernt.

    "8 Fantastilliarden zu setzen"
    Sehr gut, dann gehen wir ihre Logik konsequent durch. Senken sie die Löhne auf Null und niemand ist arbeitslos und alles funktioniert super.

    Wir haben es mit einem hochgeradig nichtlinearen System zu tun. Woher wissen sie das 22% reichen? Vielleicht würden es auch 1% sein ode aber 50%. Wenn Mindestlöhne in die eine Richtung nichts bringen, dann bringen sie auch in die andere nichts.

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  3. @Egge
    Ja die sogenannten Wissenschaften BWL und VWL.

    Sie tun so als gäbe es in jedem Unternehmen eine festgelegte Lohnsumme, die, wenn die Einzellöhne gesenkt werden, dann auf mehr Angestellte verteilt wird, aber so funktioniert das natürlich nicht.
    Wann stellt ein Unternehmer neue Leute ein?
    Wenn er das vorhandene Auftragsvolumen mit den vorhandenen Kapazitäten nicht erfüllen kann.
    Denn was sollten die zusätzlichen Leute für ihn tun? Rumstehen? Kein Unternehmer stellt Leute ein die er nicht braucht, egal wie billig sie sind, denn sie nicht zu haben ist noch billiger.
    Das Senken der Löhne interessiert ihn nur auf der Gewinnseite. Alles andere ist zutiefst unlogisch.
    Aber es ist ein neoliberales Dogma das niedrige Löhne zu mehr Arbeitsplätzen führen. Das Gegenteil ist der Fall, denn niedrigere Löhne sorgen ja auch dafür das der Markt an Potenz verliert. Man muss schon Angebot UND Nachfrage betrachten. Die einseitige Konzentration nur auf die Angebotsseite führt zu nichts, sondern ist eben nur Teil des Gesamtbildes. Die Neolibs vergessen mit einigem Fleiss das Arbeiter und Angestellte auch Kunden sind. Ein dummer Fehler der nur durch ideologische Verblendung zu erklären ist.
    Man sieht in Deutschland sehr gut was dabei rauskommt, nämlich ein völlig am Boden liegender Binnenmarkt.
    Das geleistete Volumen an Arbeitsstunden hat sich seit mehr als 10 Jahren nicht erhöht, oder einfacher gesagt es entstehen keine neuen Arbeitsplätze. Um das zu verschleiern werden die offiziellen Arbeitslosenzahlen gnadenlos manipuliert und Vollzeitstellen in prekaere Arbeitsplätze aufgespalten.
    Sie wollen jetzt also in Griechenland die Löhne solange senken bis diejenigen, die dadurch weniger verdienen endlich mehr ausgeben? Wenn sie das für logisch und rechenbar halten sollten sie sich dringend bei ihrem alten Mathelehrer und ihrem VWL-Professor beschweren.

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  4. "Kein Unternehmer stellt Leute ein die er nicht braucht, egal wie billig sie sind, denn sie nicht zu haben ist noch billiger."

    Aus diesem Grund werden Unternehmen die Gewinne aufgrund von Steuersenkungen erhöhen auch nicht anfangen zu investieren.

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  5. Testfeld Griechenland. Bürgerkrieg. Niederschlagung. Üben für die Zukunft.

    Dr. M. Geysir

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