Mittwoch, 8. November 2017

Gedanken zur Freiheit

Staatsbürgerliche Freiheit ist solange eine Illusion, als sie nicht auch auf die wirtschaftlichen Grundfreiheiten der Freizügigkeit von Kapital und Arbeit, des Rechtes auf Privateigentum und auf Sicherung ehrlichen Gewinnes gegründet ist

Alfred Müller-Armack, 1901 - 1978, deutscher Nationalökonom, Kultursoziologe

Warum fokussieren sich Ökonomen immer so auf Gewinn, Geld und Wirtschaft, wenn es um Freiheit geht. Die Aussage lässt sich einfach widerlegen. Selbst wenn die genannten Freiheiten gelten, kann man unfrei sein. Das ist genau dann der Fall, wenn man kein Kapital hat. In einer kapitalistischen Gesellschaft, kann jeder theoretisch überall hinreisen. Allerdings benötigt er dafür Geld. Jeder kann überall wohnen. Dafür benötigt man ebenfalls Geld. Man kann theoretisch auch überall arbeiten und ein Unternehmen aufbauen. Dafür braucht man eine Nachfrage nach der Arbeit, bzw. wieder Geld.

Freiheit ist in einer kapitalistischen Gesellschaft im Grunde nur dann gegeben, wenn Geld keine Rolle spielt. Je ärmer man ist, desto unfreier wird man. Die Rahmenbedingungen und Gesetze sind egal. Das Ergebnis zählt. Wenn jemand nicht reisen kann, weil es ihm verboten ist oder weil er nicht das Geld hat, spielt im Ergebnis keine Rolle. Einmal sehen liberale Ökonomen die Unfreiheit der Gesellschaft, ein anderes Mal die Freiheit der Selbigen. 

Letztenendes hat beides die gleiche Ursache; eine Konzentration von Macht. Im einen Falle politisch staatlicher Macht. Im anderen Fall ist es soziale und ökonomische Macht. Aus beiden entsteht Unfreiheit, wenn sie zu konzentriert ist. Mich erstaunt, dass für liberale Ökonomen die wirtschaftliche Macht und die Ungleichheit einer Gesellschaft keine Rolle spielen. Dabei sind die Ergebnisse der Unterdrückung und Unfreiheit die Gleichen. Die Rechtfertigung wechselt vom staatlichen Druck hin zum Dogma der herbeifantasierten unsichtbaren Hand.

Chris

Kommentare:

  1. bezogen sich - bis einige Ausnahmen während der Nachkriegszeit des 2. Weltkrieges - eigentlich nur auf die finanziell gut situierte Schicht, der Rest war und ist für Liberale nicht existent, menschlicher Abschaum, bestenfalls Betriebsmittel! Nur die Freiheit der Haute Bourgeoisie zählt mit dem Argument, dass so wenigstens ein paar Menschen frei sind im Gegensatz zu anderen Gesellschaftssystemen, in denen alle unfrei seien. Freiheit für Liberale ist somit fast immer als Privileg zu verstehen.

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    1. "Nur die Freiheit der Haute Bourgeoisie zählt mit dem Argument, dass so wenigstens ein paar Menschen frei sind im Gegensatz zu anderen Gesellschaftssystemen, in denen alle unfrei seien."
      Ich denke, dass hat sich gewandelt. Vielleicht dachte man früher so. Heute glauben viele diese Liberalen es nützt allen und bringt allen die Freiheit. D.h. sie belügen sich selbst, da sie dann besser schlafen können.

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    2. Natürlich reden Liberale mit gespaltener Zunge, ist sozusagen ihr Kerngeschäft: in der öffentlichen, dem Pöbel ohne Mühen zugänglichen Diskussion, würden sie meine Einlassung niemals äußern. Intern, bei den neoliberalen Think Tanks etwa, ist Grundkonsens, dass Freiheit ausgeübt wird, indem man sich möglichst hemmungslos bereichert. Die Bereicherung ist dabei zu verstehen als Selektionskriterium eines zugrunde liegenden Sozialdarwinismus. Bisweilen reden sie auch mal in diesem Sinne Klartext vor durchaus kritischem Publikum. Im Film "Let's make money" kommen, wenn ich mich recht entsinne, solche Leute zu Wort. Auch einer der Chefs von Nestlé äußerte sich vor einiger Zeit so. Nicht zu vergessen, Blankfein - CEO von Goldman & Sachs - betreibt nach eigenem Bekunden das Werk Gottes (= des Marktes). Zugegeben der deutsche und z.T. der italienische Ordoliberalismus hegten teilweise die Vorstellung, der Staat müsse die Wirtschaft noch stärker im Sinne des Wettbewerbs überwachen als im real existierenden Sozialismus. Der real existierende Neoliberalismus unserer Tage zeigt, dass dies reine Traumtänzerei aus beschaulichen Universitätsstädtchen wie Freiburg i. B. war.

      Die Methode der rabiateren Variante des Neoliberalismus bspw. Hayekscher Handschrift ihre vorgebliche Menschenfreundlichkeit vorzuhalten, funktioniert nur, wenn man ihren Sozialdarwinismus beiseite schiebt. Nur, was außer einer Moralkeule hilft gegen Sozialdarwinismus? Thatcher hatte einmal gesagt, dass ohne arme Schlucker keiner mehr barmherzig sein könne...In etwa die gleiche Kerbe schlugen die elitären Gründer der AfD oder auch Macron in Frankreich, der mit kaum verhohlener Verachtung von den classes populaires spricht.

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    3. Ich kann das alles nur unterschreiben. Mich erstaunt, dass diesem Irrsinn so viele Menschen folgen. Faktisch sind wir fast alle Verlierer dieses Systems.

      Noch erstaunlicher ist, dass den wenigsten auffällt, dass man für dieses angeblich so überlegene System eine Heerschar an Lobbyisten braucht, um es durchzusetzen. Wenn es so überlegen für alle Menschen wäre, bräuchte man diese Leute nicht. Spätestens hier verrät sich das System sehr deutlich.

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  2. Am Anfang muss "Liberale ..." stehen

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